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Das erste Groß-AKW verschwindet nach fünfzig Jahren

Nach einem halben Jahrhundert sind die Kraftwerke auf dem Rückzug - 25.03.2017 19:31 Uhr

Das Atomkraftwerk Gundremmingen wird zurückgebaut. Die Abschaltung von Block B folgt in diesem Jahr, Block C soll 2021 vom Netz gehen. © dpa


Mit dem geplanten Rückbau des Kernkraftwerks Gundremmingen wird der Urahn der großen Atomkraftwerke in Deutschland langsam verschwinden. Denn der Bau des inzwischen längst wieder stillgelegten Blocks A des Kernkraftwerks im schwäbischen Landkreis Günzburg signalisierte den Startschuss für das kommerzielle Atomzeitalter der Bundesrepublik. Ende 1966 hatte erstmals eine atomare Großanlage Strom ins Netz gespeist. Zuvor hatte es nur deutlich kleinere Atomkraftwerke (AKW) gegeben, überwiegend für Versuchszwecke.

Nun steht nach rund einem halben Jahrhundert zum Jahresende 2017 die Abschaltung von Block B in Gundremmingen an, Block C wird in vier Jahren folgen. Nachdem die Energiekonzerne RWE und Eon den Abbau der verbliebenen beiden Atommeiler beantragt haben, wird ab Dienstag in Gundremmingen darüber diskutiert. Kritiker haben Bedenken gegen die Abrisspläne.

Worum geht es bei den Anhörungen zum Rückbau des Atomkraftwerks?

Die Energiekonzerne haben einen Antrag für den Abbau der kompletten Atomanlage in Gundremmingen gestellt. Der Rückbau von Block C, der noch bis Ende 2021 in Betrieb sein soll, ist dabei also schon enthalten. Ziel der Unternehmen ist es, das Kernkraftwerk "aus der atomrechtlichen Überwachung" zu entlassen. Dafür muss das Werksgelände von jeglicher Strahlung dekontaminiert werden. Übrig bleibt dann zum Schluss ein ganz normales Industriegebiet am Ortsrand von Gundremmingen. Davon abgetrennt wird es allerdings noch das Zwischenlager für die verbrauchten Brennelemente geben. Im Jahr 2019 will der Bund diese Zwischenlager an allen Kraftwerksstandorten in die eigene Verantwortung übernehmen.

Welche Bedenken haben die Kritiker des Atomkraftwerks?

Grundsätzlich betrachten Atomgegner das schwäbische Kraftwerk als unsicher. Sie verlangen deshalb, dass Block C ebenfalls bereits in diesem Jahr abgeschaltet wird und nicht noch vier Jahre in Betrieb bleibt. Der Bund Naturschutz erklärt beispielsweise, dass das größte deutsche Atomkraftwerk besonders gefährlich sei und spricht von einem «Risikoreaktor». Die Kritiker bemängeln ferner, dass es ein Sicherheitsproblem sei, wenn Block B bereits ab Anfang 2018 abgebaut wird, während Block C nach den Atomausstiegsplänen des Bundes noch weiterläuft. Sie bemängeln zudem das Konzept zur Entsorgung des anfallenden Atommülls aus Gundremmingen, beispielsweise weil die Endlagerfrage noch nicht geklärt sei.

Warum soll der Rückbau nicht erst nach Abschaltung von Block C beginnen?

Der Betreiber will mit dem Rückbau von Block B sofort starten, weil dadurch die nahtlose Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter möglich ist. Dies sichere nicht nur die Arbeitsplätze, es könne auch die bisherige Erfahrung des Personals weiter genutzt werden, heißt es im Antrag.

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Was bedeutet die Stilllegung für die Mitarbeiter?

Ein Atomkraftwerk abzureißen, ist eine langwierige Angelegenheit, dadurch gibt es auch noch lange Jobs in Gundremmingen. Derzeit sind in dem Werk noch 650 Mitarbeiter beschäftigt, Anfang des Jahres 2018 werden es voraussichtlich 530 sein. Für die Belegschaft bleibt viel zu tun, denn der gesamte Rückbau soll sich bis ins Jahr 2040 hinziehen. Die Mitarbeiterstärke soll in dieser Zeit nach und nach reduziert werden über die übliche Fluktuation, also den Ruhestand von Beschäftigten und den Wechsel von Mitarbeitern zu anderen Unternehmen. «Wir rechnen nicht damit, betriebsbedingt Personal abbauen zu müssen», sagt Kraftwerkssprecher Tobias Schmidt.

Bleibt von dem AKW etwas übrig?

«In Gundremmingen soll wieder eine grüne Wiese entstehen», meinte Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU). Doch die Atomkonzerne wollen sich noch nicht auf eine «grüne Wiese» festlegen - sie betrachten Gundremmingen als einen Industriestandort, der nach dem Rückbau möglicherweise anderweitig verwendet werden kann. Deswegen kann es auch sein, dass ein Käufer dann einzelne AKW-Gebäude wie Lagerhallen oder Verwaltung übernimmt und weiter nutzt, wenn diese Gebäude nicht radioaktiv belastet sind.

Gibt es schon Erfahrung mit dem Rückbau von Atommeilern?

Ja, mehrere Anlagen werden oder wurden bereits zurückgebaut. Das Besondere in Gundremmingen ist, dass dort bereits der Block A entfernt wurde. Dieser Meiler war bereits vor 40 Jahren nach mehreren schweren Störfällen vom Netz gegangen. Übrig blieb nur das Gebäude, das jetzt anderweitig genutzt wird. «Alles was wir jetzt beantragt haben, haben wir schon einmal gemacht», betont deswegen Kraftwerkssprecher Schmidt.

Wie teuer wird der Abriss des AKW Gundremmingen insgesamt werden?

Die Gesamtkosten stehen noch nicht genau fest. Die Konzerne haben für das Projekt Rückstellungen im Bereich von zusammen rund 1,5 Milliarden Euro für beide Blöcke gebildet. Derzeit wird davon ausgegangen, dass sich die Kosten etwa in diesem Bereich bewegen. 

dpa

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