Donnerstag, 15.11.2018

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AKW Grafenrheinfeld ist jetzt offiziell im "Nichtbetrieb"

Frankens einziges Kernkraftwerk wird aber noch lange stehen bleiben - 01.02.2017 05:28 Uhr

Das Atom-/Kernkraftwerk Grafenrheinfeld - im Juni 2015 ging es vom Netz. Nun ist es in der "Nichtbetriebsphase". © Nicolas Armer/dpa


Jetzt ist es offiziell: PreussenElektra, der Betreiber des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld bei Schweinfurt, hat erklärt, dass ab sofort die Anlage in der "Nichtbetriebsphase" ist. Das heißt: Das Unternehmen hat nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Atomausstieg nun endgültig festgelegt, dass das Kernkraftwerk nie wieder in Betrieb gehen wird.

Vom Abriss der Kühltürme und des Reaktors ist man allerdings noch weit entfernt. Die Genehmigung für den Rückbau des Kraftwerks wird für Anfang 2018 erwartet. Frühestens 2023 werden die ersten Gebäude abgerissen.

Der Abriss ist noch in weiter Ferne

"Rückbau ist kein Abriss", verdeutlicht Stefan Krieger, Teilbereichsleiter für den Rückbau der Anlage. Von außen werde sich erst einmal nichts verändern. Der Abbau beginne im Inneren. Erst wenn die 597 Brennelemente, die derzeit noch im Abklingbecken ruhen, bis Ende 2020 ins Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände gebracht sind, kann mit dem Abriss begonnen werden. Zuvor werden nur unnötige Leitungen, Pumpen oder Motoren demontiert.

Die Vorbereitungen laufen. 16 Kraftwerksmitarbeiter und fünf Fremdfirmen haben in den vergangenen beiden Jahren Räume, Werk- und Schadstoffe der einzelnen Komponenten erfasst und dabei etwa 100.000 Datensätze angelegt. Von allen mehr als 900 Räumen im Kontrollbereich wurden 3D-Scans angefertigt.

Die Hallen werden noch Jahrzehnte dort stehen"

Selbst wenn Reaktor und Kühltürme bis 2030 verschwunden sein sollten, hat sich noch lange nicht das ganze Gelände in eine grüne Wiese verwandelt. "Das ist Fakt. Die Hallen werden noch Jahrzehnte dort stehen", bestätigt auch Kraftwerksleiter Reinhold Scheuring.

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Was er meint: Das Zwischenlager für die Castoren hat eine Genehmigung bis 2046, dazu ist geplant, bis 2020 eine zusätzliche Bereitstellungshalle mit 6000 Kubikmetern Einlagerungsvolumen für schwach- und mittelradioaktive Materialien zu bauen. 20 Millionen Euro soll diese kosten. Wer die bezahlen muss, ist allerdings noch unklar. "Das wird eine vertragliche Verhandlungssache sein", räumt auch Scheuring ein.

Denn die Bundesregierung hat die Finanzierung des Atomausstiegs neu geregelt. Ab 2019 ist sie für die Zwischenlager zuständig, ab 2020 auch für die Bereitstellungshallen. Auch der Transport in die Endlager und die Endlagerung selbst sind künftig komplett in Bundeshand.

Um sich von der Verantwortung zu entlasten, müssen die Betreiber 23,6 Milliarden Euro in einen Fonds einzahlen. PreussenElektra muss 7,8 Milliarden Euro plus einen Risikoaufschlag von zwei Milliarden Euro entrichten.

Künftig wird sowohl ein atomrechtlich Verantwortlicher des Bundes als auch des Betreibers in Grafenrheinfeld vor Ort sein, der Bund betreibt dann Zwischenlager und Bereitstellungshalle.

Am Ende des Rückbaus werden 3500 Tonnen schwach- und mittelradioaktiver Abfall stehen, sowie 53 Castoren im Zwischenlager vor Ort. Aber noch lange keine grüne Wiese. 

Martin Müller E-Mail

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