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Über 200.000 Menschen waren am Bardentreffen

Stadt wurde zur großen Musikbühne - Bauchschmerzen verursachten einige Straßenmusiker - 30.07.2012 08:13 Uhr

Friedlich, sommerlich, beeindruckend: So lässt sich das 37. Bardentreffen unter dem Motto „Canada in Concert“ zusammenfassen. 70 Konzerte auf acht Bühnen, dazu unzählige Straßenmusiker und Künstler verwandelten die Stadt am vergangenen Wochenende zu einer einzigen großen Bühne, die von 200000 begeis


Eigentlich wollten Anette Fliegl und Miriam Jalinek zum Sebalder Platz und sich den Nürnberger Musiker Klaus Brandl mit seiner Band ansehen. Doch vom Hauptbahnhof bis dorthin ist es noch ein weiter Weg, der von vielen Straßenmusikern und noch viel mehr Menschen an diesem Samstagabend gesäumt ist.

Schon in der Königstorpassage dröhnt ihnen der Bass und das Schlagzeug der Nürnberger HipHop- und Reggaeband „Megaphon“ entgegen, die sich am Aufgang zur Königstraße postiert hat. Für die beiden 23-jährigen Frauen aus Schwandorf ist hier erst mal Schluss.

Aussichtslos, an der siebenköpfigen Band vorbeizuhasten – dafür gefällt ihnen die Musik zu gut. Klaus Brandl muss warten. Fliegl und Jalinek lassen sich von den Sprechgesängen der Band und der Stimmung der anderen Zuschauer mitreißen.

„Auf dem Bardentreffen hat man wirklich ständig die Qual der Wahl zwischen bekannten Bands auf den großen Bühnen und den tollen Künstlern auf der Straße“, sagt Fliegl. „Aber das macht das Bardentreffen so einmalig“, schwärmt die Ergotherapeutin, „sich einfach treiben zu lassen und die tolle Stimmung zu genießen“. Fliegl ist dieses Jahr zum vierten Mal auf dem Festival, ihre Freundin Jalinek zum dritten Mal.

„Weit über 200000 Menschen haben dieses Jahr das Bardentreffen besucht“, schätzt Karl-Heinz Fischer vom Kulturreferat, Organisator des Bardentreffens. Noch zum Auftakt am Freitag hatten er und sein Mitstreiter Andreas Radlmaier sorgenvoll auf die Wettervorhersage geblickt: Für Samstag und Sonntag waren schwere Gewitter angesagt.

Bilderstrecke zum Thema

Bardentreffen 2012 - die Straßenmusiker

Was wäre das Bardentreffen ohne die zahlreichen Straßenmusiker? Nur halb so schön. Deshalb widmen wir ihnen eine eigene Bildergalerie.


„Bei Unwetter müssen wir die Veranstaltung abbrechen“, sagte Radlmaier vor dem Festivalauftakt am Freitagnachmittag. Doch Sturm, Blitz und Donner machten einen Bogen um Nürnberg und das Bardentreffen – nur ein paar Regenschauer schickte Petrus zur Abkühlung vom Himmel. „Das ist das Glück der Tüchtigen“, sagt Fischer mit einem Lachen.

Für den erfahrenen Organisator haben sich bei der 37. Ausgabe des Festivals einige Überraschungen aufgetan. „Ich wusste gar nicht, dass Nürnberg so eine riesige spanische Gemeinde hat“, sagt er angesichts der vielen feiernden Spanier beim Konzert von Jarabe de Palo am Samstagabend auf dem Hauptmarkt (siehe Seite 11). Auch die fränkische Rappercombo „Kellerkommando“ am Samstagabend auf der Insel Schütt entpuppte sich für Fischer als Sensation. „So viele Leute hätte ich dort nicht erwartet.“

Trotz der vielen Menschen in der Stadt lief das dreitägige Festival auch aus Sicht der Polizei ruhig und friedlich ab. Eine abschließende Bilanz wird aber erst heute gezogen.

Bauchschmerzen verursachten den Organisatoren dagegen einige der Straßenmusiker. „Ich weiß nicht, was eine überlaute Trommeltruppe oder ein Musiker, der keine eigenen Lieder präsentiert, auf dem Bardentreffen zu suchen haben“, sagt Fischer. „Da werden wir uns für das kommende Jahr etwas überlegen müssen.“ Die meisten Straßenmusiker haben sich nach Aussage von Fischer jedoch an die Regelungen, die vorab verteilt wurden, gehalten. „Und es waren auch einige Entdeckungen dabei, die wir vielleicht für das nächste Bardentreffen verpflichten können.“

Dass sich angesichts der steigenden Zahl von Straßenmusikern etwas ändern muss, sieht auch der Straßenkünstler Mark Gillespie so. Seit acht Jahren reist er extra aus Aachen zum Bardentreffen an. „Die Gruppen nehmen immer weniger Rücksicht aufeinander. Für die Zuhörer ist das unerträglich, wenn sich zwei Bands akustisch überlagern.“

 

Mit den umstehenden Gruppen hat der britische Sänger deswegen vereinbart, abwechselnd zu spielen. „Das ist angenehm für uns und vor allem für die Besucher.“ So könnte er sich auch eine mögliche Lösung für das kommende Jahr vorstellen. „Es gibt blaue und rote Buttons, die sich die Künstler anstecken müssen. Die roten dürfen zur vollen Stunde spielen, die blauen jeweils zur halben.“
 

  

Katrin Wiersch

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