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Zugunglück bei Neuss: Personenzug fuhr trotz Sperrung

Bei dem Zusammenstoß mit einem Güterzug wurden 50 Menschen verletzt - 06.12.2017 15:28 Uhr

Am Dienstagabend fuhr ein Personenzug bei Neuss auf einen offenbar stehenden Güterwagen auf. © David Young/dpa


Der Regionalzug war am Dienstagabend in Meerbusch auf einen Güterzug geprallt und zum Teil entgleist. Nach Angaben des Rettungsdienstes erlitten acht Menschen schwere Verletzungen. Insgesamt wurden 47 Insassen verletzt. Der Zug der Regional-Express-Linie 7 von Köln nach Krefeld war auf einen stehenden Güterzug von DB Cargo aufgefahren, der auf dem Weg von Dillingen nach Rotterdam war.

Der Personenzug hätte den Gleisabschnitt nicht befahren dürfen, teilte ein Sprecher der Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen in Bonn am Mittwochnachmittag mit. Warum der Zug die Strecke bei Meerbusch dennoch befuhr, müsse nun geklärt werden, erklärte die Ermittlungsstelle. Dies sei keine Schuldzuweisung an den Lokführer, betonte Sprecher Gerd Münnich: So müsse etwa noch ermittelt werden, ob etwa die Signale falsch geschaltet gewesen seien oder vom Lokführer übersehen wurden. Die Fahrtenschreiber beider Züge seien sichergestellt und ausgelesen worden. Auch in den Stellwerken seien Informationen gesichert, der Bahnfunkverkehr sei ebenfalls aufgezeichnet worden.

Danach ergebe sich das Bild, dass der Güterzug ordnungsgemäß gehalten und auf das Signal zur Einfahrt in den Bahnhof Meerbusch-Osterath gewartet habe. Damit sei diese Strecke zwischen Krefeld und Köln für den nachfolgenden Verkehr eigentlich gesperrt gewesen. "Der Personenzug hätte in den Abschnitt nicht reinfahren dürfen", sagte Münnich. Die Bundesstelle stufte die Kollision als schweren Unfall ein, bei der die Schadenshöhe von zwei Millionen Euro überschritten sein dürfte.

Lokführer hatte Vollbremsung eingeleitet

In dem Regionalzug befanden sich neuesten Angaben zufolge 173 Menschen, wie Marc Zellerhoff, ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Rhein-Kreis sagte. Die Feuerwehr Meerbusch hatte zunächst von 155 Menschen gesprochen. Bei dem Unglück verkeilte sich der vordere Wagen des Personenzugs stärker, die weiteren Waggons entgleisten oder standen weitgehend unbeschädigt auf den Schienen.

"Wir haben großes Glück gehabt", sagte Marcel Winter, der Sprecher des RE 7-Betreibers National Express Rail GmbH. "Es hätte deutlich schlimmer ausgehen können." Der Lokführer habe nach ersten Erkenntnissen eine Vollbremsung eingeleitet und so unter anderem sein eigenes Leben gesichert. Bei dem Aufprall war der Mann in seiner Fahrerkabine verletzt worden, er konnte gerettet werden, stand aber unter Schock. Die Waggons des Güterzugs sollen mit Schüttgut beladen gewesen sein.

Ein "großer Knall"

Der Unfall ereignete sich nach Angaben der Bundespolizei gegen 19.30 Uhr in Meerbusch-Osterath. Fahrgäste sprachen von einem "großen Knall" und einer Vollbremsung. Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit mehr als 200 Einsatzkräften an der Unfallstelle. Zunächst hatte eine abgerissene Oberleitung Probleme bei der Rettung der Menschen im Zug bereitet. Während Angehörige der Zuginsassen sich in der Nähe des schwer zugänglichen Unglücksorts an einer Tankstelle versammelten, versuchten die Experten, den unter Strom stehenden Zug zu sichern.

National Express strich zunächst alle Fahrten auf der Strecke und richtete zwischen Neuss und Krefeld einen Busersatzverkehr ein. Das Unternehmen (Birmingham/Großbritannien) betreibt Busse und Bahnen unter anderem in Großbritannien, den USA, Kanada, Australien, Spanien, Portugal, Deutschland und Marokko. Auf zwei deutschen Verbindungen - dem RE 7 (Rhein-Münsterland-Express) sowie dem RB 48 (Rhein-Wupper-Bahn) - befördert es nach eigenen Angaben insgesamt etwa 20 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Damit ist es das einzige private Unternehmen im Schienenpersonennahverkehr in Nordrhein-Westfalen. Von 2019 an werden außerdem drei Linien des Rhein-Ruhr-Express (RRX) in Betrieb genommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verfolgte die Lage am Abend, wie Regierungssprecher Steffen Seibert via Twitter mitteilte. "Hoffentlich kann allen Verletzten rasch geholfen werden. Dank für den Einsatz der Rettungskräfte." Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wünschte den Verletzten eine "baldige Genesung".

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Das Unglück weckt Erinnerungen an einen Zusammenstoß im bayerischen Bad Aibling. Im Februar 2016 waren dabei zwei Nahverkehrszüge zusammengestoßen. Zwölf Menschen starben, 89 Insassen wurden verletzt - einige von ihnen lebensgefährlich. Im August 2014 rammte ein Güterzug in Mannheim einen Eurocity mit 250 Passagieren - zwei Waggons stürzten um, 35 Menschen wurden verletzt. Das schwerste Zugunglück in Deutschland der vergangenen Jahrzehnte ereignete sich im Juni 1998 in Eschede: 101 Menschen starben, als mehrere Waggons eines ICE bei Tempo 200 nach einem Bruch des Radreifens gegen eine Brücke prallten.

Der Artikel wurde am 6. Dezember 2017 um 15.28 Uhr aktualisiert. 

dpa

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