Montag, 17.12.2018

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Besondere Mahagoni-Violine aus Belafontes Garten

Bubenreuther Geigenbaumeister Walter Mahr schuf für Musiklehrer auf Barbados ein ganz spezielles Instrument - 06.10.2012

Geigenbaumeister Walter Mahr mit der Mahagoni-Geige aus dem Garten des Popsängers Harry Belafonte. © Heinz Reiß


Einen seltenen Fall hat kürzlich der Bubenreuther Geigenbaumeister Walter Mahr erhalten: Auf der Insel Barbados im Atlantischen Ozean betreibt John Maynard eine kleine Musikschule und gibt als Geigenspieler auch selbst Konzerte.

Wenn einer seiner Schüler über das „normale“ Geigenspiel hinauswächst und sich ein wertvolleres Instrument wünscht, dann wendet sich Maynard aus dem fernen Bridgetown an

den Bubenreuther Geigenbaumeister Mahr.

So kam es zwischen den Musiker und den Instrumentenbauer auch zu Gesprächen über das Tonholz — und hier beginnt eine ungewöhnliche Geschichte. Das Grundstück von John Maynard grenzt an einen berühmten Garten. Der war der Aufenthaltsort von Harry Belafonte, der in den 1950er Jahren den Calypso-Sound populär machte. In den Garten sollen unter einem stark gewachsenen Mahagonibaum Belafonte-Hits wie der „Banana Boat Song“, „Matilda“, „Island in the Sun“ und Jamaica Farewell entstanden sein. Der Mahagonibaum wurde durch einen Hurrikan vor rund 15 Jahren entwurzelt. Die heutige Besitzerin des Gartens hat den Stamm trocken gelagert.

Da Mahagonibäume durch ihre astfreie Stammlänge von bis zu 25 Metern sehr begehrt sind und sie ähnlich wie Ahorn ein rot-braunes Kernholz mit einem schönen „Spiegel“ haben, wuchs in John Maynard der Wunsch, aus diesem Baum, der unter solch musikalischen Bedingungen aufgewachsen ist, eine Geige bauen zu lassen. Maynard schickte Walter Mahr eine Mail, teilte ihm seinen Wunsch mit und war glücklich, als dieser ihm bestätigte: „Die Geige baue ich Dir!“

Normalerweise besteht die Decke einer Geige aus feinjährigem Fichtenholz, das auf nährstoffarmen Böden in Hochgebirgsregionen langsam gewachsen ist. Das Holz wird in der ersten Hälfte des Winters geschlagen, wenn sich möglichst wenig Saft im Stamm befindet, danach wird es noch mehrere Jahre zur weiteren Trocknung gelagert. Der Geigenboden wird meistens aus Ahorn gefertigt (seltener kommen auch Pappel oder Weide zur Verwendung). Für den Bubenreuther Geigenbauer Walter Mahr war es somit ein Experiment, eine Geige aus Mahagoniholz zu bauen.

In diesen Tagen wurde das Instrument endlich fertig — und selbst der Bubenreuther Meister ist überrascht über den guten Klang des Instruments aus Barbados-Mahagoni. Wenn es die weite Reise in den Atlantischen Ozean überstanden hat, wil John Maynard seinen nächsten Instrumental-Unterricht mit dieser besonderen Geige im ehemaligen Garten von Harry Belafonte halten. 

HEINZ REISS

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