Dienstag, 11.12.2018

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Vereinsgründung für ein neues Kunstmuseum

Manfred Grieb sieht Nürnberger Kunsthandwerk zu wenig gewürdigt - 27.10.2008

Manfred H. Grieb © Eduard Weigert


Die Satzung steht bereits, es haben sich mehr als die erforderlichen sieben Gründungsmitglieder gefunden und auch die künftige Vereinskasse ist schon ganz gut gefüllt: 50000 Euro wird Manfred H. Grieb, der die Gründungsformalitäten bis Jahresende abgeschlossen haben will, als Anschubfinanzierung zur Verfügung stellen. Das ist ihm sein Vorhaben wert, das er nun auch allen Stadträten in einem ausführlichen Rundbrief erläutert hat.

Für den 75-Jährigen steht fest: Nürnberg braucht ein Museum, in dem die zentrale Bedeutung des hiesigen Kunsthandwerks über die Jahrhunderte hinweg dar- und ausgestellt wird. Bislang passiere das weder im Dürerhaus noch im Tucherschloss, weder im Fembohaus und Germanischem Nationalmuseum in ausreichendem Maße.

Vierbändiges Lexikon

Keine andere deutsche Stadt, so betont Grieb, habe ein derart umfangreiches und kontinuierliches kunsthandwerkliches Schaffen über etwa sechs Jahrhunderte aufzuweisen wie Nürnberg. Bei diesem Thema ist er in seinem Element: Grieb hat das im vergangenen Jahr erschienene vierbändige Nürnberger Künstlerlexikon verfasst. Darin listet er auf 2500 Seiten insgesamt 20000 Namen von Künstlern auf, die vom 12. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in Nürnberg gearbeitet haben.

Nun geht es ihm darum, diesen Kartographen und Elfenbeinschnitzern, Instrumenten- und Kompassmachern, Goldschmieden und Plattnern in einer Dauerausstellung Geltung zu verschaffen. Wo er sich das vorstellt? Er nennt unter anderem das Pellerhaus und Räume in der Mauthalle als Alternativen, aber auch die «dahinvegetierende Kunsthalle« und die für die Fränkische Galerie vorgesehene Villa in der Blumenstraße und ist sich durchaus bewusst, dass er sich mit diesen Vorschlägen nicht nur Freunde macht. Finanziert werden, so Griebs optimistische Rechnung, könnte das Museum «auf die Dauer durchaus im Rahmen der bisherigen Etatansätze« durch «Straffung der Organisation« und einen flexibleren Einsatz der Mitarbeiter der städtischen Museen.

Gesamte Breite im Blick

Derzeit, so sein Vorwurf, werde seitens der Stadt zu wenig getan, um den ehrenvollen Beinamen «Des Reiches Schätzkästlein« wieder im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. Dabei geht es Grieb nicht um einzelne Meister wie Dürer, Jamnitzer, Veit Stoß oder Peter Vischer, sondern um die gesamte Breite des Kunsthandwerks. Um ein solches Museum inhaltlich zu konzipieren, schlägt Grieb ein Symposium mit Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen vor.

Griebs Vision ist ein Kunsthistorisches Museum, in dem auf 1000 bis 2000 Quadratmetern Teile der in den Depots schlummernden Sammlung der Stadt gezeigt werden. Außerdem, so sein Eindruck, gäbe es durchaus Sammler und Mäzene, die bereit wären, Stiftungen zu machen oder Leihgaben zur Verfügung zu stellen. «Bei der jetzigen Sachlage gibt es für Sammler alter Nürnberger Kunst keine Anreize für ein Vermächtnis an die Stadt, da man davon ausgehen muss, dass die Stücke im Depot verstauben«, meint Grieb.

Im Kulturreferat freue man sich, so Mitarbeiter Werner Broda, immer über neue Ideen. Gespräche über Griebs Vorschlag könnten aber erst stattfinden, wenn Matthias Henkel, der neue Direktor der städtischen Museen, im nächsten Jahr im Amt sei. 

Birgit Ruf

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