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Bahnausbau für ICE sorgt für Ärger in Bamberg

Erhebliche Eingriffe ins Stadtbild befürchtet - Tunnel als Lösung? - 29.07.2017 12:09 Uhr

Ein ICE fährt durch Bamberg, das auf der ICE-Strecke zwischen München und Berlin liegt. Im Rahmen eines zehn Milliarden Euro schweren Verkehrsprojekts soll diese Strecke bis Ende des Jahres in vier statt bisher in sechs Stunden zu bewältigen sein. Doch in der Weltkulturerbe-Stadt sorgt man sich ums Erscheinungsbild. © Nicolas Armer/dpa


Es klingt nach einem guten Deal, den Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) der Stadt Bamberg da anbietet. Der Süden der Stadt soll eine lange gewünschte S-Bahn-Haltestelle bekommen, im Gegenzug soll der Stadtrat den Plänen für eine viergleisige ICE-Trasse durch die Welterbe-Stadt zustimmen - und die Forderung nach einem Tunnel für den ICE verwerfen. Doch wie das bei Großprojekten so ist, liegt die Lösung nicht immer sofort auf der Hand. Es geht um Nutzflächen, Lärmschutzwände – und letztlich vielleicht sogar um den Status von Bamberg als Unesco-Weltkulturerbe.

Bamberg liegt auf der ICE-Strecke zwischen München und Berlin. Im Rahmen des Verkehrsprojekts "Deutsche Einheit Nummer Acht" der Deutschen Bahn soll diese Strecke bis Ende des Jahres in vier Stunden statt bisher in sechs Stunden zu bewältigen sein. Für das Zehn-Milliarden-Euro-Projekt sind nach Angaben der Bahn 230 Kilometer Neubaustrecke und 270 Kilometer Ausbaustrecke nötig; der Bau wurde schon 1991 von der Bundesregierung beschlossen. "Wir liegen im Zeitplan", sagt ein DB-Sprecher. Bis Ende des Jahres seien alle Neubaustrecken fertig gestellt, das Vier-Stunden-Ziel könne damit erreicht werden.

Ringen um Schienenverlauf in Fürth

Noch nicht fertig gestellt sind hingegen die Ausbaustrecken, sprich die Verbreiterung der bereits bestehenden Trasse. Im mittelfränkischen Fürth wird derzeit noch um den genauen Verlauf der Schienen gerungen, der Fall liegt vor dem Bundesverwaltungsgericht: "Da können wir vielleicht erst Ende des Jahres mit einer Entscheidung rechnen", sagt der Bahnsprecher. In Bamberg soll erst 2022 mit dem Ausbau begonnen werden, aktuell wartet der Stadtrat ein unabhängiges Gutachten ab, das im Herbst fertig sein soll. Darin soll sich dann eine Empfehlung für eine Ausbauvariante finden.

Da die Schienen direkt durch Bamberg geführt werden sollen, wären die Eingriffe in das Stadtbild erheblich. Schon seit einigen Jahren fürchten deshalb viele Bamberger hohe Schallschutzwände, die möglicherweise sogar den Status der Stadt als Unesco-Weltkulturerbe gefährden könnten. Seit fünf Jahren wird daher mit der Bahn verhandelt, sowohl die Bamberger Verwaltung als auch der Konzern bezeichnen die Gespräche als "fruchtbar". Die aktuellen Pläne sehen nun Schallschutzwände von bis zu drei Metern Höhe vor.

Stadtrat diskutiert Veto

Es gibt aber auch noch andere Varianten: "Neben einer Tunnellösung und einer oberirdischen Durchfahrung wird im Stadtrat derzeit aber auch noch die Option diskutiert, überhaupt keinem Ausbau zuzustimmen", sagt Claus Reinhardt vom Bamberger Baureferat. Es sei jedoch fraglich, ob die Stadt damit durchkommen würde: "Das Projekt ist so hoch aufgehängt, da können wir schon zufrieden sein, dass wir im Vorfeld unsere Bedenken ausdrücken konnten und gemeinsame Lösungen suchen können." Auch bei der Bahn und dem bayerischen Verkehrsministerium würde eine Ablehnung des Ausbaus auf wenig Verständnis stoßen: "Da würde es dann schon aufhören, wir können die Bahninfrastruktur ja nicht wie vor hundert Jahren belassen", betont der Bahnsprecher.

Auch eine Sprecherin des bayerischen Verkehrsministeriums sagt: "Der Ball liegt jetzt bei der Stadt." Der Vorschlag, bei einer oberirdischen Durchfahrung einen zusätzlichen S-Bahn-Halt in Bamberg gemeinsam mit dem Bund zu finanzieren, würde nach Angaben des Verkehrsministeriums zudem immer noch billiger kommen als die Tunnelvariante.

  

David Hutzler, dpa

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