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Sommerreigen in Rom

Woody Allens Liebeserklärung an die ewige Stadt - 30.08.2012

Privatführung im Vatikan: Die Sexbombe Anna (Penélope Cruz im roten Kleid) provoziert die gutbürgerliche Verwandtschaft von Antonio (Alessandro Tiberi, 4. von rechts). © Tobis




New York, London, Barcelona, Paris und jetzt Rom – der alte Stadtneurotiker kommt in den letzten Jahren ganz schön ’rum auf der Welt. Am Beispiel von Woody Allen lässt sich aber auch die Lebensweisheit studieren, dass man sich selbst auf Reisen nie entkommt. Es ist wie beim Hasen und dem Igel – die alten Probleme warten immer schon am Ziel. In diesem Falle also wieder mal Liebeswirren und andere Neurosen.

Woody Allen, der in „To Rome With Love“ endlich wieder mal selbst mitspielt, führt hier fast eine Selbstparodie auf, aber wer könnte ihm das verübeln? Er ist der von tausend Ängsten geplagte Musik-Manager Jerry, der sich nicht mit seinem Alter und dem Ruhestand abfinden will. Mit seiner Frau (Judy Davis) verbringt er ein paar Tage in Rom, wo sich seine Tochter in den jungen Michelangelo verliebt hat. Dessen Vater (Fabio Armiliato) führt ein Beerdigungsinstitut und ist ein verhinderter Operntenor. Sein Problem: er kann nur unter der Dusche richtig gut singen.

Für Jerry, der früher auch sein Glück als Opernregisseur versucht hat, kein Hindernis, denn er ist von dem Talent des Sängers überzeugt. Er hat den naheliegenden Regie-Einfall und stellt eine Duschkabine auf die Opernbühne – und das Publikum ist hingerissen.

Leider walzt Woody Allen diesen komischen Einfall ein bisschen zu weit aus. Dagegen führt er die gute Anfangsidee nicht konsequent durch: Eigentlich spielt sich die göttliche Komödie vor den Augen eines allwissenden römischen Verkehrspolizisten ab, der nur am Anfang und am Ende im Bild erscheint.

Dazwischen inszeniert Woody einen heiteren Sommerreigen in Rom mit Paaren, die sich verlieren und (wieder) finden. Zum Beispiel Jack (Jesse Eisenberg), der sich in die beste Freundin (Ellen Page) seiner Freundin Sally (Greta Gerwig) verliebt. Etwas unmotiviert taucht in diesem Zusammenhang der Stararchitekt John (Alec Baldwin) als eine Art Liebesratgeber auf, der jede Situation kommentiert.

Und dann wäre da noch der verklemmte Antonio (Alessandro Tiberi), der seine frisch angetraute Milly (Alessandra Mastronardi) der reichen Verwandschaft in Rom vorstellen möchte. Wegen einer peinlichen Verwechslung muss er jedoch die männermordende, miniberockte Anna (Penélope Cruz) als seine Frau ausgeben. Die komischen Komplikationen sind abzusehen.

Nicht zu vergessen die italienische Fernsehsatire, die Woody Allen seinem Kollegen Roberto Benigni auf den Leib geschneidert hat. Der spielt den unscheinbaren Langweiler Leopoldo, der aus irgendeinem unerfindlichen Grund von den Medien zum Star erklärt wird, haufenweise Banalitäten vor laufender Kamera absondern und kurz am unverhofften Ruhm schnuppern darf. Noch so ein Einfall, den der Regie-Routinier aus dem Ärmel schüttelt und nicht ausreizt. Doch es gibt Schlimmeres, als sich zwei Stunden lang mit Woody in Rom zu amüsieren. (USA/I/110 Min; Cinecittà und Metropolis, Nürnberg; Manhattan, Erlangen) 

STEFFEN RADLMAIER

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