Mittwoch, 12.12.2018

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Erlangen: Gemeinsam trauern im E-Werk

Hospizverein eröffnet eine Anlaufstelle für junge Leute im E-Werk - 06.05.2015 16:30 Uhr

Ulrike Taukert (r.) und Eva-Maria Stelzer (l.) sind im Team, das die Trauerbegleitung für Jugendliche und junge Erwachsene im E-Werk betreut. © David Ganek


Unfassbar. Dieses Wort ist oft zu hören – oder zu lesen — , wenn jemand gestorben ist. Unfassbar für diejenigen, die zurück bleiben. Um den Tod eines nahestehenden Menschen zu verarbeiten und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, können Erwachsene in eine Trauergruppe gehen — allein in Mittelfranken gibt es über 30 derartige Anlaufstellen. Zwei Trauergruppen gibt es auch für Kinder — in Erlangen und Nürnberg.

Für Jugendliche und junge Erwachsene dagegen ist in ganz Bayern ein derartiges Angebot bislang nicht vorhanden, hat der Hospiz Verein Erlangen festgestellt. Jetzt schließt er diese Lücke und bietet mit der offenen Gruppe „TrauERwerk“ eine Anlaufstelle für 14- bis 27-Jährige an. Jeden ersten Mittwoch im Monat von 19 bis 20.30 Uhr ist ein Treffen im E-Werk geplant. Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich, kommen kann jeder, und die Teilnehmer dürfen auch eine Person ihres Vertrauens mitbringen.

Ein Team von vier ausgebildeten Trauerbegleitern gestaltet zusammen mit den Teilnehmern die Abende — Ulrike Taukert, Kerstin Danner, Eva-Maria Stelzer und David Ganek. Bisher haben sie Einzelbegleitung für junge Erwachsene angeboten — oder, wie David Ganek, die Trauergruppe für Kinder betreut und in der Sterbehilfe mitgearbeitet.

Der 27-Jährige hofft, dass junge Leute sich trauen, das neue Angebot anzunehmen — und verweist darauf, dass der Veranstaltungsort bewusst gewählt ist. „Ins Hospiz will kein Jugendlicher gehen“, sagt David Ganek. „Aber keiner muss sich schämen oder rechtfertigen, wenn er ins E-Werk geht.“

Wie schwierig der Umgang mit Trauer ist, hat er selbst vor ein paar Jahren erfahren. Damals erzählte eine Kommilitonin ihm, dass ihr Bruder Krebs habe und sterben werde. „Sie hat geweint“, erinnert sich David Ganek. „Da habe ich verlegen weg geschaut, weil ich nicht wusste, wie ich reagieren soll.“

Für den Lehramtsstudenten mit den Fächern Religion und Englisch war dieses Erlebnis der Einstieg in die Hospizarbeit. Er wollte lernen, wie man mit der Trauer anderer Menschen umgehen kann — und blieb hängen. Er machte eine Ausbildung als Hospizbegleiter, absolvierte ein Praktikum im Hospiz in Erlangen. Eine Ausbildung als Kinderhospizbegleiter folgte.

Seitdem hat er in der Kindertrauergruppe mitgearbeitet, in Einzelbegleitung einen Sechsjährigen unterstützt. Jemanden zu haben, der nicht in der Trauer mit drin stecke, könne eine Bereicherung sein, hat er dabei beobachtet. Genauso könne es aber auch hilfreich sein zu wissen, dass andere in der gleichen Situation sind.

Ein todkranker Familienangehöriger oder ein Klassenkamerad, der gestorben ist — die neue Trauergruppe will Raum geben und sich Zeit nehmen, sich damit auseinanderzusetzen.

  

EVA KETTLER

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