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Bombe tötet Schülerin - Solidarität in Italien

Herkunft der Bombe noch unklar - 20.05.2012 18:57 Uhr

Ein Bombe tötet eine Schülerin und verletzt fünf andere Mädchen. Die Herkunft der Bombe ist noch unklar.

Ein Bombe tötet eine Schülerin und verletzt fünf andere Mädchen. Die Herkunft der Bombe ist noch unklar. © dpa


Eine Schülerin liegt am Boden, Rettungskräfte beugen sich über sie, überall sind Fetzen von Schulheften, Büchern und Kleidungsstücken verstreut. Augenzeugen im süditalienischen Brindisi sprechen von einem Inferno. Der Bombenanschlag vor einer Berufsschule hat dem krisengeschüttelten Land einen Schock versetzt. An den öffentlichen Gebäuden in Italien wehen die Fahnen auf halbmast.

Das ganze Land trauert um die 16-jährige Melissa, die am Samstag bei dem Anschlag in Brindisi gestorben war. Um das Leben einer Gleichaltrigen kämpften die Ärzte stundenlang, am Sonntag konnte ihre Familie Hoffnung schöpfen: Ihr Zustand war stabil. Vier weitere Schülerinnen erlitten teils schwere Verbrennungen.

Spontan gingen am Samstagabend in vielen Städten die Menschen auf die Straße, um ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen. In Rom versammelten sie sich vor dem Pantheon. «Wir haben keine Angst», stand auf Transparenten. Auch in Brindisi kamen viele Menschen zusammen. «Brindisi weint mit den Opfern», war auf Spruchbändern zu lesen - und auch Vorwürfe gegen die Mafia standen da. Aber die Hintergründe sind unklar. «Es ist ein abartiger und komplexer Fall, der große Sorge und darüber hinaus großen Schmerz auslöst, da junge Menschen betroffen sind», sagte Innenministerin Anna Maria Cancellieri.

Die Ermittler haben eine Spur: Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen einen Mann, der einen aus Gaskartuschen gebastelten Sprengsatz an einem Müllcontainer vor der Schule deponiert. Der Täter muss zumindest ein begabter Bastler sein: «Der Mechanismus ist nicht sehr kompliziert, aber nicht jeder könnte so etwas bauen», sagte Staatsanwalt Marco Dinapoli. Das Motiv bleibt völlig unklar. Es könne auch politisch sein, sagte Dinapoli.

Seit Wochen nimmt in Italien die Angst vor Anschlägen zu - jedoch gegen die ungeliebten Steuerbehörden und andere Einrichtungen, auf die sich die Wut der Bürger wegen des Sparzwangs richtet, den die Regierung von Mario Monti verordnet hat. Auch anarchistische Gruppen hatten mit Attentaten gedroht. Aber der Bombenanschlag auf die Berufsschule für Mode, Touristik und soziale Berufe kommt völlig überraschend.

Spekulationen um die Mafia

Sofort gab es Spekulationen, die Mafia könnte dahinter stecken, ist doch das Institut «Morvillo-Falcone» nach dem von der Mafia ermordeten Untersuchungsrichter Giovanni Falcone und seiner Ehefrau Francesca Laura Morvillo benannt. Doch die Tat passt nicht recht zur Mafia. Die Paten haben Politiker getötet, Ermittler und Menschen, die kein Schutzgeld zahlten oder ihr Schweigen brachen. Nach der Verhaftung des Bosses Toto Riina im Januar 1993 gab es allerdings auch Anschläge mit Toten an ungewöhnlichen Orten, etwa vor Museen.

Mafia-Staatsanwalt Antonio Ingroia sprach im TV Sender Rai News am Samstag von einem Stil, wie in den «schwarzen» 90er Jahren. Auch am Sonntag glaubten manche noch an eine Tat der Cosa Nostra. Der Anti-Mafia-Ermittler aus Lecce, Cataldo Motta, sagte jedoch: «Wie müssen uns fragen, wer Interesse an so einer Tat hat und wer davon profitiert.»

In Brindisi herrschte tiefe Trauer. Zu einer Messe in Mesagne, dem Heimatort von Melissa, kamen am Sonntag Familie und Freunde, viele weinten. Auch die Überlebenden kämpfen mit den schrecklichen Eindrücken. «Ich habe dem Tod in die Augen gesehen», zitierte die Nachrichtenagentur Ansa die verletzte beste Freundin der getöteten Melissa.

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dpa

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