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Neonazi-Partei „Chrysi Avgi“ beunruhigt die Gemeinde

Nürnbergs Griechen verurteilen Rechtsextreme — Kontakte zur bayerischen Szene - 05.02.2013 07:00 Uhr

"Chrysi Avgi" hat Anfang Januar in Nürnberg eine Außenstelle errichtet. Inzwischen gibt es auch eine Homepage. © Screenshot


Ihre Mitglieder singen die griechische Übersetzung des in Deutschland verbotenen „Horst-Wessel-Lieds“, heben die Hand zum Hitlergruß und erklären offen: „Wir wollen eine Revolution, eine neue Zivilisation“, bei der nur „Menschen rein griechischen Blutes“ ein politisches Mitspracherecht haben.

„Chrysi Avgi“, auf Deutsch „Goldene Morgenröte“, ist eine bekennende rechtsextreme Partei. Dass sie nun versucht, in Nürnberg Fuß zu fassen, erfüllt Theodoros Agathagelidis, SPD-Stadtrat und Mitglied der griechischen Gemeinde, mit großer Sorge. Vor ein paar Tagen habe er die ersten Gerüchte gehört, sagt Agathagelidis, seitdem ist er in ständigen Gesprächen mit den Mitgliedern der Gemeinde. Die einhellige Meinung seiner Landsleute: „So etwas ist inakzeptabel.“ Gemeinsam formulierten die griechischen Vereine Nürnbergs daher ein öffentliches Bekenntnis gegen rechts: „Rassistische Parolen, intolerante Botschaften und das Schüren von Fremdenfeindlichkeit, Spaltung und Ängsten haben keinen Platz in der griechischen Gemeinde“, heißt es darin.

Auch Spiros Garos, lange Jahre Mitarbeiter beim DGB, ist an diesem Schreiben beteiligt. Nach seinen Informationen gibt es in Nürnberg bisher nur wenige – er spricht von „ein oder zwei“ – aktive Anhänger von „Chrysi Avgi“, doch sie versuchten, neue Anhänger zu werben. „Und ich befürchte, es wird klappen“, so Garos.

Bayerische Initiativen gegen Rechtsextremismus sind alarmiert: „Ich sehe die Aktivitäten von Chrysi Avgi als große Gefahr“, so Rüdiger Löster vom Informationsportal „Endstation Rechts“. In Griechenland erreichte die Partei bei den Parlamentswahlen bereits knapp sieben Prozent der Stimmen, nun vernetze sie sich mit Gleichgesinnten in Europa.

Doch warum ausgerechnet auch in Nürnberg? Zum einen ist die griechische Gemeinde hier traditionell groß, sagt Max Gnugesser-Mair vom „Nürnberger Bündnis Nazistopp“. Zudem scheint Nürnberg, als die ehemalige „Stadt der Reichsparteitage“, für „Chrysi Avgi“ und ihren Anführer Nikolaos Michaloliakos, der Adolf Hitler als eine „große historische Figur des 20.Jahrhunderts“ bezeichnete, besonders anziehend zu sein.

Auch der bayerische Verfassungsschutz hat „Chrysi Avgi“ seit einiger Zeit im Auge. Es gebe Verbindungen griechischer und bayerischer rechtsextremistischer Gruppen, erklärt ein Behördensprecher. Vertreter beider Gruppen träfen sich regelmäßig auf rechtsextremistischen Veranstaltungen. Zu Umtrieben der „Goldenen Morgenröte“ in Nürnberg will sich der Sprecher nicht äußern. „Wir behalten die Entwicklung aber im Auge.“ 

FRANZISKA HOLZSCHUH

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