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N-Ergie will Macht der Stromgiganten brechen

Mit Hilfe ihrer Kunden setzen regionale Versorger dazu an, Deutschlands Energiekonzept umzukrempeln - 22.01.2016 20:46 Uhr

Viele Verbraucher sind in den vergangenen Jahren selbst zu Stromerzeugern geworden, etwa per Solaranlage auf dem Dach. Das hat den deutschen Energiemarkt mächtig in Bewegung gebracht.

Viele Verbraucher sind in den vergangenen Jahren selbst zu Stromerzeugern geworden, etwa per Solaranlage auf dem Dach. Das hat den deutschen Energiemarkt mächtig in Bewegung gebracht. © Foto: PR


Josef Göppel ist in Form. Die Forderung von Bayerns Energieministerin Ilse Aigner, den Ausbau der Windkraft zu bremsen? „Da spricht die völlige Unkenntnis der realen Situation“, schimpft der fränkische CSU-Bundestagsabgeordnete über die Parteifreundin. Die ersten Ideen der Regierung in Berlin zur nächsten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG)? Widersprechen in ihrem Geiste der Vernunft, so Göppel, einmal in Fahrt.

Neben ihm sitzt N-Ergie-Chef Josef Hasler und lächelt. Ein Mitglied einer Regierungspartei, das den eigenen Leuten einheizt, genau dafür hat er Göppel als CSUler mit bekannt grünem Herzen eingeladen. Denn der Kurs, den diese Regierung bei der Energiewende zuletzt fuhr, passt Hasler so gar nicht.

Es geht, natürlich, ums Geld. Dass immer mehr Verbraucher mit Solaranlagen auf dem Dach oder Beteiligungen an Windparks selbst zu Stromerzeugern werden, dass der Wettbewerb kleinteiliger wird, lässt schon heute die Macht der einst Allmächtigen „Großen Vier“ — E.on, RWE, EnBW und Vattenfall — bröckeln. „Die haben riesige Probleme“, sagt Hasler. Traurig klingt er dabei nicht.

Denn es sind die regionalen Energieversorger wie infra Fürth oder eben die N-Ergie, die im Gegenzug an Einfluss gewinnen. Sie sind die ersten Ansprech- und Geschäftspartner der neuen Kleinsterzeuger. 45 000 EEG-Anlagen hat allein die N-Ergie in den vergangenen Jahren angeschlossen, die mehr Energie erzeugen könnten, als im Netz überhaupt verbraucht wird. Zwar nur auf dem Papier, denn weder scheint die Sonne noch weht der Wind rund um die Uhr. Aber die Ansage ist klar.

Ob das allerdings so bleibt, hängt vor allem an einer Frage: Lässt sich mit kleinen, regionalen Strukturen wirklich die Energieversorgung einer Wirtschaftsnation wie Deutschland stemmen? Ja, sagt Hasler, die Zukunft sei dezentral. Ja, sagt auch Göppel: „Es ist volkswirtschaftlich am günstigsten, wenn jede Region ihr erneuerbares Potenzial selbst nutzt und nur Überschüsse ausgetauscht werden.“

Nein, sagen indes die alten Energiegiganten, die gar nicht daran denken, ihre Macht freiwillig abzugeben. Sie werben für Großanlagen, für gewaltige Hochsee-Windparks etwa und für neue Stromtrassen vom Norden in den Süden — zur Not auch gegen Widerstand. Das alles im Namen der Versorgungssicherheit, stabiler Preise und stabiler Netze. So war es schließlich all die Jahrzehnte, so hat es sich bewährt, so soll es bleiben.

Punktsieg für Großkonzerne

Die regionalen Versorger wissen, dass sie es sind, die überzeugen müssen, dass es auch anders geht. Und sie arbeiten daran, etwa am Problem der bislang begrenzten Speicherbarkeit regional und regenerativ erzeugten Stroms. Die N-Ergie etwa kooperiert mit der Münchener Caterva GmbH. Die verkauft Stromspeicher, mit denen Solaranlagen-Besitzer ihren Eigenverbrauchs-Anteil erhöhen können, und die — das ist der besondere Clou — für die Netzstabilität auch noch miteinander vernetzbar sind.

Welches Modell die Energiewende am Ende trägt? Zuletzt konnten die in die Defensive geratenen Großkonzerne in der Politik wieder ein paar Punkte gutmachen: Die ersten Vorschläge der Regierung zur EEG-Reform stärken tendenziell den zentralistischen Ansatz. Umgekehrt stützt jede neue Solaranlage, jedes neue Windrad die dezentrale Idee. Der Kampf läuft. 

GREGOR LE CLAIRE

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