Mittwoch, 14.11.2018

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Auf Mörderjagd in der tiefsten Provinz

Die ARD zeigt sieben neue Folgen ihrer hochgelobten Krimiserie »Mord mit Aussicht« - 18.05.2010

Die Kölner Kriminalkommissarin Sophie Haas (Caroline Peters, mit Bjarne Mädel) wird gegen ihre Karriereabsichten in die Provinz versetzt. © ARD/Frank Dicks


In der von Kritikern hochgelobten Serie verschlägt es die von Caroline Peters gespielte Kölner Großstadtpflanze Sophie Haas in ein Eifelnest, wo sie zwischen Misthaufen, Hühnerstall und Dorfkneipe auf Mörderjagd geht. Nachdem die ARD zunächst die sechs alten Folgen wiederholt hatte – damit das Publikum nach der langen Wartezeit wieder in die Handlung findet – geht es von heute an nahtlos mit sieben neuen Episoden weiter (immer dienstags um 20.15 Uhr).

Als die Polizistin Sophie von Köln nach Hengasch in einen Landkreis mit dem sprechenden Namen Liebernich versetzt wird, ist sie total frustriert. Mehr Kriminalität als Wirtshausschlägereien und Lausbuben, die Kühe schubsen, scheint es in dem Kaff, in dem die Uhren enervierend langsam ticken, nicht zu geben. Doch aus lauter Langeweile macht die forsche Sophie, die mit schicken Klamotten, Pumps und Sonnenbrille im langen blonden Haar so gar nicht nach Hengasch passt, doch ein paar Fälle ausfindig und klärt gleich mal eine 30 Jahre alte Brandstiftung auf. Den behäbigen Dörflern ist die eifrige Dame natürlich höchst lästig.

Verfolgungsjagden bei Tempo 30, eine tote Weinkönigin, Jagd auf Wilderer statt auf Mafiosi: »Mord mit Aussicht«, produziert von Alfred Bioleks in finanzielle Schwierigkeiten geratener Firma Pro GmbH, ist der Gegenentwurf zu düsteren Serien wie »KDD« oder »Im Angesicht des Verbrechens«. Statt Action gibt es lakonischen Witz und liebevollen Spott über die Provinz, es wird viel recherchiert und kombiniert.

»Manche würden das vielleicht altmodisch nennen, ich finde es klassisch«, sagt Caroline Peters, die festes Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater ist. Die Details über das Provinzleben saugte sich Drehbuchautorin Marie Reiners nicht aus den Fingern: Sie hat seit 2005 einen Zweitwohnsitz in einem winzigen Eifeldorf und verarbeitet den Kulturschock und ihre Erlebnisse in der Serie. »Fast jede Geschichte hat einen realen Hintergrund«, erzählt Reiners

Der ebenso schräge wie warmherzige Provinzkrimi punktet zudem mit vielen liebevoll gezeichneten Nebenfiguren, allen voran Sophies vollbärtiger Assistent Dietmar, ein Pantoffelheld wie aus dem Bilderbuch. Bjarne Mädel, bekannt als Unglücksrabe Ernie aus der Sitcom »Stromberg«, macht aus der Figur des biederen Beamten ein kleines Kabinettstück. Zum starken Ensemble der Serie gehört unter anderem auch Hans Peter Hallwachs als Sophies vom Rentnerdasein gelangweilter Vater, der seiner Tochter aufs Land folgt und sie mit seinen weisen Kommentaren beglückt. 

Cornelia Wystrichowski

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