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Missbrauchsopfer erhebt Vorwürfe gegen Bistum

Bamberg lehnte bisher Kostenübernahme für Therapie ab — Fürther Pfarrer zahlte 3000 Euro an Pfadfinder - 01.03.2011 12:00 Uhr

FÜRTH/BAMBERG  - Im Fall des katholischen Pfarrers aus Fürth, dem wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs vorläufig jegliche seelsorgerische Tätigkeit untersagt ist, erheben ein Opfer und sein Therapeut massive Vorwürfe gegen das Erzbistum Bamberg. Dort seien alle ihre Anliegen bislang „unfreundlich zurückgewiesen worden“, obwohl die Tat seit zehn Jahren bekannt ist.

Missbrauch, Symbolbild.
Missbrauch, Symbolbild.
Foto: dpa
Missbrauch, Symbolbild.
Missbrauch, Symbolbild.
Foto: dpa

„Das Opfer hat das Recht, gehört zu werden. Eine Entschuldigung und ein Ausgleich für das Erlittene sind unbedingt nötig“, mahnt Bernd Fricke. Er ist Psychologischer Psychotherapeut in Bamberg und betreut seit Jahren einen jungen Mann, der Opfer sexueller Nötigung geworden ist. Täter soll der katholische Geistliche aus Fürth sein. Bis heute sei man beim Erzbistum Bamberg auf kein Entgegenkommen gestoßen, sagt Fricke. Beim ersten Gespräch in der Diözese im Jahr 2001 habe man bei Weihbischof Werner Radspieler sogar eine „vollkommene Abwehr“ erlebt.

Nach den Schilderungen des Psychotherapeuten und seines Klienten ist es im Jahr 1990 auf einer Gruppenfreizeit der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg im Oberfränkischen zu einem schrecklichen Übergriff gekommen. Der Pfarrer, der eine Leitungsfunktion bei den Pfadfindern innehatte, habe den damals volljährigen jungen Mann zu sexuellen Handlungen genötigt und dabei dessen Hand geführt.

Das Opfer fühlte sich von da ab unter Beobachtung. Bei Veranstaltungen der Pfadfinder wurde der Pfarrer „aufdringlich, versuchte mich einzuschüchtern und zu verunsichern“, erzählt der Mann. Bis heute leidet er unter dem Geschehen, braucht Therapie. Im Jahr 2003 hat er sich in einem Mediationsverfahren, das ein Forchheimer Anwalt geleitet hat, mit dem Fürther Pfarrer auf einen Täter-Opfer-Ausgleich geeinigt: Rund 3000 Euro zahlte der Geistliche seinem Opfer, beide Seiten vereinbarten Stillschweigen über die Angelegenheit.

„Täter und Opfer haben sich geeinigt, aber Opfer und Kirche noch nicht“, kritisiert Therapeut Fricke. Seinem Patienten liege viel daran, im Bistum gehört und entsprechend gewürdigt zu werden.

„Einmaliger Ausrutscher“

„Das ist eine schwierige Situation für uns“, gesteht Bistumssprecher Michael Kleiner. Man sei damals von einem „einmaligen Ausrutscher“ des Pfarrers ausgegangen, der sich in einem Ausgleichsverfahren mit dem jungen Mann arrangiert und sein „unkorrektes Verhalten“ eingestanden habe. Da der Pfadfinder zudem schriftlich versichert habe, für ihn sei die Sache abgeschlossen, habe das Bistum auf weitere Schritte verzichtet.

Erst als vor kurzem ein neuer Fall bekanntgeworden ist, in dem der Pfarrer einen Minderjährigen missbraucht haben soll, habe man postwendend die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Kleiner versicherte, man wolle die Opfer „nicht alleinlassen“, vermittle therapeutische Maßnahmen oder zahle einen Ausgleich, wenn die Kasse die Kosten dafür nicht voll erstatte.

Experte Fricke bleibt skeptisch. Sein Patient habe sich wiederholt ans Bistum gewandt und um Kostenübernahme für Therapiestunden gebeten. In einem Antwortschreiben vom Juli vergangenen Jahres heißt es unmissverständlich: „Eine Entschädigung durch die Erzdiözese Bamberg kommt nicht in Betracht.“ 


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