Dienstag, 20.11.2018

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Eckentaler Waldkindergarten gedeiht bestens

Nach einem Jahr nach der Gründung fällt die Bilanz positiv aus - 05.06.2018 11:00 Uhr

Im Erzählkreis besprechen die Kinder im Eckentaler Waldkindergarten mit den Erzieherinnen die Erlebnisse des Tages. © Scott Johnston


Die Eckentaler Einrichtung dieser Art ist jetzt ein Jahr alt. Eine erste Bilanz, die Leiterin Andrea Dautremay zieht, fällt sehr positiv aus: "Die Kinder genießen es, die Natur so intensiv zu erleben. Auch die Effekte für die körperliche, geistige und soziale Entwicklung der Jungen und Mädchen sind äußerst erfreulich."

Nahe beim Sportgelände des SC Eckenhaid kaufte die Gemeinde ein Waldstück. Das Konzept wurde mit dem zuständigen Förster besprochen, der aus Gründen der Sicherheit kranke Bäume fällte.

Bei Hagel, starkem Sturm oder Gewitter können die Kleinen in den Umkleidekabinen des SC Schutz finden. Regen und Schnee sind mit entsprechender Kleidung freilich kein Problem.

Ein Schnupfen lässt sich am Anfang nicht immer vermeiden, doch mittel- und langfristig baut der Nachwuchs nach den Erfahrungen von Andrea Dautremay ein stärkeres Immunsystem auf, als wenn er sich überwiegend in engen, geschlossenen Räumen aufhält.

Bewusstsein für Ökologie

Früh wächst zudem ein ökologisches Bewusstsein. Die Kindergartenleiterin: "Die Mädchen und Jungen begegnen Tieren und Pflanzen mit Achtsamkeit. Da wird nichts geknickt oder zertrampelt. Vielmehr hilft man stattdessen einem strampelnden Krabbeltier wieder auf die Beine."

Aufgrund der ausgiebigen Bewegung sind die Kinder ausgeglichener. Es wird weniger gestritten, geschubst, geschlagen. Durch gemeinsame Projekte lernen die Zweieinhalb- bis Sechsjährigen Teamwork, planen zusammen etwas, sprechen sich ab, lassen sich zeigen, wie eine Sache funktioniert, und helfen sich gegenseitig.

In "normalen" Kindergärten ist oft das Spielzeug das Problem. Nach dem Motto: Wenn der Nachbar damit so tolle Dinge machen kann, will ich es auch haben — und zwar sofort! Im Wald dagegen existiert Spielzeug im Überfluss.

Dieses Spielzeug ist nur ein bisschen anders. Da wird aus einer Rinde ein schnittiges Boot oder ein Bettchen für ein Baby. Für dieses taugt wiederum ein knorriges Aststück. Kurzfristig wird es allerdings auch mal zu einer (harmlosen) Pistole umfunktioniert.

Jeden Tag unternehmen die Kinder einen etwa zweistündigen Spaziergang von zwei bis drei Kilometern Länge. Hier wird eifrig die Gegend zwischen Eckenhaid, Herpersdorf und Bullach erkundet.

Und wenn die Jungs und Mädels der Erzieherin voller Neugier Löcher in den Bauch fragen, schlägt dann doch die Stunde des Handys. Von welchem Vogel stammt dieses blaue Ei mit den beigen Flecken? Welcher Vierbeiner hat hier Spuren in der Erde hinterlassen? Was alles frisst eigentlich ein Wildschwein? Google findet die Antworten auf nahezu unendlich viele Fragen!

Die Spaziergänge sind keineswegs selbstlos. Jedes Stück Müll, das aufgespürt wird, kommt in einen Plastiksack. Kürzlich besuchte die Gruppe das Kindertheater "Salz + Pfeffer" in Nürnberg. Da die Reinlichkeit rund um den Plärrer zu wünschen ließ, wollten sich die Kleinen sofort an das Aufsammeln machen. Andrea Dautremay: "Meine Kolleginnen und ich mussten ihnen erst erläutern, dass für diesen Job die Stadt zuständig ist."

Inklusion ist wichtiges Ziel

Die Trägerschaft für den Eckentaler Waldkindergarten hat die Erlanger Lebenshilfe übernommen. Inklusion ist denn auch ein wichtiger Bestandteil des Konzepts.

Laut Andrea Dautremay haben Kinder mit Andersartigkeit dabei weit weniger Schwierigkeiten als so mancher Erwachsene: "Sie nehmen den anderen so, wie er ist. Ohne dass sie den Begriff kennen, ist Integration für sie etwas ganz Selbstverständliches."

Dies gilt auch für Kinder mit Migrationshintergrund. Ein syrisches Geschwisterpaar besucht gleichfalls den Eckentaler Waldkindergarten. Wenn die sprachliche Verständigung da gelegentlich nicht recht gelingen will, werden eben alternative Kommunikationswege gesucht. Mit Händen und Füßen zu reden, ist schließlich international. Am Anfang erklärten die Erzieherinnen den Kindern auch, weshalb die jungen Syrer mit ihren Eltern fliehen mussten.

Durch die Frühförderung und den Fachdienst wird bei Entwicklungsrisiken individuell gegengesteuert. Hier können speziell ausgebildete Fachkräfte auch gezielt auf Defizite wie Schwierigkeiten beim Sprechen oder Konzentrationsstörungen eingehen.

Nach einem ereignisreichen Tag lassen Kinder und Erzieherinnen bei einem Erzählkreis unter den Fichten das Erlebte Revue passieren. Konflikte und Fragen werden ebenfalls zeitnah geklärt.

In einem Bauwagen gibt es Mittagessen. Doch wenn der Löffel beiseite gelegt ist, geht es wieder zu den geheimnisvollen Pfaden westlich des Hormesweihers. Mal sehen, ob der Goldlaufkäfer den erbeuteten Regenwurm schon aufgefuttert hat? 

SCOTT JOHNSTON

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