Mittwoch, 16.01.2019

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BKH Ansbach: Toter im Gebüsch wird nicht obduziert

Mitarbeiter einer Catering-Firma entdeckte den Leichnam des Patienten - 31.08.2017 05:48 Uhr

In einem Gebüsch in der Nähe der Klinik fand ein Mitarbeiter einer Catering-Firma die Leiche des 57-jährigen Patienten - allerdings erst knapp zwei Wochen nach seinem Verschwinden. © Ansbach


Es war starker beißender Verwesungsgeruch, der den Mitarbeiter eines Catering-Unternehmens stutzig werden ließ. Bei der Nachschau an einer abgelegenen Stelle des Geländes der Bezirkskliniken fand der Fahrer, der eigentlich Essen bringen wollte, am 29. Juli die Leiche des 57-jährigen Patienten. Sie lag hinter einem Gebäude an einer Böschung, wo sich laut Klinik-Sprecherin Ariane Peine normalerweise niemand aufhält. Der Tote sei "schwer zu sehen gewesen", so die Staatsanwaltschaft.

Der 57-jährige Mann hatte sich wegen psychischer Probleme selbst in Behandlung im Ansbacher Bezirkskrankenhaus begeben, bestätigt die Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion. Er befand sich also freiwillig auf einer offenen Station. "Als freier Mensch stand es ihm frei zu gehen, wohin und wann immer er wollte", sagt Peine, "es gab keine Anwesenheitspflicht."

Am 17. Juli wurde freilich registriert, dass er auf der Station fehlte, etliche Gegenstände aus seinem Besitz aber noch da lagen. In solchen Fällen wird versucht, den Patienten zuhause oder am Handy zu erreichen; so auch hier - allerdings erfolglos, erzählt Sprecherin Peine. Die Klinik habe daraufhin sofort eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgegeben.

Eine Suche nach dem Patienten ist aber - entgegen erster Meldungen - nicht gestartet worden, bestätigt Peine auf Nachfrage. Das weitläufige Gelände in Ansbach werde bei Vermisstenmeldungen nur dann abgesucht, wenn die Person hilflos sei, etwa demente Menschen bei winterlicher Witterung, oder wenn attestierte Suizidgefahr vorliegt. Dann freilich werde "das ganze Gelände, mit Hochdruck, von unserer Betriebsfeuerwehr durchkämmt", sagt die Sprecherin. "Wir hatten keine Hinweise auf ein suizidales Verhalten des Mannes." Publik wurde der Todesfall erst am 22. August durch Medienberichte.

Natürliche Todesursache

Nach Aussage der Ansbacher Staatsanwaltschaft ist der 57-Jährige an einer natürlichen Todesursache gestorben. Die Polizei sei "zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen, dass Hinweise auf ein Fremdverschulden am Tod des Mannes nicht vorliegen", sagt Jonas Heinzlmann von der Staatsanwaltschaft.

Ein Ermittlungsverfahren ist daher nicht eingeleitet worden. Dieser Verzicht hat allerdings auch zur Folge, dass die Staatsanwaltschaft eine Obduktion der Leiche nicht anordnet. Somit bleibt auch ungeklärt, was die Todesursache war und wann genau der Patient starb. Kliniksprecherin Peine: "Natürlich ist es total tragisch, wenn jemand so verstirbt."

Es wird "munter gestorben"

Psychiatrie-Kritiker wie der Nürnberger Martin Heidingsfelder, ein Vertrauter des Psychiatrie-Opfers Gustl Mollath, greifen derartige Todesfälle in Bezirkskrankenhäusern in den sozialen Netzwerken sofort auf. "In Ansbach liegen Patienten zehn Tage tot im Gebüsch, und es wird noch nicht einmal eine Obduktion angeordnet", postet Heidingsfelder polemisch auf Facebook. "Man will in Bayern gar nicht wissen, warum in den Bezirkskrankenhäusern so munter gestorben wird."

Heidingsfelder zieht sogar Parallelen zum Bruder Gustl Mollaths, Jürgen Mollath, der 2016 im Bezirkskrankenhaus Ansbach verstorben war, und zum "Totmacher" Niels H., der als Pfleger in Norddeutschland 90 Patienten ermordet haben soll und dem momentan der Prozess gemacht wird.

O-Ton Heidingsfelder: "Wie viele 'Totmacher' werden von Behörden durch Untätigkeit geschützt? Wie viele Zwangsmedikamentierte gibt es in Bayern? Alles Zahlen, die kein Ministerium hat. Statistiken, die Fragen aufwerfen würden, werden in Bayern nicht geführt." Selbst kritische Bezirkspolitiker schütteln angesichts solcher Anwürfe den Kopf. So würden notwendige Reformen nicht vorangetrieben, sondern vielmehr in Misskredit gebracht. 

Hans Peter Reitzner

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