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Mit Maus und Tastatur in der Welt unterwegs

Die „Frankenfreaks“ sind nicht mehr jung, kennen sich aber bestens mit Computern aus - 19.10.2011

Gemeinsam tüfteln am PC: Die „Frankenfreaks“ feiern jetzt ihrZehnjähriges. © André De Geare


Johannes S. Woschs Mission ist klar: „Die Senioren als Zielgruppe sind da – man muss ihr nur zeigen, dass ein Computer nicht schwieriger zu bedienen ist als ein Fernseher.“ Als der Außendienstmitarbeiter 2001 in Rente ging, hatte er die letzten Berufsjahre noch mit Computern gearbeitet. „Nicht eine Stunde Kurs hatte ich“, blickt der 74-Jährige zurück. „Man hat uns einfach neue Laptops hingestellt, kurz gezeigt, wo man die anschaltet – das war’s auch schon. Den Rest musste ich mir selbst beibringen.“

Die Faszination für Computer nahm der Schwanstettener mit in den Ruhestand – und kam mit einem Bekannten auf die Idee, einen Club zu gründen, in dem man sich austauschen und gegenseitig bei Problemen helfen kann. Über eine Zeitungsanzeige stießen weitere Interessenten dazu, schnell fand man in Nürnberg zu einem ersten Treffen zusammen: Die Frankenfreaks waren gegründet!

Das war im Oktober 2001. Mit am Tisch saß damals auch das Feierabend-Team aus Frankfurt. Das stellt mit dem Portal www.feierabend.com und 166000 Mitgliedern die größte Seniorenplattform im Internet auf dem Kontinent. Nürnberg war die zwölfte Stadt, die dazustieß — heute sind es 121 Städte. Auch wenn die Frankenfreaks offiziell auf den Feierabend-Seiten zu Hause sind, so legt Johannes S. Wosch dennoch Wert auf die Unabhängigkeit der Nürnberger. „Wir sind ein interner Club, der auf der Feierabend-Plattform agiert. Wir haben unsere eigenen Rechner, die wir jedes Mal in der Wannerstube aufbauen. Manche Freaks bringen auch ihre eigenen Laptops mit.“

830 Mitglieder zählen die Frankenfreaks derzeit, keiner ist unter 60, einige bereits über 80. Zu den 14-tägigen Treffen im Traditionslokal in der Bayernstraße 150 kommt freilich nur der harte Kern, der aus rund 30 Damen und Herren besteht.

Irma Fuhrmann zum Beispiel: Die 83-Jährige — frisch von einem Norwegen-Urlaub zurück — ist von Anfang an dabei. „Meine Enkelkinder studieren, da kann man über E-Mail gut in Kontakt bleiben. Also habe ich mich hingesetzt und einfach herumprobiert. Ich bin sicher keine Künstlerin am Computer, aber ich kann Mails schreiben und Fotos auf DVD brennen.“

Auch Helmut Deifel kommt erstaunlich gut klar mit der digitalen Technik. Der Fürther ist seit acht Jahren dabei. „Mein Sohn hat mir damals einen Computer hingestellt und gemeint, ich sollte mal einen Kurs machen. Den habe ich hier zwar nicht bekommen, aber mir wurde gezeigt, wie ich E-Mails schreibe und ins Internet komme. Den Rest habe ich selbst herausgefunden.“

Hört man sich um, gibt es offenbar wenig Berührungsängste mit der digitalen Technik. Die Senioren nutzen die Rechner für die Dinge, die sie brauchen — und verzichten auf Online-Shopping und -Banking, wenn ihnen das zu unheimlich ist. Neben dem Austausch über das Hobby ist der Gruppe auch der gesellige Aspekt wichtig. Regelmäßig starten die Frankenfreaks ganz analoge Ausflüge: Städtereisen, Theaterfahrten oder Ausflüge zur Märzenbecherblüte. „Drei Regeln gibt es bei uns“, sagt Wosch: „Wer ein Frankenfreak werden will, muss Zeit, Geld und Interesse an Computer und an der Gemeinschaft mitbringen.“ Die Teilnahme ist kostenlos, ein Mitgliedsbeitrag wird nicht erhoben. Trotzdem ist es für die Silver Surfer Ehrensache, bei den Treffen einen schönen Bierdeckel zu machen — weil der Wirt ja auch leben will.

www.feierabend.com/regio/nuernberg Kontakt: 09170/942250
  

STEFAN GNAD

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