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Fabrik bald Teil des Landesgartenschau-Geländes?

Wiese hinter Firma Möbius+Partner fest eingeplant - 05.05.2017 06:00 Uhr

Mitten im LGS-Gelände: Die Fabrik Möbius+Partner, rechts davon die Wiese im Südzipfel der Insel. © Skyling/Tobias Dotzauer


Im südlichen Teil der Wöhrmühlinsel befindet sich die Fabrik Möbius+Ruppert. Das 1922 gegründete Unternehmen stellt technische Zeichengeräte und Spitzer her. Man kann stolz sein hier: 1908 erfand Paul Theodor Möbius, ein Vorfahre der heutigen Firmeninhaber, den industriell gefertigten Bleistiftspitzer. Die Hundertschaften von Radfahrern und Fußgängern, die täglich auf dem Weg zwischen Innenstadt und Alterlangen vorbei kommen, machen sich darüber in der Regel keine Gedanken.

"Wir bekommen ungewollt Aufmerksamkeit", sagt jetzt Julia Fischer, Urgroßnichte des Erfinders und Urenkelin des Unternehmensgründers. Beim EN-Forum zur Landesgartenschau rückte die Fabrik Möbius+Ruppert in den Fokus. Denn sie befindet sich mitten auf dem Gelände, auf dem die Stadt 2024 die LGS ausrichten möchte. "Wir sind im Austausch mit der Stadt, aber es gibt noch nichts Greifbares", erklärt Julia Fischer. Genauso wenig wie beim Parkhaus gebe es von Seiten der Stadt "bei uns" eine Planung. "Es wird sicher nicht unproblematisch sein, weil wir uns eine Auffahrt teilen müssen", ergänzt Ulrich Fischer.

Über die Brücke fahren täglich Lastwagen zur Fabrik, um Material zu liefern oder abzuholen. "Wir erwarten, dass der Stadt bewusst ist, dass die LGS zu keinen Einschnitten bei unserem laufenden Geschäftsbetrieb führen darf", sagt Ulrich Fischer. "Wir haben Vertrauen in die Stadt, dass sie uns in unserem normalen Betrieb nicht beeinträchtigt", formuliert es Julia Fischer. Denn einzig bei Hochwasser fahren die Lastwagen nicht zur Fabrik. So wie eine Woche lang im Juni 2013, als die Wiesen und die Straße komplett überschwemmt waren.

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Kann sich die Fabrik Möbius+Ruppert als eine Art Industrie-Denkmal in die LGS einfügen , wie es der Oberbürgermeister beim EN-Forum andeutete? Zwar habe OB Janik ihnen gegenüber darauf hingewiesen, dass der Besucherzustrom durch eine LGS auch eine Chance für die Fabrik Möbius+Ruppert sein könne, sagt Julia Fischer. "Wir werden dafür aber keine Mitarbeiter einstellen", fügt sie hinzu. "Wir sind kein Museums-, sondern ein Industriebetrieb."

Ganz konkret versucht die Stadt, mit den Firmeninhabern eine Lösung für den Zugang auf die Südspitze der Insel zu finden. Dort ist eine Wiese, die durch die Regnitz und die Fabrik von der Umgebung abgeschirmt ist. "Ein Paradies", sagt Jürgen Kraft. Der Rechtsanwalt für Agrarrecht betont, dass sich durch die Insellage ein "Biotop" entwickelt habe, in dem viele Rebhühner und Fasane Zuflucht finden. Krafts Bruder — der letzte Landwirt im Stadtgebiet — ist seit 20 Jahren Bewirtschafter der städtischen Wiese. "An diesem Standort sollen Stege, Wege, Spiel- und Grillplätze errichtet und eine Million Menschen durchgeschleust werden, und dann wird noch von ökologischer Aufwertung gesprochen", sagt Kraft.

Es stimme einfach nicht, so Kraft, dass dort "intensive Landwirtschaft und bloße Heuwiese" seien, wie es die Befürworter der LGS darstellen würden. Sein Bruder fahre nur einmal, höchstens zweimal im Jahr in die Wiese — die durch ein Tor abgesperrt sei — , um dort zu mähen, auch wenn der feuchte Standort eine "vier- bis fünfschnittige Bearbeitung pro Jahr" hergeben würde. 

Den Schnittzeitpunkt setze er bewusst spät an, damit Bodenbrüter und Niederwild eine lange Ruhezeit haben. Außerdem verzichte er auf jegliche mineralische Düngung. "Der ursprüngliche Sinn einer LGS ist, dass eine Konversionsfläche ökologisch aufgewertet wird, so wie 2014 in Bamberg oder 2018 in Würzburg", sagt Kraft. "Aber hier, bei dieser Wiese, ist eine Aufwertung nicht möglich, denn sie ist ja schon ein Biotop."

Dass sein Bruder auch einer von sechs Eigentümern der Wiese zwischen Regnitz und Autobahn ist, die die Stadt für die LGS zu erwerben versucht, bleibt nicht unerwähnt. Der Wiesengrund aber, meint Kraft, sei für die Stadt Erlangen nur der "Türöffner, um an Fördermittel ranzukommen". Ohne den Wiesengrund würde, auch die Entwicklung des Großparkplatzes nicht gefördert werden, den die Stadt nach der LGS gewinnbringend an Privat-Investoren verkaufen wolle. "Die Umgestaltung des Parkplatzes soll die Stadt doch ruhig machen", sagt Kraft. "Aber den Flecken Natur lass’ ich doch."

 

EVA KETTLER

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