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Rechte Flyer sorgen für Aufregung in Erlangen

Flugblätter mit einschlägigem Inhalt in Briefkästen eines Studentenwohnheims aufgetaucht - 23.03.2017 07:08 Uhr

Schon zum zweiten Mal seit Jahresbeginn landeten Flugblätter der rechten Gruppierung "Identitäre Bewegung" im Wohnheim an der Erwin-Rommel-Straße.


Das Wohnheim in der Erwin-Rommel-Straße gehört zu den neuesten und mit 360 Wohneinheiten größten Häusern des Studentenwerks Erlangen-Nürnberg. Dutzende Briefkästen befinden sich, Name an Name, frei zugänglich vor den einzelnen Gebäuden der Anlage. Ein Paradies also für Verteiler von Wurfsendungen aller Art – ob bei den Bewohnern gewollt oder ungewollt.

Die jüngste Flugblatt-Aktion der sogenannten Identitären Bewegung dürfte für die dort untergebrachten Studierenden in der Mehrzahl sicherlich zur zweiten Kategorie gehören. Kürzlich landete, seit Jahresbeginn bereits zum zweiten Mal, ein Flyer der aktionistischen, völkisch orientierten Gruppierung, die ethnopluralistisch-kulturrassistische Konzepte vertritt, in den Briefkästen der Einrichtung. Die Mitglieder der Organisation beschwören eine geschlossene, "europäische Kultur", deren "Identität" vor allem von einer "Islamisierung" bedroht sei.

Unter der Überschrift "Eine Generation — ein Schicksal — eine letzte Chance" subsumiert das Flugblatt all jene Begrifflichkeiten, die beim einfachen Lesen scheinbar harmlos daherkommen und somit juristisch unangreifbar sind, bei einer genaueren Analyse aber völkische Ideologie mit rechtspopulistischen Parolen erkennen lassen.

Verfasser des Flugblattes, das unserer Redaktion vorliegt, ist Nils Altmieks. Er ist der Vorsitzende der Identitären Bewegung (IB) Deutschland. Nach Recherchen der Online-Ausgabe der Rheinischen Post lebt der Bauingenieur seit rund zwei Jahren in einem kleinen Ort nördlich von Nürnberg. Zuletzt machte die IB Ende August vergangenen Jahres auf sich aufmerksam, als Aktivisten auf das Brandenburger Tor kletterten und ein Banner mit dem Spruch "Sichere Grenzen ,sichere Zukunft" entrollten.

Im Stil von AfD oder Pegida

Nun also Erlangen: Das Papier spricht gleich im ersten Satz von einer "Jugend ohne Migrationshintergrund". Damit ist rund ein Drittel der Heranwachsenden ausgeschlossen oder 20 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Auch mit Worten "Masseneinwanderung", "Islamisierung" und "Bevölkerungsaustausch" schüren die Autoren im Stil von AfD oder Pegida Ängste vor angeblicher Überfremdung. Der Satz "Als Identitäre Bewegung reicht es uns nicht, resigniert dem Niedergang eines ganzen Kontinents tatenlos zuzusehen" lässt sich als versteckter Aufruf zur Gewalt gegen Migranten und Flüchtlinge lesen.

Da die Autoren bewusst auf direkten rechtsradikalen Wortschatz verzichten, bleiben die Aussagen rechtlich unverfänglich. Die Flugblätter seien überprüft worden, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken. "Es wurden dabei, abgesehen vom Moralischen, keine strafbaren Inhalte entdeckt".

Der Sprecher des Studentenwerks, Uwe Scheer, hält es für unwahrscheinlich, dass jemand aus den Reihen der Bewohner selbst die Blätter in die Kästen geschmissen hat. "Der Unmut über die Aktion ist unter den Studierenden groß", berichtet er.

Die jungen Frauen und Männer seien weltoffen und schätzten den Kontakt zu Kommilitonen aus dem Ausland, allein im betroffenen Wohnheim in der Erwin-Rommel-Straße sei ein Ausländeranteil von rund 30 Prozent. "Die Studierenden wehren sich entschieden gegen solche Parolen", betont Scheer.

Sozialbürgermeisterin Elske Preuß ruft  nicht nur Studierende, sondern alle zu besonderer Aufmerksamkeit auf: "Wer Flugblätter oder Schmierereien mit eindeutigem Inhalt entdeckt, soll sich sofort bei der Polizei melden — damit die Ermittler der Sache schnell nachgehen können." 

SHARON CHAFFIN

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