-0°

Samstag, 15.12.2018

|

Ein-Dollar-Brille: Erlanger Visionär erhält Preis

Martin Aufmuth bekam den renommierten "Tech Award" verliehen - 19.01.2016 06:00 Uhr

Engagierter Tüftler: Der Erlanger Martin Aufmuth ist der Erfinder der Ein-Dollar-Brille. Für seine Idee hat er schon viele Preise erhalten. Jüngst den internationalen „Tech Award“. © Foto: Harald Sippel


Es ist eines der gravierendsten gesundheitlichen Probleme weltweit: die nicht behandelte Fehlsichtigkeit von Millionen Menschen. Einer WHO-Studie zufolge leiden weltweit mehr als 150 Millionen Menschen an einer Fehlsichtigkeit, die sich mit einer Brille beheben ließe, können sich aber keine leisten und haben meist auch keinen Zugang zu augenoptischer Versorgung. Sie können nicht arbeiten, Kinder und Jugendliche können nichts lernen. Doch es gibt Hoffnung.

Der Mathematik- und Physiklehrer Martin Aufmuth entwarf eine kleine, leicht zu transportierende Optikerwerkstatt, mit der Brillen hergestellt werden können. Materialkosten: ein Dollar. „Die oberste Anforderung an eine Brille in diesen Ländern ist die Kostenfrage. Nur dann ist sie für Leute erschwinglich, die von einem Dollar am Tag leben müssen“, sagt Aufmuth.

Bilderstrecke zum Thema

Schnell, einfach und billig: Die Ein-Dollar-Brille aus Erlangen

Ein Projekt macht Karriere: Rund 4000 Menschen haben Martin Aufmuth und sein Verein seit knapp zwei Jahren weltweit mit einer Brille versorgt. Die aus einem Drahtgestell und einklickbaren, vorgeschliffenen Gläsern bestehende Brille erobert derzeit einige Staaten in Afrika und Südamerika.


Dafür erhielt er jüngst den renommierten „Tech Award“ — als einziger Deutscher. Mit diesem Preis ehrt das „Tech Museum of Innovation“ im kalifornischen San Jose (USA) jedes Jahr Visionäre aus aller Welt für wegweisende Erfindungen zur Verbesserung menschlicher Lebensbedingungen in Entwicklungsländern.

Seine mobile Brillenwerkstatt funktioniert überall. Mit einer Biegevorrichtung wird per Hand jedes Brillengestell individuell auf die Kopfgröße angepasst. Durch einen einfachen Sehtest lässt sich im Anschluss für jedes Auge die passende Linsenstärke herausfinden. Die Polycarbonatgläser gibt es von +6 bis -6 Dioptrien in jeweils 0,5 Dioptrien Schritten.

Wie ein Dollar die Sicht auf die Welt verändert: Mit dieser Brille können Kinder besser sehen. © Foto: privat


Angefangen hat der Erlanger damit im Jahr 2012. In Uganda hatte er als Pilot-Projekt fünf „Brillenteams" ausgebildet. Sie halfen innerhalb von nur zwei Wochen mehr als 500 Menschen. Mittlerweile gibt es die Ein-Dollar-Brille in acht verschiedenen Ländern in Südamerika und Afrika: Mexiko, Brasilien, Bolivien, Burkina Faso, Benin, Äthiopien, Ruanda und Malawi.

Irgendwann, so hofft der Gründer und Vorsitzende des Vereins „EinDollar-Brille“, Martin Aufmuth, soll sich das Projekt selbst tragen. Mit allem, was dazugehört, also unter anderem Material-, Produktions- und Transportkosten sowie Schulungen für die Verkäufer in den betroffenen Ländern.

„In Burkina Faso sind derzeit 25 Mitarbeiter tätig, die rund 1000 Brillen pro Monat verkaufen“, sagt Aufmuth. „Sie und ihre Familien können von der Herstellung und dem Verkauf der Brillen leben.“ In den anderen Ländern hingegen befindet sich Projekt noch im Aufbaustadion.

„Unser Ziel in diesem Jahr ist es, weiter zu wachsen und zu lernen“, sagt Aufmuth. Er selbst arbeitet jetzt hauptamtlich für den Verein. Seinen Job als Lehrer hat er endgültig aufgegeben. „Beides zusammen ging nicht mehr.“ Bis das Projekt überall ein Selbstläufer ist, wird der Verein jedoch auch weiterhin dringend auf Spenden angewiesen sein.

Spendenkonto „EinDollarBrille“ bei der Sparkasse Erlangen: IBAN DE56 7635 0000 0060 0444 15

Weitere Informationen unter www.eindollarbrille.de 

KATHARINA TONTSCH

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Erlangen