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Interview mit der Sängerin Cäthe

"Es rattert immer in meinem Kopf!" - 12.03.2012 16:34 Uhr

NZ: Frau Catharina Sieland, auf der Bühne nennen Sie sich Cäthe. Wer sind Sie privat?

Cäthe: Cäthe ist nicht nur mein Künstler-, sondern auch mein Spitzname. Daher bin ich auch privat Cäthe – meistens jedenfalls. Eine Freundin hat mir diesen Spitznamen geschenkt. Er kam relativ spät zu mir, erst mit 19 Jahren. Es hat aber sofort gefunkt.

NZ: Ihr Album heißt „Ich muss gar nichts“ – was hat es mit dem Titel auf sich?

Cäthe: „Ich muss gar nichts“ bedeutet, mir nicht alles gefallen zu lassen, auf mein Bauchgefühl zu vertrauen und meinen eigenen Weg zu gehen.

NZ: Kann man sich im heutigen Kunstbetrieb so frei fühlen, tun und lassen zu können, was man will?

Cäthe: Wenn man beharrlich an seinen Prinzipien festhält, kann es etwas länger dauern, bis sich der eigene Weg abzeichnet. Da fehlt häufig dann die Zustimmung, wenn der Erfolg nicht sofort eintritt. Doch jeder sollte sich die Zeit nehmen, sich und seine Kunst zu entwickeln.

NZ: Einige Songtitel lauten „Señorita“, „Ewige Braut“, „Tiger Lilly“ oder „Wahre Liebe“ – sind Sie selbst die jeweilige Protagonistin dieser Songs?

Cäthe: Ja, zum Teil bin ich das in jedem dieser Songs. Jedes Lied spiegelt etwas von dem wider, was ich selbst erlebt habe oder gerade erlebe.

NZ: Ihre Musik ist häufig laut, wild und fordernd – entspricht das auch Ihrem Naturell?

Cäthe: Es entspricht dem, was im Zusammenhang mit der Musik aus mir heraus möchte. Ich fordere viel vom Leben und gebe alles.

NZ: In dem Song „Ding“ singen Sie ein Hohelied auf die Bewegung – sind Sie ein „unruhiger Geist“?

Cäthe: Ja, das bin ich. Es rattert immer in meinem Kopf. Das gehört einfach zu mir. „In Bewegung sein“ heißt aber nicht, sich der Schnelllebigkeit zu unterwerfen, sondern seinen eigenen Rhythmus zu finden. Jedes Herz hat seinen eigenen Rhythmus, und wenn man ihm folgt, können Träume wahr werden.

NZ: Einige Ihrer Songs klingen wie eine verjüngte Mischung aus Nina Hagen, Lisa Dalbello und Janis Joplin. Finden Sie sich selbst darin wieder?

Cäthe: Das ist eine schwierige Frage, weil ich nicht stehen bleiben will. Was mich mit diesen Frauen verbindet, ist vielleicht eine gewisse Stimmfarbe oder auch eine ähnliche Wirklichkeit.

NZ: Wo sind Sie musikalisch verwurzelt?

Cäthe: Als junges Mädchen habe ich gerne amerikanischen Folk gehört. Ich mag es, den Geschichten zu lauschen, die uns allen widerfahren. Die späten 60er und frühen 70er Jahre haben mich immer fasziniert. Diese Frische, das Pure in den Liedern und die Sehnsucht nach Freiheit.

NZ: Sehen Sie sich selbst als Teil der neuen deutschen Songwriter-Welle um Tim Bendzko oder Philipp Poisel?

Cäthe: Nein. Ich habe schon vor zehn Jahren deutsche Lieder geschrieben. Die Musik ist mir genauso wichtig wie die Texte. Ich möchte musikalisch viele Einflüsse einfließen lassen und experimentieren. Der rote Faden ist meine Stimme und meine Art, Texte zu schreiben.

NZ: Sie haben zunächst Kunst- und Design studiert. Wie sind Sie davon zur Musik gekommen?

Cäthe: Ich habe angefangen Schmuck und Design zu studieren, weil ich aus einer Handwerkerfamilie komme und mir das sehr liegt. Das Fieber für die Musik sank jedoch nicht und wurde eher heftiger. Es gab für mich mit Anfang 20 daher keine andere Wahl, als Musik zu machen.

NZ: Sie sind Tochter eines Schmieds und Ihre Songs bezeichnen Sie als Werke Ihrer „Klangschmiede“ – sehen Sie sich eher als Handwerkerin oder Künstlerin?

Cäthe: Musik zu machen, ist ein Handwerk. Sich Musik auszudenken, ist eine Kunst. Beides gehört zueinander. Erst durch die Art und Weise, wie wir sie äußern und umsetzen, wird sie lebendig. 

Fragen: Thorsten Hengst

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