Montag, 19.11.2018

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"Das Prinzip Montessori": Lust am Selber-Lernen

Doku "Das Prinzip Montessori" lässt viele Fragen offen - 06.09.2018 08:00 Uhr

Neugierig auf die Welt: Filmszene mit zwei kleinen Besucherinnen des Montessori-Kindergartens in Roubaix. © Neue Visionen


Es geht erstaunlich diszipliniert zu in dem Kinderhaus "Jeanne D’Arc" in Roubaix. Drei- bis Sechsjährige widmen sich hier, wie es scheint, aus eigenem Antrieb mit großer Ausdauer allein oder zu zweit und nach eigenem Belieben unterschiedlichsten Aufgaben. Ein Junge trainiert seine Geschicklichkeit, indem er stundenlang immer wieder Reis von einem Gefäß in ein anderes umfüllt, ein anderer seine Kraft beim Zerkleinern einer schweren Frucht, ein Mädchen malt Buchstaben und unternimmt erste Leseversuche, ein anderes Kind übt sich im Rechnen.

Zwei Jahre lang hat der Franzose Alexandre Mourot die Knirpse mit der Kamera begleitet und aus ihrer Perspektive Bilder eingefangen, die mit Grundsätzen der berühmten italienischen Reformpädagogin Maria Montessori (1870–1952) korrespondieren. Die eigenwillige Ärztin und Philantropin bescheinigte Kindern eine "natürliche ungerichtete Neigung zur Arbeit" und einen inneren Drang zum Lernen. Entsprechend sollen die Lehrenden niemanden anweisen oder prüfen, sondern zuschauen und nur dann etwas erklären, wenn von den Schützlingen der Impuls dazu kommt.

Den Anstoß zu der Dokumentation gab Mourots eigene neugierige Tochter. So wie sie im Alter von nur wenigen Monaten ihre Interessen verfolgte, unentwegt Dinge erlernen und probieren wollte, eröffneten sich dem ehemaligen Ingenieur viele Fragen. Das Prinzip des Selbermachens führte unweigerlich zur Auseinandersetzung mit den Lehrmethoden Montessoris, von deren Praxistauglichkeit er sich vor Ort überzeugen wollte.

So weit eine gute Idee, zumal im Hinblick auf die nicht nur in Deutschland zunehmend große Beliebtheit dieser Pädagogik. Weltweit gibt es insgesamt 40 000 Montessori-Schulen. Wer allerdings mehr über dieses Erziehungsprinzip erfahren möchte, sitzt im falschen Film, kommt doch außer der aus dem Off viel zitierten Maria Montessori nicht ein einziger Experte zu Wort.

Zwar stellt sich dank Weitwinkelaufnahmen und großer Tiefenschärfe das Gefühl ein, mitten unter den Kindern zu sein. Über sie, ihre Eltern und die Lehrer erfährt man jedoch wenig. Bei alldem wirkt die uneingeschränkte Harmonie in Roubaix suspekt. Sollten Montessori-Schulen tatsächlich von jeglichen Misserfolgen und Problemen verschont bleiben? Und ist der an allgemeinbildenden deutschen Schulen um sich greifende eklatante Lehrermangel in diesen Einrichtungen gar kein Thema? (F/100 Min.) 

Kirsten Liese

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