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Hauptpost hat keine Chance

Baureferent Ulrich: „Kopfbau ist nicht zu retten“ — Verständnis für Kritiker - 20.01.2015 19:58 Uhr

Könnte Ende dieses Jahres bereits fallen: die ehemalige Hauptpost neben dem Nürnberger Hauptbahnhof. © Foto: Eduard Weigert


Eines immerhin bleibt. Die Post im Erdgeschoss des markanten Kopfbaus hat einen Mietvertrag bis 2027. Doch in welchem Gebäude sie am Hauptbahnhof in Zukunft ihre Briefmarken verkaufen wird, ist offen. Der Investor will neu bauen und demnächst einen Architektenwettbewerb ausschreiben (wir berichteten). Was über Jahrzehnte niemand haben wollte, sei nicht zu retten, sagt Baureferent Ulrich. Zahlreiche Leser des Lokalteils hatten sich bei einer Umfrage für den Erhalt des seit langem leerstehenden Eckgebäudes ausgesprochen.

Ulrich: „Alle bisherigen Interessenten wollten dort ein Shoppingcenter und Tabula rasa machen.“ Sprich, auch den denkmalgeschützten Rundbau abreißen, der, düster und mit verrammelten Fenstern, seit Jahrzehnten einen trostlosen Eindruck macht. Die Grünwalder Hubert Haupt Projektentwicklung, die den dreiteiligen Komplex Ende 2013 gekauft hat, sei die Erste, die den Rundbau erhalten wolle. Mehrere Hotels, aber kein Kaufhaus, sollen einziehen.

Kein Wert an sich

Dass es schmerzt, wieder einen altvertrauten Bau fallen zu sehen, könne er verstehen, so Ulrich. Doch ein Wert an sich sei die ehemalige Hauptpost nicht. Die 2008 abgerissenen, denkmalgeschützten Milchhof-Hallen seien dagegen ein großer Verlust gewesen, so Daniel Ulrich. Er spricht allerdings lieber über Erfolge. Zum Beispiel über die gerettete Rosenfelder-Villa in der Virchowstraße, für die sich eine Bürgerinitiative starkgemacht hatte, oder über ein ehemaliges Kasernengebäude an der Bärenschanzstraße, das jetzt doch stehen bleibt. Und natürlich über den Deutschen Hof, der demnächst saniert wird.

Dass viele Interessierte das Gefühl haben, sie seien in Sachen Hauptpost nicht gefragt worden, kommentiert der parteilose Referent so: Der Stadtrat sei das legitime Gremium, das über die Zukunft des Areals zu entscheiden habe. Statt weitere Jahre des Stillstandes zu riskieren, habe man sich im Rathaus gegen einen Bebauungsplan und den Erhalt des Kopfbaus entschieden. Dann nämlich müsste die Kommune das Haus selbst erwerben und sanieren. Ulrich: „Hotels und Büros sind nicht gerade ein Kerngeschäft der Stadt.“ Und jeder Investor würde sofort das Weite suchen.

Auch Architektur-Student(inn)en haben sich in einem Wettbewerb des Architekten- und Ingenieurvereins mit dem Post-Kopfbau befasst. Zehn Teams entkernten das Gebäude zum Teil bis aufs Stahlbetonskelett und setzten weitere Etagen obendrauf. Ihr Betreuer, Architektur-Professor Josef Reindl, hält solche Lösungen für durchaus praktikabel. Zitat: „Es gibt keinen zwingenden Grund, den Bau abzureißen. Man müsste sich nur auf ihn einlassen.“ Der Investor habe das offenbar nicht vor. Baureferent Ulrich dagegen sieht die Studenten-Entwürfe kritisch: „Mit welcher Leichtigkeit man sich hier über städtebauliche Rahmenbedingungen hinwegsetzt, ist beeindruckend.“ 

CLAUDINE STAUBER

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