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„Mit Konflikten umgehen lernen und Flagge zeigen“

Projekt „Mutwerk — Courage erlangen“ will für Zivilcourage werben - 25.11.2010 22:48 Uhr

Wider die Un-Kultur des Wegschauens: Mehr Zivilcourage in kritischen Situationen fordert das „Mutwerk“-Projekt. © dpa


Der Kugelfisch ist ein Tier, das sich bei Gefahr aufbläst und dadurch größer wirkt – und es ist Sinnbild und Logo, das, zusätzlich mit dem Schriftzug „Mutwerk: Courage erlangen“ versehen, deutlich sichtbar für eine Aktion werben soll, die die evangelisch-reformierte Kirche, das Theater Erlangen und sein Förderverein, die Erlanger Polizei, der Seniorenbeirat der Stadt und die Theaterwissenschaften der Universität Erlangen-Nürnberg ins Leben gerufen haben. Das Logo prangt auf Sweatshirts und Tragetaschen, die an den Adventssamstagen 4., 11. und 18. Dezember, jeweils zwischen 10 und 12 Uhr, an Informationsständen auf dem Hugenottenplatz erhältlich sind.

„Gewaltexzesse in der Öffentlichkeit sind nicht bloß Randerscheinungen“, sagt Johannes Mann, Pfarrer der Hugenottenkirche, „sie treten vielmehr immer häufiger auf und zeigen, wie verroht wir geworden sind.“ Aber gerade auch die weniger spektakulären Aspekte, wie Sachbeschädigung, verbale Gewalt oder Mobbing, gehörten dazu. Die breit angelegte Aktion „Mutwerk – Courage erlangen“ soll in den nächsten Monaten auf diese negativen Phänomene aufmerksam machen und die Bereitschaft zu mehr tätigem Mut befeuern. Mittels eines großen Programms, das diverse Beiträge, Lesungen und Workshops und sogar ein entsprechendes Theaterstück in der „Garage“ beinhalten wird, soll ein dichtes Netzwerk innerhalb der Stadt geknüpft und somit ein breites Bewusstsein für die alle angehende Problemlage entwickelt werden. Nicht zuletzt bei den Leitern der Erlanger Schulen wird demnächst für das Projekt geworben werden.

Prävention wichtig

Johannes Mann: „Das Prinzip des Projekts ist, mit Konflikten umgehen zu lernen, Position zu beziehen, Flagge zu zeigen. Wir streben eine breite Nachhaltigkeit an, es soll eine Wellenbewegung in der Erlanger Gesellschaft entstehen.“ Deshalb habe man auch die Polizei mit ins Boot geholt, die zunehmend als „Reparaturbetrieb der Gesellschaft“ (Mann) herhalten müsse und somit direkt mit den Folgen der gesellschaftlichen (Fehl-)Entwicklung zu tun habe. Prävention sei wichtig: Die Polizei bietet deshalb im Rahmen der Aktion Verhaltenstrainings und Workshops an, die Hilfestellungen geben sollen bei der Frage, wann und wie man Zivilcourage anwenden solle.

Und man hat sich der Dienste des Theaters Erlangen, der, so Mann, „Waffe Kultur“, versichert – was nicht allzu schwierig war, denn, wie Intendantin Katja Ott darlegt, „Theater und Kirche haben einiges gemeinsam, beispielsweise die Möglichkeit des Hinschauens und des sich Einmischens.“ Aus diesem Grund entwickelt Regisseurin Tina Geißinger mit Schauspielern des Ensembles und mit Laien ein Stück zum Thema, das am 21. Januar 2011 Premiere hat. Dazu wurden im Vorfeld intensive Gespräche mit Jugendlichen und Senioren geführt. Interessierte waren zudem aufgerufen, im Internet einen Fragebogen zu den Begriffen „Mut“ und „Zivilcourage“ auszufüllen – alles Bausteine einer Stoffsammlung, die für das zu entwickelnde Stück verwendet werden.

Oper und Operette

Als Sponsor für das Projekt des Theaters mit dem Titel „Mutwerk“ fungiert der Zonta Club Erlangen, der am heutigen Freitag ab 19.30 Uhr im Markgrafentheater die Benefiz-Gala „Die Nacht der Stimmen“ präsentiert. Die Gäste der Gala erwartet eine musikalische Reise in die Welt des Jazz, des Pops und Musicals bis hin zur Oper und Operette. Zu sehen und zu hören sein werden der Tenor Georgios Bitzios aus Frankfurt, die Sopranistin Anke Katrin Glucharen (Würzburg), Willetta Carson, Johanna Moll und Daniela Gunreben (Erlangen) und die Pianisten Thomas Fink (Herzogenaurach), Rainer Armbruster (Frankfurt) sowie Werner Dörmann (Würzburg).

„Mutwerk: Courage erlangen“ wird offiziell am Sonntag, 28. November, um 17 Uhr in der Hugenottenkirche eröffnet. Einer der Redner ist auch der Schirmherr des Projekts, der bayerische Innenminister Joachim Hermann, dazu gibt es kurze Präsentationen und Lesungen. 

mko

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