Mittwoch, 12.12.2018

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"Kopfbau" der "Hupfla" — was wird aus diesem Erlanger Denkmal?

Uniklinik und Freistaat wollen Gebäude abreißen, doch Fachleute bekräftigen, dass dies durch bauliche Mängel nicht zu rechtfertigen ist - 06.12.2018 06:00 Uhr

Immer mehr Erlanger Bürger möchten, dass aus dem denkmalgeschützten „Hupfla“-Gebäude ein Erinnerungsort für die Euthanasie-Opfer der Nazis gemacht wird. Uniklinik und Freistaat wollen den Abriss und neue Gebäude für Forschungseinrichtungen bauen. © Harald Sippel


Soll das ehemalige psychiatrische Universitätskrankenhaus, das sich am Nordrand der ehemaligen Erlanger Heil- und Pflegeanstalt befindet, zum Mahn- und Erinnerungsort für die Gräueltaten des Nationalsozialismus werden? Diese Frage stand im Raum, als kürzlich bei einer Podiumsdiskussion mehrere Vertreter von NS-Gedenkstätten schilderten, wie ihre Einrichtungen die Erinnerungsarbeit ausgestalten. Von Seiten des Universitätsklinikums hieß es an diesem Abend, dass der Erhalt des nördlichen Kopfbaus in Architektenwettbewerben gründlich geprüft, aber in Anbetracht der Wettbewerbsergebnisse als nicht durchführbar zurückgestellt worden sei. Wie diese Zeitung im Nachgang erfuhr und dann auch berichtete, war der Erhalt des Baudenkmals in der Wettbewerbsausschreibung allerdings gar nicht gefordert.

Nun liegen unserer Zeitung Informationen vor, die belegen, dass der von den Abriss-Befürwortern gern zitierte Landesdenkmalrat dem Abriss offenbar nicht so geschlossen zugestimmt hat, wie dies bisher dargestellt wurde. Eine mögliche Erklärung für diese Diskrepanz könnte sein, dass es sich dabei um ein politisch dominiertes Gremium handelt.

Die Aussagen, die vom Regionalausschuss Franken des Landesdenkmalrates gemacht wurden, könnten jedenfalls gar nicht deutlicher sein. "Die Denkmaleigenschaft des Gebäudes Schwabachanlage 10, des ehemaligen Nordflügels der Klinikgebäude, steht zweifelsfrei fest", heißt es im Bericht zu einer Sitzung im Jahr 2011. Das Gebäude — 1874 bis 1879 in spätklassizistischen Formen errichtet — sei "aus gewichtigen Gründen des Denkmalschutzes wegen seiner künstlerischen, historischen und städtebaulichen Bedeutung zu erhalten", wird in dem Bericht weiterhin betont.

Darüber hinaus wird auch klar konstatiert: "Das Gebäude befindet sich in einem guten baulichen Zustand".

All dies wurde vom Landesdenkmalrat zumindest nach außen hin offenbar nicht offiziell kommuniziert und taucht auch in den Äußerungen von Innenminister Joachim Herrmann nicht auf, der seinerseits nach einem Rundgang über das Uni-Nordgelände im September dieses Jahres jegliche Kritik an dem vom Uniklinikum gewünschten Abriss des Gebäudes zurückwies. Allerdings darf durchaus bezweifelt werden, dass dem Politiker all dies unbekannt ist.

Nun ist es ja so, dass die Äußerungen des Landesdenkmalrats lediglich empfehlend sind, aber nicht rechtlich bindend. Das teils mit Politikern, teils mit Denkmal-Fachleuten besetzte Gremium hat die Aufgabe, die Bayerische Staatsregierung zu beraten.

Doch auch von anderer Seite wird der Abriss der "Hupfla" abgelehnt. Auf EN-Anfrage teilte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege mit, dass sich auch diese zentrale Fachbehörde des Freistaats gegen einen Abriss positioniert hat — und zwar bereits zweimal. Zum ersten Mal 2004/05, dann noch einmal in einer Stellungsnahme zur Bauvoranfrage 2017. Dabei wurden mehrere Aussagen getroffen. Der Nordflügel der "Hupfla" ist "der erhaltene Rest eines überregional bedeutenden Baudenkmals und steht trotz seines fragmentarischen Zustands exemplarisch für den medizin- und stadtgeschichtlichen Rang des heutigen Klinikums", so die Behörde. "Das Baudenkmal befindet sich in einem sanierungs- und restaurierungsfähigen Zustand." Und schließlich: "Es gibt keinerlei bauliche Mängel, die einen Abbruch rechtfertigen könnten."

Inzwischen sprechen sich auch zunehmend mehr Erlanger Bürgerinnen und Bürger für den Erhalt der "Hupfla" als Mahnmal der Geschichte aus. 1285 Unterschriften wurden mittlerweile gesammelt, über 850 neue Unterschriften überreichte einer der Initiatoren der Petition jetzt Oberbürgermeister Florian Janik. "Die schriftlichen Willensbekundungen machen deutlich, dass es ein Anliegen der Bevölkerung ist, den Kopfbau zur Errichtung eines Gedenkortes für die in der NS-Zeit verübten Krankenmorde in unserer Stadt zu erhalten", heißt es im dazugehörigen Schreiben. Und auch, dass man weiterhin Unterschriften sammeln werde. 

EVA KETTLER

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