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Ein Neubau mit viel Platz für kreative Studenten

Die Ohm-Fakultät Architektur zieht um – mit einem lachenden und einem weinenden Auge - 14.08.2013 08:00 Uhr

Eine Einladung der Fakultät Architektur der Ohm-Hochschule zeigt die bisherige Unterkunft im B-Gebäude am Keßlerplatz (links) und die neuen Räume in der Bahnhofstraße.

Eine Einladung der Fakultät Architektur der Ohm-Hochschule zeigt die bisherige Unterkunft im B-Gebäude am Keßlerplatz (links) und die neuen Räume in der Bahnhofstraße. © Ohm-Hochschule


Die Fakultät konnte sich nicht so recht entscheiden, ob dabei mehr der Abschied aus dem sogenannten B-Gebäude am Keßlerplatz im Vordergrund stehen sollte oder der Einzug in den Bau am Dürrenhoftunnel. Man ist sich nicht einig: Manche bedauern den Umzug, andere freuen sich auf den vielen Platz am neuen Standort.

Michael Pfisterer steht auf dem langen Flur im zweiten Stock des B-Gebäudes auf dem Ohm-Campus und blickt um sich. Links und rechts stehen Umzugskartons und Computer, leere Regale und Rollcontainer mit ein paar Aktenordnern. Der Umzug ist schon ein gutes Stück fortgeschritten. Was jetzt noch hier ist, wird vielleicht gar nicht mehr mitgenommen, sondern wandert auf den Müll. In einem Nebenraum bauen studentische Hilfskräfte Computer ab, Passwörter werden hin- und hergerufen, alles sieht nach Aufbruch aus.

Roland Fengler

Roland Fengler


„Die Räume hier waren gut“, sagt Pfisterer. „Sie strahlten ein gewisses Maß an Neutralität aus, deswegen konnte man hier vieles machen.“ Der 51-Jährige hat einst selbst am Ohm studiert, seit 18 Jahren ist er für seine Hochschule als Laboringenieur mit Schwerpunkt EDV tätig. Zurzeit ist er der „Umzugsbeauftragte“ der Fakultät Architektur. Mit etwas Wehmut würden die Architekten den B-Bau verlassen. Das Haus sei zwar „in Würde gealtert“, brauchbar sei es aber trotzdem noch gewesen. Deswegen werde es ja auch künftig weiter genutzt, voraussichtlich vom Studiengang Bauingenieurwesen.

Der Neubau kam viel später als geplant

Pfisterer lobt den hochwertigen Boden aus Jura-Marmor. Das organische Material schaffe, anders als viele Beläge aus Kunststoff, eine „angenehme Atmosphäre“. Die gute Infrastruktur auf dem Campus – Cafeteria, Hochschulleitung und andere Einrichtungen der TH – liegen ringsherum, der Neubau an der Dürrenhofstraße hingegen ist etwa zehn Gehminuten entfernt und hat nur ein weiteres Ohm-Gebäude in der Nachbarschaft: Gegenüber sind die Betriebs- und die Sozialwissenschaftler untergebracht, dort gibt es aber zumindest eine Cafeteria.

Beim neuen Bestellbau war schon die Entstehung nicht ganz problemarm: Ein bereits auserkorener Bauherr sprang ab, weil er angeblich kaum etwas daran hätte verdienen können. Schließlich wurde der inklusive Parkhaus 18 Millionen Euro teure Bau mit einem anderen Bauherrn etwa anderthalb Jahre später fertig. Der Freistaat mietet nun vorerst zehn Jahre lang für die Hochschule Räume an. Kritiker, etwa im Nürnberger Baukunstbeirat, bemängelten die schlicht gehaltene Architektur als „enttäuschend und billig“. Klar, dass Studenten und Dozenten der Architektur-Fakultät auch eine dezidierte Meinung haben. Einige teilen die Kritik, andere sehen das Haus ganz pragmatisch als das, was es ist: ein Zweckbau.

