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Heißer Sommer im Schweden der fünfziger Jahre

Lars Gustafssons Roman «Frau Sorgedahls schöne weiße Arme» - 10.06.2009

Der schwedische Schriftsteller Lars Gustafsson entführt mit seinem Roman «Frau Sorgedahls schöne weiße Arme» seine Leser in das Schweden der fünfziger Jahre.

Der schwedische Schriftsteller Lars Gustafsson entführt mit seinem Roman «Frau Sorgedahls schöne weiße Arme» seine Leser in das Schweden der fünfziger Jahre. © dpa


Hier erinnert sich ein 70-jähriger Professor an seine Kindheit und Jugend in Schweden, vor allem an seine Liebe zu Frau Sorgedahl und ihre «schönen weißen Arme». Frau Sorgedahl hat es dem eher schüchternen Jungen angetan. Sie wohnte mit ihrem Mann im Haus eines Studienrats, der urplötzlich an der Beulenpest erkrankte und wegzog, also – um wiederum den Autor zu zitieren: «Ein Studienrat am Gymnasium von Västeras trägt Schlips und Kragen. Und tritt ohne Pestbeulen am Hals auf…»

Pubertäre Kindheitsliebe

Nun ja, dieser Sommer 1954 war offenbar besonders heiß. Und Lars Gustafsson, den wir ohne weiteres in der Person des sich über seine Kindheitsliebe beugenden Professors erkennen, ist der bekannteste schwedische Schriftsteller, ein gelernter Philosoph zudem, der in diesem schönen kleinen Roman einmal mehr bekennt, dass er ein glücklicher Mensch sei. Schon einfach deswegen, weil er nicht dieses «seltsame Bedürfnis, sich zu engagieren» verspürt, das in seiner Betrachtungsweise grundsätzlich in ein langweiliges Leben führt.

Was aber heißt das für die pubertäre Liebe, von der hier die Rede ist? Eigentlich wird nur wenig darüber gesprochen, zugegeben. Gustafsson ist ein überaus gescheiter, gelehrter Dichter. Die Frauen in seinen zahlreichen Romanen sind meistens Erlöserfiguren, die ihrem männlichen Gegenüber das Gefühl verleihen, wirklich zu leben. Dazu kommt es jetzt freilich nicht. Es bleibt eine Liebe aus der Ferne, aus der Erinnerung erwachsen, eben eine Liebe in Gedanken.

Was wir aber aus diesem neuen Werk des nunmehr 73-jährigen Autors erfahren, ist dieses proustsche Lebensgefühl der Vergeblichkeit, verpackt in die Melancholiegeschichte eines beiseite stehenden und beiseite sprechenden Intellektuellen, dessen narrativer Plauderton keiner Ketzerei aus dem Weg geht. Eben auch mit der ernüchternden Erkenntnis: «Wir können unser Leben nicht verlassen. Da draußen gibt es nichts, absolut nichts.»

Lars Gustafsson: Frau Sorgedahls schöne weiße Arme. Roman. Aus dem Schwedischen von Verena Reichel. Hanser Verlag, München.240 S.,19, 90 Euro. 

Wolf Scheller

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