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Mieter in der Hans-Geiger-Straße haben Bedenken

Stadt und GBW erläuterten bei Informationsversammlung die Baupläne - 25.10.2016 06:00 Uhr

Auf dem Grün zwischen Wehnelt- und Hans-Geiger-Straße sind vier sogenannte „Punktbauten" geplant. Das sollen vermutlich siebenstöckige Holzhäuser sein. Doch die Mieter haben Bedenken. © Klaus-Dieter Schreiter


Etliche Spezialisten aus der Verwaltung hatte Versammlungsleiter Carsten Heuer vom Stadtplanungsamt aufgeboten, und die Verantwortlichen für die Überplanung des Areals zwischen Paul-Gossen-Straße, Nürnberger Straße und Stintzingstraße hatte er ebenfalls eingeladen.

Das waren der für die Verdichtung des Areals zuständige Projektleiter der GBW in München, Matthias Hartung, der wiederum Planer Dietmar Sandler vom Münchener Architekturbüro BGSM und Matthias Schwahn von den Landschaftsarchitekten Ohnes & Schwahn mitgebracht hatte.

Es war also geballte Kompetenz angetreten in der Turnhalle des Sonderpädagogischen Förderzentrums an der Stintzingstraße, um die verunsicherten Bewohner des Quartiers zu beruhigen. Doch bereits als Heuer deutlich machte, wie notwendig die Schaffung von Wohnraum in Erlangen ist und erläuterte, dass die Anzahl der geförderten Wohnungen für einkommensschwache Mitbürger von 4250 auf 3000 zurückgegangen sei, kam Unruhe auf.

Zwischenrufe aus dem Publikum

Als er dann meinte, Erlangen sei eine "attraktive Stadt" kamen die ersten Zwischenrufe. "Noch" riefen einige und meinten wohl Erlangen würde unattraktiver werden, wenn ihr Quartier verdichtet wird und von den bis zu 750 neuen Wohneinheiten 25 Prozent Sozialwohnungen werden. Dietmar Sandler erklärte zwar, die Erschließung, der Parkraum und der Lärmschutz - an den Gebietsrändern ist teilweise Lärmschutzbebauung vorgesehen - würden verbessert und der "prägende Baumbestand" bleibe erhalten, doch das Misstrauen etlicher Bewohner ist erheblich.

Eine Frau sprach davon, dass 500 geschützte Bäume gefällt werden sollen. Das mochten die Planer jedoch nicht bestätigen. Sie sagen, sie würden mit der so genannten Punktbebauung erreichen, dass der grüne Charakter des Quartiers weitestgehend erhalten bleibe.

Diese Punktbauten sind in der Grundfläche kleine, jedoch offenbar bis zu siebenstöckige Häuser, die laut Sandler in Holzbauweise errichtet werden. Fünf davon sind entlang der Nürnberger Straße geplant, vier im Grünbereich zwischen Wehneltstraße und Hans-Geiger-Straße. Im Eingangsbereich zu dem Quartier von der Stintzingstraße ist eine Fußgängerfläche vorgesehen, auf der neue Bäume gepflanzt werden sollen um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Außerdem sind dort neue Ladengeschäfte geplant. Das Areal gegenüber, auf dem die jetzigen Läden sind, gehört nicht der GBW. Ob und wie dort neu gebaut wird ist noch nicht klar.

"Fast zu Tode gepflegt"

Die meisten Flächen in dem gesamten Quartier sind artenschutzrechtlich relevant. Dazu gehören etwa geschützte Sandmagerrasenflächen. Dass die Vegetation dort "fast zu Tode gepflegt" worden sei meinte eine Frau.

Landschaftsarchitekt Matthias Schwahn erläuterte jedoch, die Flächen seien im letzten Jahr nicht gemäht worden, weil man die Saat ernten wolle, um gleiche Flächen an anderen Orten in dem Gebiet zu schaffen.

Ein Pensionär klagte, er werde aus seiner Wohnung "rausgeekelt", habe die Kündigung bereits erhalten obwohl er behindert sei. Matthias Hartung bestätigte, dass 191 Wohnungen abgebrochen werden, weil dort Tiefgaragen entstehen, auf denen dann neue Häuser gebaut werden. Sein Unternehmen habe ein Umzugsunternehmen damit beauftragt, die Umzüge in andere Wohnungen abzuwickeln.

Der alte Mietvertrag bleibt laut Hartung für die betroffenen Mieter bestehen. Mit diesen neuen Tiefgaragen – es sind offenbar drei geplant – und weiteren halb in die Erde gebauten Parkdecks hoffen die Planer die bislang prekäre Parksituation in den Griff zu bekommen. Die Bewohner glauben allerdings, dass für die bis zu 750 neuen Wohneinheiten zu wenige Stellplätze geplant sind. Laut Carsten Heuer hat sich die GBW bei ihren Planungen allerdings an die gültige Stellplatzsatzung der Stadt gehalten.

Wasser in den Kellern

Die Bewohner befürchten zudem die Kanalisation sei für 750 neue Wohneinheiten nicht ausgelegt. In den letzten Jahren hätten sie mehrfach Wasser in ihren Kellern gehabt, weil es bei Starkregen aus den Kanälen zurück drückt, sagen sie. Oberbürgermeister Florian Janik, der zwischenzeitlich gekommen war, versuchte deutlich zu machen, dass eine Kanalisation, die auch Starkregen aufnehmen kann, unbezahlbar wäre. Außerdem, so der Oberbürgermeister, werde am Ohmplatz ein Rückhaltebecken gebaut, um den Druck in den Kanälen zu reduzieren.

Über drei Stunden lang wurde so teilweise emotional diskutiert. Die eine oder andere Anregung der Bürger wird laut Carsten Heuer wohl auch in die weiteren Planungen einfließen. Dabei sollen, wie es Planer Sandler ausdrückte, die „Geschicke dieses Gebietes weiter verträglich entwickelt werden".

Die Wünsche einer Frau aber wird er wohl eher nicht erfüllen können. Sie fordert: "Hände weg von diesem Neubau und Parkdeck" und "Aufforsten dieses Gebietes so wie es einst von Siemens geplant war". 

Klaus-Dieter Schreiter

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