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N-Ergie-Chef Josef Hasler: Die Energiewende wird von unten kommen

22.01.2016 20:36 Uhr

Vier Menschen, eine Meinung. Und die lautet folgendermaßen: Die Energiewende verträgt kein Monopol, sie muss dezentral organisiert werden. Darin sind sich der CSU-Bundestagsabgeordnete Josef Göppel und sein grüner Kollege Dieter Janecek einig, ebenso die Männer aus der Wirtschaft: N-Ergie-Chef Josef Hasler und Markus Brehler, der Geschäftsführer der Caterva GmbH aus Pullach. Sein Unternehmen hat ein intelligentes Solarstrom-Speichersystem entwickelt, von dem 65 bereits im Netzgebiet der N-Ergie installiert wurden. Wer das Gerät im Keller stehen hat, kann auch dann seinen eigenen Strom nutzen, wenn die Sonne gerade mal nicht scheint. Zusätzlich kann er Strom ins N-Ergie-Netz einspeisen, unter anderem, wenn dieses gerade eine Stabilisierung braucht (die NZ berichtete). 25 000 Euro kostet die Anlage, inklusive Wartung über 20 Jahre hinweg. „Das Interesse daran ist deutschlandweit sehr groß“, sagt Brehler. Anfangs sei das Gerät noch sehr voluminös gewesen. „Mittlerweile haben wir es kompakter gemacht. Es hat etwa die Größe einer Wäschekommode.“

Kritik an politischen Rahmenbedingungen

„Die Leistungen der Energiewende passieren vor Ort“, sagt Josef Hasler und verweist auf die wichtige Rolle der lokalen Akteure, der Stadtwerke, der Bürger, die Genossenschaften gründen. „Es geht nicht nur darum, den Strom zu erzeugen, sondern ihn auch intelligent einzusetzen und weiterzuverarbeiten.“ Josef Göppel kritisiert in diesem Zusammenhang wie auch Dieter Janecek die politischen Rahmenbedingungen. Sie seien unzureichend, um das regionale und lokale Potenzial auszuschöpfen. Seine eigene Partei nimmt er dabei nicht aus: Dass Bayerns Energieministerin Ilse Aigner bei der Windenergie „eine Vollbremsung“ hingelegt habe, sei „in völliger Unkenntnis der realen Situation geschehen“, so Göppel.

Der CSU-Politiker verweist zudem auf eine Studie des Verbands „Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik“ (VDE). Diese stelle unter anderem fest, dass es volkswirtschaftlich am günstigsten sei, wenn jede Region ihr erneuerbares Potenzial selbst nutzt und nur Überschüsse ausgetauscht werden. Schließlich liege darin auch die Chance, eine Alternative zu den teuren und umstrittenen Übertragungstrassen zu schaffen.

Eine spartenübergreifende Lösung könnte etwa so aussehen: Würde überschüssiger Strom aus Windparks an der Nordsee vor Ort in synthetisches Methan verwandelt, könnte es über die schon vorhandenen Gasnetze zu den Verbrauchern transportiert werden. So komme grüne Energie zum Einsatz, und Leitungskapazitäten für den Stromtransport würden eingespart, sagt der N-Ergie-Chef. „Die Power-to-Gas-Technologie (deutsch: elektrische Energie zu Gas, Anm. d. Red.) ist eine sinnvolle und ernstzunehmende Zukunftsoption.“ Seine Sorge, so Hasler, sei jedoch, dass Milliarden für den Ausbau der Übertragungsleitungen ausgegeben werden. „Das ist nicht effizient.“ Und schon gar nicht zeitgemäß: „Im dritten Jahrtausend fällt uns nichts anderes ein als vor 100 Jahren: Wir legen dicke Leitungen.“ 

Gabi Eisenack

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