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Das Warten hat ein Ende: Badminton-Weltklasse in Erlangen

Hersbruck und Freystadt: Zwei Lokalmatadore bei bei der EM-Qualifikation - 06.12.2018 19:00 Uhr

Badminton in Erlangen: Wie hier beim Freundschaftsspiel gegen Dänemark vor zwei soll die Emmy-Noether-Halle auch bei der EM-Quali voll werden. © Klaus-Dieter Schreiter


Kofferpacken ist immer etwas Schönes. Liegt das Gepäckteil in der Wohnung, ist der Urlaub nicht mehr weit. Bei Isabel Herttrich ist das anders. Die 26-Jährige ist Badminton-Nationalspielerin, ihren Koffer sieht sie manchmal öfter als ihr Zuhause. "Aus dem Koffer zu leben", sagt sie, "das kennen wir nicht anders."

Herttrich ist in Hersbruck geboren, dort begann sie auch mit Badminton, wie ihre Eltern. Als 17-Jährige zog die Fränkin nach Hamburg, um dort besser trainieren zu können. Seither richtet sich ihr Leben nach dem Sport. Sie lebt und trainiert am Bundesstützpunkt des Deutschen Badminton Verbands in Saarbrücken, dort spielt sie beim 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim in der Bundesliga, hinzu kommen Turniere mit der Nationalmannschaft. Manchmal geht es auch für mehrere Wochen auf Tour durch Asien. "Dieses Jahr war schon voll", sagt Herttrich, "doch nächstes Jahr steht die Qualifikation für die Sommerspiele in Tokio an."

Wie in vielen Randsportarten sind auch im Badminton die Olympischen Spiele das große Ziel, die Welt- und Europameisterschaften eher Durchgangsstationen im Vier-Jahres-Zirkus. Rio 2016 hat Herttrich noch verpasst. "Das war ein Schlag", meint sie, "doch es war vielleicht einen Tick zu früh für mich." 2020 in Tokio soll es klappen. Verrückt machen will sich die Hersbruckerin deshalb nicht, auch wenn sie weiß: "Medaillen bei Olympia sind das, was zählt. Da hängt viel Förderung dran. Deswegen hat im Deutschen Badminton Verband Olympia einen gewissen Stellenwert – nicht nur ideell, auch finanziell."

Denn obwohl Herttrich ihr Leben aktuell dem Sport unterordnet – reich wird sie dadurch nicht. "Mein Bundesliga-Verein unterstützt mich gut, die Deutsche Sporthilfe kommt dazu, mein Ausrüster und die Sportstiftung Saar", ein Gesamtpaket sichert das Auskommen. Momente des Zweifelns gab es da in der Karriere natürlich, doch am Ende waren "Hunger und Lust" am Badminton immer größer, wie Herttrich im großen EN-Interview sagt.

Auch Pistorius vom TSV Freystadt im Aufgebot

Sportlich hat Isabel Herttrich, die nach dem Umbruch in der Badminton-Nationalmannschaft 2016 zu den erfahreneren Spielerinnen gehört, bereits viel erreicht. 2016, 2017 und 2018 wurde sie Deutsche Meisterin im Damen-Doppel mit Carla Nelte, alleine in diesem Jahr gewann sie unter anderem Bronze im Mixed mit Mark Lamsfuß und Silber bei der Damen-Team-EM. Auch die anderen Nationalspieler, die in Erlangen im Kader stehen, sind sehr erfolgreich.

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Bundestrainer Detlef Poste hat die besten Spieler des Landes nominiert. Darunter ist mit Johannes Pistorius ein weiterer Franke, der 23-Jährige ist in Roth geboren. Er sollte im Herren-Doppel zum Einsatz kommen, ebenso wie in seinem Verein, dem TSV Freystadt aus dem Neumarkter Landkreis. Allerdings scheint seine Handverletzung einen Einsatz noch nicht zuzulassen. Im Einzel treten unter anderem die Deutschen Meister Max Weißkirchen (1. BC Beuel) und Luise Heim (1. BC Bischmisheim) an.

Das Vier-Nationen-Turnier in Erlangen bietet also hochklassigen Badminton-Sport. Die Schweden schätzt Isabel Herttrich als die "schwierigste Aufgabe" ein. "Das ist im Vergleich zu den anderen beiden Gegnern die größte Badminton-Nation. Ich bin gespannt, sie kommen mit einem sehr jungen Team." Gegen Slowenien und Österreich sei Deutschland "auf dem Papier haushoher Favorit". Ein Selbstläufer aber werden auch diese Länderspiele nicht.

In den Doppel- und Mixed-Disziplinen scheint das deutsche Team überlegen. "In den kleineren Nationen gibt es oft starke Einzelspieler", sagt Herttrich, deshalb müssen sich "unsere Spieler im Einzel vielleicht ein bisschen mehr strecken". Ziel sind Medaillen bei der Europameisterschaft – der Sieg in der Quali ist fest eingeplant.

Direkt danach geht es für die Badminton-Spieler wieder zurück zu den Bundesstützpunkten. "Manchmal wünscht man sich schon, mehrere Wochen zu Hause zu sein", sagt Herttrich. Damit meint sie vor allem ihre Wohnung in Saarbrücken, aber auch ihre Heimat im Nürnberger Land. Nach der EM-Quali steht noch ein Heimspiel in der Bundesliga an, dann hat auch die Hersbruckerin mal ein paar Wochen Wettkampf-Pause. "Mein Koffer ist schon im Keller." Und dort bleibt er auch bis Januar.   

Spielplan:

Freitag, 18 Uhr: Deutschland – Slowenien, Österreich – Schweden.

Samstag, 18 Uhr: Deutschland – Österreich, Schweden – Slowenien.

Sonntag, 10 Uhr: Slowenien – Österreich, 15 Uhr: Deutschland – Schweden.

Tickets unter www.ADticket.de 

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Katharina Tontsch Sportredakteurin in Erlangen E-Mail

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