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Klavierbauer: Es geht um Zehntelmillimeter

NZ-Talentcheck: der Weg zum perfekten Instrument - 16.07.2014 07:14 Uhr

Auf dem Weg zum perfekten Instrument: Die beiden Klavierbauer-Azubis Felix Eul und David Baum (unten) arbeiten konzentriert. Sie wissen, dass es in ihrem Beruf um Präzision geht.


Den Auszubildenden werden bei Klavier Kreisel die Grundlagen des Klavierbauer-Berufes vermittelt: Genauigkeit gehört dazu.


Es riecht nach Holz. Jemand schleift eine Gussplatte. Dazwischen hört man Klaviertöne: Ein Flügel wird gestimmt. Wir sind in der Werkstatt des Klavierhauses Kreisel in Fürth. Jeder arbeitet hier konzentriert, denn Genauigkeit ist eine wesentliche Eigenschaft, die Klavierbauer besitzen müssen. Bei diesem Beruf geht es um Zehntelmillimeter. „Am Anfang der Ausbildung kann man schon verzweifeln – beim Klavierstimmen zum Beispiel“, sagt Felix Eul, Azubi im ersten Jahr. „Ich dachte immer, so fein einstellen, das geht doch gar nicht. Doch der Meister widersprach.“

Werkstattleiter Thomas Kreisel lacht: „Diese Debatte hatten wir lange. Ich habe dabei versucht, die Zusammenhänge zu vermitteln. Das ist ganz wichtig, sonst sind die Auszubildenden irgendwann nicht mehr motiviert.“ Felix hat so die ersten Hürden überstanden und erklärt heute: „Es ist schon fein, wenn man am Schluss ein schönes Instrument mit einem tollen Klang vor sich hat.“

Doch der Weg dahin ist weit. Felix: „Man erfährt im Laufe der Zeit viel über die verschiedenen Holzarten. Wie die Mechanik genau funktioniert, aus welchen Bestandteilen das Instrument besteht, wie man es zerlegt und wieder zusammenbaut. Manche Tätigkeiten muss man dabei mehrfach wiederholen, so lange, bis sie haargenau passen.“ Thomas Kreisel stimmt zu: „Ob der Klang stimmt, kann man erst nach 200 Stunden feststellen, die ein Geselle im Schnitt zur Restaurierung braucht. Bei einem Azubi sind es 1000. Dann ist es zu spät, noch Fehler auszubessern oder zumindest äußerst aufwendig. Man muss vorher achtsam sein!“

Bei dieser Ausbildung kann man zwischen zwei Fachrichtungen wählen: Klavierbauer Instrumentenbau in Pianofabriken sowie Klavierbauer Restaurierung, wie sie bei Kreisel angeboten wird.


„Der Beruf ist unglaublich abwechslungsreich“, weiß David Baum, der sich im dritten Ausbildungsjahr befindet. „Ich überlege jedes Mal und bei jedem Instrument neu, wie ich vorgehen will. Natürlich gibt es Richtwerte, aber auch viele Möglichkeiten, ans Ziel zu gelangen.“ Wichtig sei die Orientierung am Kunden. „Man muss wissen, welchen Klang er haben möchte. Aber auch, welchen Klang der Hersteller ursprünglich wollte.“ Wenn man ordentlich arbeite, habe man einen Kunden ein Leben lang. „Denn das Instrument wird ja regelmäßig gestimmt und auch einmal restauriert, wenn etwas kaputt geht. Der Resonanzboden beispielsweise kann Risse bekommen.“

Dass man Klavier spielen kann, ist nicht unbedingt Voraussetzung für die Ausbildung. Die Bereitschaft, es zu lernen, muss aber vorhanden sein. „Bewerber brauchen außerdem ein gutes Gehör“, so Thomas Kreisel. „Das testen wir in der Probezeit. Von Vorteil ist auch ein Praktikum, da kann man solche Dinge ganz schnell feststellen.“ Ansonsten wird die mittlere Reife erwartet – und gute Noten in Mathematik. Ein angehender Azubi sollte außerdem 18 Jahre alt sein, denn die Arbeit erfordert körperliche Kraft. Schließlich müssen die Instrumente auch transportiert werden.

Deutsche Klavierbauer sind weltweit gefragte Experten

Nach dreieinhalb Jahren kann ein Auszubildender dann die Mechanik eines Klaviers oder Flügels so instandsetzen, dass sie wieder reibungslos funktioniert und das Instrument an das Spielgefühl des Kunden angepasst ist – egal ob es im Wohnzimmer, in einem Jazzkeller oder auf der Konzertbühne gespielt wird.


„Aber auch nach der Ausbildung gibt es noch viel zu lernen“, betont David. Es besteht die Möglichkeit, sich zu spezialisieren. Etwa als Oberflächentechniker, als Feinmechaniker oder als Klavierstimmer. „Chancen haben deutsche Klavierbauer weltweit. Sie sind gefragt“, weiß Thomas Kreisel. „Außerdem hat Deutschland eine unglaublich hohe Dichte an Fabriken.“ Reisefreudig und flexibel sollte der Klavierbauer aber sein – schon während der Lehrzeit. Denn es handelt sich um eine duale Ausbildung. Der Blockunterricht findet zweimal im Jahr für fünf bis acht Wochen in Ludwigsburg nahe Stuttgart statt.

Weitere Infos zum Beruf:

Thomas Kreisel, 0911/770481,

E-Mail: th.k@klavier-kreisel.de

www.klavier-kreisel.de

www.arbeitsagentur.de

Ausbildungsvergütung: Im ersten Jahr erhält ein Azubi 420 Euro, im zweiten 540, im dritten 590 und im vierten 610.

  

Von Elisabeth Porzner-Reuschel (Text) und Berny Meyer (Fotos)

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