Umzugsmanager Michael Pfisterer zeigt beim Rundgang durch den Neubau die eine oder andere Ecke, die etwas spartanisch anmutet, im Vordergrund steht jedoch der Nutzwert für die Menschen, die hier künftig lernen und arbeiten werden: So gibt es ein großzügiges Foyer, das dank dem Glasdach viel Tageslicht bekommt. Hier können in Zukunft Veranstaltungen stattfinden, etwa Präsentationen von Semesterarbeiten, die bei den Architektur-Studenten Teil ihrer Prüfungen sind. Die beiden großen Hörsäle im Erdgeschoss werden auch von der Fakultät Elektro-, Feinwerk- und Informationstechnik („Efi“) genutzt, die die unteren Stockwerke belegt, sowie von den bereits erwähnten Ohm-Nachbarn von gegenüber.

Professoren übten Verzicht für die Studenten

Die eher nüchterne Architektur des Bestellbaus an der Bahnhofstraße spiegelt seine Funktion wieder: Es ist ein Zweckbau.

Die eher nüchterne Architektur des Bestellbaus an der Bahnhofstraße spiegelt seine Funktion wieder: Es ist ein Zweckbau. © Roland Fengler


Die dritte und vierte Etage gehört der Fakultät Architektur. Etwa 600 Kubikmeter an Ausstattungsgegenständen, Möbeln, Werkzeugen und Technik hat ein Umzugsunternehmen in den Wochen zuvor hergebracht – das sind etwa 20 mittlere Lkw-Ladungen. Einige Möbel werden neu angeschafft und in Kürze geliefert. Beim Blick an die Decke schaut der Betrachter auf Luftschächte, Wasserrohre, Kabel und andere Versorgungsleitungen. Das ist beabsichtigt, denn die Fakultät wollte keine abgehängten Decken. So können die angehenden Architekten immer sehen, welche Infrastruktur dort oben in der Regel versteckt ist. „Wir haben hier auch auf vieles verzichtet“, erklärt Pfisterer und öffnet die Tür zu einem kleinen Büro. Hier wird der Dekan einziehen. Ein paar Türen weiter werden sich bis zu fünf Dozenten einen etwas größeren Raum teilen. Statt großzügigen Zimmern für das Personal soll besonders viel Raum für die Studenten da sein. Und tatsächlich: Drei große Hallen stehen den Bachelor- und Master-Studenten als Studios zur Verfügung. Hier soll möglichst jeder der rund 400 Studenten einen eigenen Arbeitsplatz haben, um an Modellen zu basteln, Materialien auszuprobieren oder mit Kommilitonen Projekte zu planen.

Einer der beiden Vorlesungssäle im Erdgeschoss. Diese teilen sich die Architekten mit anderen Fakultäten der Technischen Hochschule.

Einer der beiden Vorlesungssäle im Erdgeschoss. Diese teilen sich die Architekten mit anderen Fakultäten der Technischen Hochschule. © Roland Fengler


Patrick Kurzendorfer kennt den Neubau schon recht gut: Der 22-Jährige hat zwei Wochen lang mit sechs weiteren Hiwis beim Umzug geholfen. Jetzt ist er gespannt, wie es zugehen wird, wenn im Oktober der Studienbetrieb beginnt. Der Bachelor-Student, der gerade sein viertes Semester hinter sich gebracht hat, findet es gut, dass künftig viel Platz für studentisches Arbeiten sein wird. „Allerdings muss man mal sehen, wie die Akustik ist“, merkt er an. „Nicht dass es dann zum Arbeiten zu laut ist.“

Am alten Gebäude schätzte er, dass man dort abends einfach mal ein angefangenes Modell stehen lassen konnte, ohne Angst zu haben, es könnte am nächsten Morgen fort sein. Wirklich schön fand er aber weder das Gebäude noch das Umfeld. Er freut sich jetzt auf die neue Atmosphäre und die hochwertige Einrichtung. „Dass wir jetzt neue Stühle bekommen, das ist echt eine coole Sache!“
  

Florian Heider

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