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Gilt Onlinesucht bald als Krankheit?

Einstufung bringt bessere Möglichkeiten für Diagnose und Therapie-Entwicklung - 02.12.2015 13:26 Uhr

Über eine Million Menschen in Deutschland gelten als onlinesüchtig. (Symbolbild) © dpa


Onlinespiele, sozialen Netzwerke, Cyber-Sex-Angebote und Shoppingportale: Damit vertreiben sich viele Menschen ihre Zeit. Einige können ihren Medienkonsum jedoch kaum oder gar nicht mehr kontrollieren. Sie sitzen nur noch vorm PC, soziale Kontakte reißen ab, die Gesundheit leidet nicht selten ebenfalls unter dem Dauer-Surfen. Angstzustände, Depressionen, Rückenleiden sind nicht selten die Folgen.

Experten schätzen die Zahl der Betroffenen auf über eine Million bundesweit. Frauen sind ebenso anfällig wie Männer — nur treiben sie sich häufiger in sozialen Medien herum, während ihre männlichen Altersgenossen vor allem Rollenspielen verfallen, erklärt Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) aus Roth.

Von den 14- bis 24-Jährigen gelten laut Mortler 2,4 Prozent als süchtig — in Zahlen ausgedrückt sind das 250.000. Bei etwa 500.000 Teenagern sprechen Experten von einer „problematischen Nutzung“. In anderen Worten: Sie zocken und surfen viel und stehen an der Schwelle zur Sucht.

Schwelle zum Kontrollverlust überschritten

Ab welchem Zeitpunkt jemand die Grenze überschritten hat, ist pauschal schwer festzulegen. Was zählt ist laut Forschern der Kontrollverlust. Anders ausgedrückt: Das Nicht-mehr-Aufhören-können. „Diese Form der Sucht ist nicht als Krankheit anerkannt. Dennoch sind bereits Abhängige in Behandlung. Es gibt hier absoluten Handlungsbedarf“, sagte die CSU-Politikerin. So müsse auch die Forschung zusätzlich unterstützt werden. „Nur so lässt sich eine einheitliche Diagnostik erreichen. Und nur so können Therapien weiterentwickelt werden." Zudem bräuchten die Ärzte Rechtssicherheit.

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Oft fehlen eindeutige Diagnosen  — weswegen die Krankenkassen in vielen Fällen eine Kostenübernahme für eine Behandlung ablehnen. Bei einer Million Süchtigen kämen auf sie allerdings hohe Ausgaben zu — und das bei angespannten Finanzen und anstehender Gesundheitsreform. Mortler sowie das Bundesgesunheitsministerium sind aktuell in Gesprächen mit Rentenversicherern und Kassen. Ziel ist zudem, die Aufklärungsarbeit zu verbessern und die Medienkompetenz der jungen Leute zu stärken, um sie vor der Sucht zu schützen. 

Tanja Toplak-Páll

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