Gedenktag

Tag der Befreiung: Warum ist der 8. Mai kein Feiertag?

Elias Thiel

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8.5.2024, 09:16 Uhr
An die Nürnberger Prozesse nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert das Museum "Memorium Nürnberger Prozesse" am Landgericht Nürnberg-Fürth.

© Daniel Karmann An die Nürnberger Prozesse nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert das Museum "Memorium Nürnberger Prozesse" am Landgericht Nürnberg-Fürth.

Tag der Befreiung: Die Erlösung vom Nationalsozialismus und das Ende eines grausamen Krieges: Am 8. Mai wird der Tag der Befreiung gefeiert. Was ist genau passiert am 8. Mai 1945? Warum ist dieses wichtige Ereignis bis heute kein Feiertag in Deutschland? Wie sieht es in anderen Ländern aus? Alles über den Tag der Befreiung.

Tag der Befreiung 2024: Ist der 8. Mai ein Feiertag in Deutschland?

Die Antwort auf die Frage, ob der 8. Mai hierzulande ein gesetzlicher Feiertag ist, lautet: Nein. Im Jahr 2024 ist der Tag der Befreiung kein offizieller Feiertag in Deutschland. In Berlin war der 8. Mai im Jahr 2020 einmalig zum Feiertag erklärt. Zudem hat der Tag der Befreiung in Brandenburg, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern den Status eines Gedenktages. In Mecklenburg-Vorpommern heißt er sogar der "Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des Zweiten Weltkrieges".

Am 8. Mai 2024 jährt sich der Tag der Befreiung zum 79. Mal.

Wo ist der Tag der Befreiung ein Feiertag?

In Deutschland wird das Ende des Faschismus also noch immer nicht als gesetzlicher Feiertag gefeiert, in anderen Ländern aber schon. Doch wo ist der 8. Mai ein Feiertag?

  • In Frankreich, Tschechien und in der Slowakei ist der 8. Mai ein gesetzlicher Feiertag.
  • Aufgrund der Zeitverschiebung wird in Russland der 9. Mai als offizieller Tag der Befreiung gefeiert und heißt "Tag des Sieges".
  • In zahlreichen europäischen Ländern ist die deutsche Kapitulation ein offizieller Gedenktag, wie etwa in den Niederlanden. Dort fällt er auf den 5. Mai und heißt "Bevrijdingsdag".
  • Da das japanische Kaiserreich erst später kapituliert wurde, wird der Tag in den USA als V-E-Day bezeichnet und ist dort ein Gedenktag. VE-Day steht für "Victory in Europe Day", also Sieg-in-Europa-Tag.

Der 8. Mai 1945: Totale Niederlage oder Tag der Befreiung?

"Im Grunde genommen bleibt dieser 8. Mai 1945 die tragischste und fragwürdigste Paradoxie der Geschichte für jeden von uns. Warum denn? Weil wir erlöst und vernichtet in einem gewesen sind." Mit dieser Äußerung am 8. Mai 1949, also exakt vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, spielt Theodor Heuss auf den Zwiespalt an, der für viele Deutsche mit dem Ende des Krieges verbunden war. Der 8. Mai ist ein Tag der Niederlage und bedeutet zugleich die Befreiung vom Nationalsozialismus und ein Ende des Zweiten Weltkrieges für Deutschland.

Ende des 2. Weltkrieges: Was passierte am 8. Mai 1945?

Auch wenn er für Deutschland eine große Niederlage bedeutete: Für Frankreich, Großbritannien, die USA und die Sowjetunion beziehungsweise die alliierten Mächte, war der 8. Mai 1945 ein voller Erfolg. Die Alliierten hatten großen Grund zur Freude: Die Deutschen unterzeichneten die bedingungslose Kapitulation aller Streitmächte. Damit war der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende. Am 2. September 1945 kapitulierte Japan, damit endete der Krieg weltweit.

Heute feiern wir den 8. Mai als einen Tag, der uns vom Nationalsozialismus und den Schrecken des Krieges befreit hat. In der DDR hieß der 8. Mai "Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus" und wurde von 1950 bis 1967 als Feiertag zelebriert. In Westdeutschland wurde über dieses historische Datum jedoch lange Zeit geschwiegen, da die Aufarbeitung der Nazi-Zeit jahrelang nicht leicht war.

Debatte, um den 8. Mai in Deutschland

Im Jahr 1970, also 25 Jahre nach Kriegsende, thematisierte Willy Brandt den Tag erstmals in einer Regierungserklärung. Dafür erntete er großen Widerspruch: Wegen der Mitschuld an den Verbrechen der Nazis weigerte sich die Union, den 8. Mai als Feiertag anzuerkennen. "Niederlagen feiert man nicht", hieß es aus Seite der Union, die damals die Opposition bildete. Im selben Jahr hielt Gustav Heinemann, als erster Bundespräsident, eine Rede zum 8. Mai.

1985 heilt der Bundespräsident Richard Weizsäckers eine Gedenkrede im Deutschen Bundestag zum 40. Jahrestag des Kriegsendes. In der hieß es: "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft". Somit setzte er einen Meilenstein im Diskurs zu der Bedeutung des 8. Mais.

Der 8. Mai und der Krieg in der Ukraine

Der 8. Mai hat angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine eine besondere Bedeutung für Deutschland und Europa. So sprach 2022 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier von einem "Epochenbruch", von einem 8. Mai, der "ein Tag des Krieges" sei. Bundeskanzler Olaf Scholz sagte in einer Fernsehansprache, es dürfe nie wieder Krieg, nie wieder Völkermord, nie wieder Gewaltherrschaft geben.

Sie möchten mehr über die Feiertage in Deutschland erfahren? Dann lesen Sie hier weiter: Feiertage 2024.