10.000 Euro fehlen

Bonsai Festival kämpft ums Überleben - droht die Absage?

Jannik Westerweller

Nordbayern.de

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23.4.2024, 13:01 Uhr
Fritzi Ernst auf dem Bonsai Festival 2023.

© Henning Persian Fritzi Ernst auf dem Bonsai Festival 2023.

Das Bonsai Festival am Wöhrder See ist seit drei Jahren eine feste Institution in der Nürnberger Festival-Szene. Gestartet als kleines DIY-Festival im Hinterhof der Musikzentrale, hat sich das Festival gemausert und durfte im vergangenen Jahr rund 3000 Besucherinnen und Besucher vor der großen Bühne am Nordufer des Wöhrder Sees begrüßen. Die Vorfreude auf das Bonsai Festival 2024 war groß unter den Ehrenamtlichen, die das Festival organisieren.

Nun steht das Festival vor großen Schwierigkeiten. Das Problem: Die Fördergelder für das beliebte Umsonst-und-Draußen-Festival sind ausgelaufen. "Das sind Gelder, die waren beim ersten Mal da, die waren beim zweiten Mal da. Jetzt fehlen sie", erzählt Jule Sperber, die als pädagogische Mitarbeiterin des Kulturzentrums "Luise - the Cultfactory" das Festival mitbetreut.

Händeringend versuchen die Ehrenamtlichen des Festivals doch noch Fördergelder zu erhalten, schreiben Anträge. Viele dieser Anträge werden jedoch abgelehnt, für andere sei es jetzt schon zu spät.

Ihre letzte Hoffnung: ein Crowdfunding. 10.000 Euro wollen die Ehrenamtlichen sammeln. "Helft uns dabei, das Bonsai Festival 2024 in gewohnter und geliebter Form stattfinden zu lassen! Damit das Festival weiterhin für alle zugänglich ist, muss es umsonst bleiben. Getränkepreise müssen bezahlbar sein. Acts, Bühne, Maßnahmen für Barrierefreiheit und Co.", schreiben die Ehrenamtlichen auf der Homepage des Festivals.

"Wir können auch nicht wirklich eine Gegenleistung anbieten", erzählt Sperber. Schließlich sei es ein Umsonst-und-Draußen-Festival. Als Gegenleistung bietet das Festival aktuell nur Getränkegutscheine an.

Doch auch benannte 10.000 Euro sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wie teuer ein derartiges Festival ist, können sich nur die wenigsten vorstellen: Gagen für die Künstlerinnen und Künstler, die Bühne samt Veranstaltungstechnik, Toiletten, Wasserstellen, Genehmigungen bei der Stadt und Personal treiben die Kosten für das ehrenamtlich organisierte Festival schnell in den mittleren fünfstelligen Bereich.

Doch was, wenn die Summe nicht zusammenkommt? "Dann kann es sein, dass bestimmte Maßnahmen wegfallen", erzählt Sperber. "Wir werden dann schauen müssen, wo wir einsparen können."

Zwar habe das Festival auch Einnahmequellen, beispielsweise aus Getränkeverkäufen, ebenfalls zahlen die Foodtrucks eine kleine Standmiete auf dem Festival. Diese decken jedoch nur einen Bruchteil der Kosten in astronomischen Ausmaßen. In der Regel werden diese Kosten mit Eintrittsgeldern finanziert: "Und die haben wir ja nicht", sagt Sperber, die das Umsonst-und-Draußen-Festival mitorganisiert.

"Es drückt voll arg auf die Stimmung im ehrenamtlichen Team", meint Sperber weiter. "Die letzten Jahre war es voll schön. Jetzt haben die Ehrenamtlichen Angst, ob es überhaupt stattfinden kann."

Dass das Festival komplett abgesagt werden muss, hält Sperber aber für eher unwahrscheinlich: "Ich bin mir sicher, dass es in irgendeiner Form stattfinden wird", meint die pädagogische Mitarbeiterin. Im schlimmsten Fall müssten eben Abstriche gemacht werden.

Doch nicht nur dem Bonsai Festival mangelt es an Geld - die gesamte Kulturbranche leidet, hinten und vorne fehlt das Geld.

Zuletzt kämpfte das Gostner Hoftheater darum, die Spielzeit nicht schon vorzeitig abbrechen zu müssen. 150.000 Euro fehlten im Budget.

Auch Nürnbergs letztes Community-Radio, der Radio-Sender Radio Z, steckt nach einer Hiobsbotschaft in der Krise und muss um sein Überleben bangen.

Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung für das Bonsai Festival. Nur wenige Tage nach Start des Crowdfundings sind schon fast 1500 Euro zusammengekommen. Das Crowdfunding läuft noch bis zum 15. Mai.

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