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Mittwoch, 19.09.2018

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Projekt in Erlangen: Leihauto für Mieter

Die Joseph-Stiftung testet in Erlangen ein Carsharing-Projekt - 13.01.2018 18:00 Uhr

Die Joseph-Stiftung hat in Erlangen, wie ein Mitarbeiter zeigt, für ihre Mieter zwei Autos der Marke Opel zum Mieten im Angebot. Die Tarife beginnen bei fünf Euro pro Stunde. /Joseph-Stiftung © Harald Hofmann


Herr Pfeuffer, wie ist die Joseph-Stiftung auf die Idee gekommen, Mietern und Studenten Mietautos zur Verfügung zu stellen?

Wolfgang Pfeuffer: Bislang hat sich die Immobilienwirtschaft mit dem Thema Mobilität vorwiegend hinsichtlich des Baus von Parkflächen beschäftigt, doch veränderte Mobilitätsbedürfnisse seitens der Kunden lassen neue Potenziale erkennbar werden. Vermehrt lässt sich feststellen, dass der Besitz eines Autos von praktischen Erwägungen verdrängt wird. Carsharing, also die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen, wird in vielen Großstädten erfolgreich praktiziert.

 

Der Unterhalt für ein Auto fällt weg.

Pfeuffer: Genau. Um laufende Unterhaltskosten, Wartung und Reparatur muss sich der Einzelne so nicht mehr kümmern, zugleich hat er die Möglichkeit, jederzeit ein Auto zu buchen, wenn er es benötigt – zum Großeinkauf oder der Fahrt in Orte, die mit Öffentlichen schwierig zu erreichen sind.

 

Das hat Folgen auf die Wohnungswirtschaft, die Sie ja als kirchliches Wohnungsunternehmen vertreten.

Pfeuffer: Natürlich, in der Wohnungswirtschaft kann sich die Förderung und Bereitstellung neuer Mobilitätskonzepte umgekehrt positiv auf die Baukosten auswirken. In einigen Bundesländern konnten so bereits Vorschriften der kommunalen Stellplatzverordnungen aufgeweicht werden, in dem Sinne, dass durch die Bereitstellung derartiger Angebote weniger Stellplätze für Neubauten nachgewiesen werden mussten.

 

Stand bei Ihnen das Anliegen im Zentrum, Studierende zu mehr Mobilität zu verhelfen?

Pfeuffer: Vor rund 20 Jahren hatten wir schon einmal für die Studenten in Erlangen ein Carsharing-Projekt gestartet, was damals der Zeit wohl voraus war. Jedenfalls wurde es von den Studenten nicht wie von uns erwartet angenommen. Die damalige Generation war noch zu sehr auf das eigene Fahrzeug fixiert. Wir meinen, dass sich dies inzwischen geändert hat.

 

Inwiefern?

Pfeuffer: Laptop und Smartphone haben in der Bedeutung für Studierende längst das eigene Auto überholt. Man will mobil sein, aber nicht zwingend mittels eines eigenen Fahrzeugs. Insofern wollen wir in der Tat den Studierenden zu einem kostengünstigen Mehr an Mobilität verhelfen.

 

Wie wichtig ist Ihnen bei dem Angebot der Gedanke der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes?

Pfeuffer: Das Thema Nachhaltigkeit genießt bei der Joseph-Stiftung einen hohen Stellenwert. Dokumentiert wird dies in unserem Nachhaltigkeitsbericht, den wir im März 2016 erstmals veröffentlicht haben. In diesem Bericht haben wir eine Vielzahl von Maßnahmen für alle fünf Dimensionen der Nachhaltigkeit im Sinn der EU-Definition dokumentiert: Ökonomie, Soziales, Ökologie, Ethik und Kultur. Das Carsharing-Angebot ergänzt diese Maßnahmen insbesondere bei der Ökonomie und Ökologie.

 

Das Projekt läuft seit Ende November, wie ist die Resonanz?

Pfeuffer: Das Projekt ist gut angelaufen. Innerhalb der ersten Wochen haben sich fast 30 Nutzer registriert.

Das Angebot hat Modellcharakter, ist nach Ihren bisherigen Erfahrungen eine Ausweitung denkbar?

Pfeuffer: Momentan befinden wir uns noch in der Evaluierungsphase des Projekts. Wir werden die Erkenntnisse im Frühsommer 2018 auswerten und dann entscheiden, ob das Angebot fortgeführt und auf andere Liegenschaftsstandorte ausgeweitet werden soll. Unsererseits besteht hierzu absolute Bereitschaft.

 

Hat die Joseph-Stiftung ähnliche Angebote in anderen Städten?

Pfeuffer: Im Gegensatz zu anderen Wohnungsunternehmen verfügt die Joseph-Stiftung eher über dezentrale Liegenschaften. So markiert das Quartier in der Haagstraße in Erlangen unseren größten zusammenhängenden Wohnungsbestand, weshalb wir das Pilotprojekt auch genau dort gestartet haben. Ähnliche Angebote gibt es an anderen Standorten noch nicht, sollen aber dennoch bei erfolgreichem Verlauf des Modellversuchs andernorts folgen, womöglich in Kooperation mit anderen Wohnungsanbietern.

Ist das Angebot auch eine Möglichkeit, dass Studierende womöglich nach dem Studium auch auf ein eigenes Auto verzichten, da sie gemerkt haben, es geht auch ohne Auto?

Pfeuffer: In Großstädten wie Berlin, Hamburg und München ist dies sicher schon heute Realität. Fehlende Parkplätze einerseits und gut ausgebauter ÖPNV in Verbindung mit einem engmaschigen Carsharing-Angebot andererseits erleichtern die Entscheidung, auf ein eigenes Auto zu verzichten. In weniger dicht besiedelten Regionen sieht dies natürlich anders aus. Carsharing dürfte hier aber sicher eine Alternative zum Zweitwagen sein.

 

Wie sieht das Prozedere genau aus?

Pfeuffer: Interessierte Nutzer registrieren sich vorab auf einer Homepage für das Carsharing. Anschließend kann über eine Smartphone-App eines

der Fahrzeuge gebucht und vor Ort das Auto geöffnet werden. Die Nutzer sehen unter anderem auch den Standort und die Verfügbarkeit des Carsharing-Fahrzeugs. Die Tarife beginnen bei fünf Euro pro Stunde, inklusive einer bestimmten Zahl von Freikilometern.

 

Arbeiten Sie mit einer Auto-Verleihfirma zusammen?

Pfeuffer: Direkt arbeitet die Joseph-Stiftung mit dem Bereitsteller der Buchungsinfrastruktur für die Carsharing-Fahrzeuge, der Digital Mobility Solutions GmbH, zusammen. Der arbeitet wiederum mit einem Unternehmen für Fuhrparkmanagement, der Fleet Spot GmbH zusammen. Sowohl die Carsharing-Nutzer als auch die Joseph-Stiftung haben jeweils nur einen Ansprechpartner, nämlich die Digital Mobility Solutions GmbH. 

Interview: SHARON CHAFFIN

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