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Besuch am Set: Hier entsteht der dritte Franken-Tatort

Bis Freitag wird auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne in Bamberg gedreht - 06.09.2016 19:33 Uhr

Noch bis Freitag wird der dritte Franken-Tatort auf dem ehemaligen Kasernen-Gelände in Bamberg gedreht. Am Dienstag konnten Pressevertreter am Set vorbeischauen. © Eduard Weigert


"Jetzt bringt ihr noch die Aufheller in Position und dann können wir endlich." Die Stimme wirkt über den Funk verzerrt, etwas knarzig – und definitiv ungeduldig. Der Befehlston passt gut zur Umgebung: Der ehemaligen Lagarde-Kaserne in der Bamberger Gartenstadt. Exerziert wird hier schon länger nicht mehr, aktuell wird erwogen hier Flüchtlinge unterzubringen.

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Kamera läuft, Ton ab: Ein Blick hinter die Kulissen des Franken-Tatort

Noch bis Freitag wird der dritte Franken-Tatort "Am Ende geht man nackt" auf dem ehemaligen Kasernengelände in der Bamberger Gartenstadt gedreht. Am Dienstag konnten Pressevertreter nun einen Blick hinter die Kulissen werfen.


Und damit ist der Bogen schon geschlagen zum Dreh des aktuellen Franken-Tatort "Am Ende geht man nackt", der hier aktuell gedreht wird. Die Szenerie ist düster, an einer Fassade der ehemaligen Kaserne prangen Brandspuren. Zwei große Stahltore geben den Blick frei auf ein Feld der Verwüstung: Offensichtlich stellt das Set eine improvisierte Küche eines Flüchtlingsheims dar – nachdem diese Bekanntschaft mit einem Brandsatz gemacht hat.

Der Bayerische Rundfunk (BR) hat längst brisante Details zum dritten Franken-Tatort - dem ersten der überwiegend in Oberfranken spielt - bekannt gegeben. Im Gegensatz zu beiden Vorgängern widmet sich Teil drei bewusst einem großen politischen Topos: Der Flüchtlingsproblematik. "Vorsicht" heißt es vor Ort am Set: Einer der großen Aufheller, die das Team eben errichtet hat, schwankt wegen einer Windbö bedrohlich und muss zusätzlich beschwert werden. Die Sonne knallt gnadenlos in den Hof der alten Kaserne, Hauptaufgabe der zwei großen Aufheller ist es eher, das Set vor zu viel Sonnenlicht zu schützen. "Die Lampen sind schon an?" - "Nein, wir zünden jetzt", rufen sich zwei Beleuchter zu.

Entspannte Dreharbeiten

Regisseur Markus Imboden bezieht am Regieplatz Stellung und tauscht sich mit seinem Regieassistenten aus, während Matthias Egersdörfer sich den weißen Kittel des Spurensicherers Michael Schatz überstreift und von der Maske kritisch geprüft wird. Die Szene die gedreht wird spielt offensichtlich bereits nach dem Fund einer weiblichen Flüchtlingsleiche.

Doch bevor Schatz unangenehme Erkenntnisse über die bauliche Beschaffenheit der Kaserne in die Kamera sprechen darf, muss Kameramann Jürgen Jürgens das schwierige Terrain der versehrten Küche mit seiner Steadycam zumindest einmal abgelaufen haben, um ein Gespür für die Szenerie zu bekommen. Erneut beweist sich: Gut Ding will Weile haben – im gemütlichen Bamberg wohl allemal. „Ich habe noch nie in einer Stadt so entspannt gedreht wie hier“, sagt Produzent Michael Zimmermann von "Rat Pack Productions" aus Köln.

Heimspiel für Eli Wasserscheid 

"Hier gibt es Metzger und Bäcker in einer Qualität, wie ich sie von daheim kaum mehr kenne." Fabian Hinrichs, der als Hauptkommissar Felix Voss diesmal mit tschetschenischem Akzent verdeckt ermittelt, hebt besonders die architektonischen Perlen aus verschiedenen Jahrhunderten der Domstadt hervor. "Ich habe gelesen, dass Bamberg niemals wirklich befestigt war – und deswegen niemals komplett zerstört wurde", würdigt der Hamburger das Idyll. Für Eli Wasserscheid ist der Dreh ein Heimspiel, den die gebürtige Bambergerin in Drehpausen zu ausgiebigen Besichtigungstouren mit den Teamkollegen und der Regie nutzt. "Das herz schlägt in Franken ruhiger, beständiger" sagt auch Dagmar Manzel, die sich als Paula Ringelhahn in der kommenden Episode politisch korrekt echauffieren darf. "Das tut sehr gut – auch wenn alles ein wenig länger dauert."

Einzig Matthias Egersdörfer scheint um die Zukunft der fränkischen Beschaulichkeit besorgt, "wenn jetzt Kölner Filmfuzzies hier Bamberg über den grünen Klee loben. Die trinken uns bald des Bier weg." Deutlich ernster wird die Runde aus Darstellern und Team, wenn man auf den thematischen Hintergund zu sprechen kommt: "Wir haben mehrfach Blut und Wasser geschwitzt wegen der politischen Entwicklung, die das Thema Flüchtlinge genommen hat", gesteht die beim BR für Serien verantwortliche Redakteurin Stephanie Heckner.

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So habe das ursprüngliche Drehbuch einige Rollen mit Herkunft vom Balkan vorgesehen – aber nach der Schließung der Balkanroute mussten wir hier nacharbeiten." Nun spannt sich der Spannungsbogen um die bei dem Brand ums Leben gekommene Ghanaerin Neyla Mafani (gespielt von Dayan Kodua) hauptsächlich zwischen Felix Voss und dem syrischen Flüchtling Basem Hemidi (gespielt von Mohamed Issa), der Vertrauen in den verdeckten Ermittler fasst, sowie dem Capo des Flüchtlingsheims, Said Gashi (gespielt von Yasin el Harrouk, bekannt aus "Der Wüstensohn").

Regisseur Imboden mag die Domstadt

"Es erscheint immer häufiger so, dass die irrationale Furcht vor dem Fremden hauptsächlich dort vorkommt, wo es kaum Berührpunkte gibt", sagt Hinrichs nachdenklich und verweist auf die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. "Dieser Landstrich hat zwei Prozent der Flüchtlinge aufgenommen, dennoch herrscht gerade hier offensichtlich eine große Furcht und Unsicherheit." Besteht denn die Hoffnung, daran durch einen Tatort etwas zu ändern? Heckner zögert einen Augenblick und sagt: "Ein Film, der emotional verfängt, hat immer die Möglichkeit, etwas zu verändern. Felix Voss steigt nicht nur körperlich, sondern auch geistig über einen Zaun. Vielleicht ist das etwas, das wir alle häufiger tun sollten."

Regisseur und selbsternanntem Bamberg-Fan Imboden ist wichtig, eben keine primär aktuelle Geschichte zu erzählen, "sondern eine von Seelen und Menschen". Auch wehrt sich der Schweizer dagegen, Bamberg in irgendeiner Form mit Fremdenfeindlichkeit zu assoziieren. "Wir drehen einen Krimi, also braucht es Tote, Gauner und Kommissare, gute wie schlechte Menschen." Am Set, so stellt der Mann aus Interlaken fest, herrsche wohl gerade wegen des kunterbunten Herkunftshintergrundes gute Stimmung. "Ich finde, das Team insgesamt spielt wahnsinnig gut." 

Sebastian Linstädt E-Mail

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