-0°

Donnerstag, 13.12.2018

|

Förderverein verlangt ein neues Museum

Neuer Förderverein für Nürnbergs Kulturgeschichte will Glanz der Noris aufpolieren - 26.01.2009

Manfred H. Grieb. © Eduard Weigert


Motor des Museumsprojektes ist Manfred H. Grieb, Verfasser des Nürnberger Künstlerlexikons. Der 75-Jährige hat darin in 20.000 Einträgen die Vielseitigkeit der Nürnberger Handwerkskunst im Laufe der Jahrhunderte dokumentiert. «Ich habe mich immer gewundert, warum Nürnberg aus seiner glanzvollen Vergangenheit so wenig macht«, sagt Grieb und zielt mit dieser Kritik auf die Museen der Stadt Nürnberg ebenso wie auf das Germanische Nationalmuseum. In beiden Institutionen kommt die Geschichte des Nürnberger Kunsthandwerks seiner Meinung nach zu kurz.

An ruhmreiche Vergangenheit erinnern

Grieb hat sich nun vorgenommen, den alten Glanz der Stadt wieder aufzupolieren, die den Beinamen «Des Reiches Schatzkästlein« nicht nur als Aufbewahrungsort der Reichskleinodien erhalten hätte, sondern auch durch die vielen hier ansässigen Kunsthandwerker. An die ruhmreiche Vergangenheit Nürnbergs als bedeutendste Exportstadt Deutschlands möchten Grieb und seine Mitstreiter in einem eigenen Museum erinnert wissen. Schließlich lebten vom 12. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts mehr als 2000 Gold- und Silberschmiede, 1600 Musiker und Komponisten, und 1000 Büchsenschmiede und Harnischmacher in Nürnberg.

Und wer weiß schon, dass hier Ende des 14. Jahrhunderts die Technik des Drahtzugs erfunden wurde, die entscheidend war für die Herstellung von Nadeln und Ketten, die aber auch unabdingbar für die Papierherstellung war, weil das Büttenpapier durch Drahtsiebe geschöpft wurde. In einem launig-lockeren Kurzreferat nannte Historiker Peter Fleischmann bei der Gründungsversammlung viele weitere Beispiele für den sprichwörtlichen «Nürnberger Witz«, der es auf 300.000 Einträge bei Google bringt.

Anträge an die Stadt

Mit seiner Forderung nach einem Museum zur Nürnberger Handwerkskunst findet Grieb - wie die gut besuchte Gründungsversammlung im Museum für Kommunkation zeigte - Unterstützung in der Bürgerschaft. «Ich sehe die große Zahl an Gründungsmitgliedern als Vertrauensvorschuss«, sagte Grieb, der sich zum 1. Vorsitzenden des Vereins wählen ließ. Entgangen ist ihm allerdings auch nicht, «dass nur sehr wenige Vertreter des städtischen Kulturbetriebs« anwesend waren. Darunter war Matthias Henkel, neuer Direktor der städtischen Museen. Er reagiert zurückhaltend auf die Forderung nach einem weiteren Museum: «Die gesamte Breite von Nürnbergs Geschichte wird bereits abgedeckt. Außerdem gibt es die Möglichkeit, in den bestehenden Häusern Dinge anders zu präsentieren«, so Henkel.

Das dürfte Grieb nicht reichen. Als frisch gewählter Vereinsvorsitzender wird er nun die Errichtung eines kulturhistorischen Museums bei der Stadt beantragen, die damit «offiziell Stellung beziehen muss«. Grieb ist überzeugt: «Es gäbe mittelfristig Möglichkeiten Räume zu schaffen, wenn die Stadt aktiv ist«. 

Birgit Ruf

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus dem Ressort: Kultur