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Ein zersägter Euro unter dem Mikroskop

Jugend- und Technik-Praktikum an der Uni Erlangen - 05.09.2012 16:00 Uhr

Auch ein Versuch, mehr aus seinem Geld zu machen: Zuerst zersägten die Werkstoffwissenschaftler die Ein-Euro-Münze in vier Teile, anschließend gossen sie diese in grünes Plexiglas ein. © Erich Malter


Von wegen Edelsteine: „Technische Diamanten sehen eher aus wie Dreck“, sagt Richard Kosmala. Der Werkstoffprüfer sprüht die dunkle Flüssigkeit auf die Polierplatten. In kreisenden Bewegungen müssen die Schüler ihre Viertel-Euro-Münzen darüber bewegen. Zehn Minuten lang, immer gleichmäßig rundherum.

Entscheidungshilfe für die Zeit nach dem Abitur

Christoph Meißner kann sich durchaus vorstellen, nach seinem Abitur im nächsten Sommer Werkstoffwissenschaften zu studieren. Nächste Woche beginnt für den 17-Jährigen die zwölfte und damit letzte Klasse am Erlanger Albert-Schweitzer-Gymnasium. Bei der Entscheidungsfindung, wie es danach weitergehen soll, soll ihm auch das Jugend- und Technik- Praktikum helfen.

Die Mädchen waren Vorreiterinnen. Schon seit 15 Jahren gibt es das Mädchen- und Technik-Praktikum an der Technischen Fakultät der Universität Erlangen. In der letzten Woche der Sommerferien dürfen die Schülerinnen experimentieren und forschen und in die technischen Studiengänge hineinschnuppern.

63 Teilnehmerinnen haben sich für diese Woche angemeldet. Erst vor zwei Jahren kamen die Jungs dazu – zwecks der Gleichberechtigung. Seither gibt es zusätzlich das Jugend- und Technik-Praktikum, an dem sowohl Jungen als auch Mädchen teilnehmen dürfen. 80 Teilnehmer sind es heuer. Ihr Programmheft ist blau, das der Mädchen rosa, doch die Versuche sind die gleichen.

Um das Innere des Euro besser unter dem Mikroskop betrachten zu können, haben die Schüler Ecken und Kanten des Plexiglases abgeschliffen und auch die Prägung der Münze entfernt. © Erich Malter


Jeder darf sich vier Experimente aussuchen, die über die Woche verteilt entweder am Vormittag oder am Nachmittag stattfinden. Auf Meißners Stundenplan steht für Dienstag früh der Kurs „Geld regiert die Welt“ im Fachbereich Werkstoffwissenschaften. „Du bist echt ein begnadeter Schleifer“, lobt ihn Werkstoffprüfer Richard Kosmala im Labor. Die Schüler untersuchen Ein-Euro-Münzen. 850 Grad müssen die Geldstücke aushalten und ein Salzsäure-Bad.

Ihr silberfarbener innerer Kreis enthält 75 Prozent Kupfer und 25 Prozent Nickel. Der goldfarbene äußere Ring besteht ebenfalls aus 75 Prozent Kupfer, dazu 20 Prozent Zink und 5 Nickel – das ergibt Messing. Jeder Teilnehmer bekommt aber nur einen Viertel-Euro, sonst würde der Versuch wohl irgendwann ins Geld gehen. Damit das Viertel nicht zerfällt und alle Experimente mitmacht, gießen es die Schüler in eine grüne, glibbrige Masse ein.

„Wenn das aushärtet, ist es Plexiglas“, erklärt Kosmala, der den Glibber aus einem Pulver und einer Flüssigkeit zusammenrührt. Nachwuchsforscherin Kristin Adam will es genauer wissen. „Polymethylmethacrylat“, liest die 16-Jährige vom Etikett vor. Ihr Lieblingsfach am Gymnasium in Gunzenhausen ist Chemie. Für den Nachmittag hat sie sich noch zum Versuch „Metallschaum“ angemeldet. Nach dem Abitur in zwei Jahren möchte sie gerne Bio- oder Chemieingenieurwesen studieren, „oder beides zusammen“, sagt Adam.

In der Vergrößerung ist die Körnung der Münze zu sehen. © Erich Malter


Zunächst aber muss auch sie ihren Plexiglas-Zylinder abschleifen und polieren. Zwischendurch immer wieder abwaschen und mithilfe eines Utraschallbads den Diamanten-Dreck aus den Vertiefungen spülen. Christoph Meißner prüft die Härte der Münze.

Mit der sogenannten Vickershärtemessung berechnet er, welchen Widerstand der Euro einer Diamantpyramide entgegensetzt, die in ihn hineingedrückt wird. Der Außenring ist härter als der Innenring des Euro. Ein 25-Centstück aus den USA, das Meißner zum Vergleich misst, ist um ein Viertel weicher. Es besteht fast ausschließlich aus Kupfer.

Um die Dichte der Euro-Münze zu bestimmen, muss Meißner auf einen Trick des antiken Archimedes zurückgreifen. Der testete die Echtheit der goldenen Krone des Königs angeblich in der Badewanne.

Auch Meißner wiegt, wie viel Wasser sein Geldstück verdrängt. Jeder Kubikzentimeter der Münze ist rund 8,77 Gramm schwer. „Da sieht man, dass Spezialisten am Werk sind“, sagt Kosmala. Unter dem Mikroskop sind die einzelnen Kristalle des polierten Euro deutlich zu erkennen. 

Christina Merkel

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