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Ein falscher Vergleich

Ortega: »Stimmung gegen Muslime wie Judenhetze« - 17.03.2010

In die Kritik geraten: Jose Ortega

In die Kritik geraten: Jose Ortega © Foto: Bernd Böhner


Sinngemäß sagte der Vorsitzende des Ausländer- und Integrationsbeirats: In den Medien und auf den Straßen Deutschlands werde derzeit ähnlich Stimmung gegen Muslime und den Islam gemacht wie während der Nazi-Zeit mit ihrer planmäßigen Hetze, ja Vernichtungskampagne gegen Juden.

Daran ist allenfalls richtig, dass sich Zerr-, zum Teil auch Feindbilder über den Islam in den Köpfen der Mehrheitsgesellschaft halten, negative Stereotype über Muslime verbreitet und Angehörige dieser in Deutschland vier Millionen Köpfe zählenden Minderheit aufgrund ihrer Religion und/oder Herkunft ausgegrenzt werden.

Auch manche Medien spielen hierbei zweifellos nicht immer eine rühmliche Rolle. Sie aber – wenn auch nicht explizit – pauschal in die Nähe von antisemitischen Hetzblättern à la Stürmer (um das gravierendste Beispiel zu nennen) zu rücken, geht eindeutig zu weit.

Was noch schwerer wiegt: Ortegas drastischer, übertriebener Vergleich verharmlost zugleich das staatlich angeordnete Unrecht, das Juden und anderen Minderheiten damals widerfuhr. Nur zwei Beispiele: Wo in Deutschland gäbe es Geschäfte, in denen Muslimen per Schild der Zutritt versagt wird? Oder einen Boykott muslimischer Läden?

Wenn also Ortegas Vergleich ungeeignet ist, um das Ausmaß der Stimmungsmache gegen Muslime korrekt zu beschreiben, darf man ihm getrost unterstellen, dass er eigentlich eine ebenso richtige wie wichtige Botschaft aussenden wollte: Wir alle müssen in unserem Alltag aufmerksam sein und Ausgrenzungen von Minderheiten frühzeitig und vor allem entschieden begegnen.

Die gerade angelaufene »Internationale Woche gegen Rassismus« bietet die Möglichkeit, den Blick nachzuschärfen für Unrecht, das auch heute mitten unter uns geschieht. Ob diese Chance ergriffen wird, liegt an den Veranstaltern und Referenten, aber auch an jedem Teilnehmer selbst. Fest steht jetzt schon: Allzu leichtfertige Vergleiche dienen diesem Anliegen nicht - ganz im Gegenteil. 

Kirsten Waltert

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