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So funktioniert solidarische Landwirtschaft in Erlangen

Geiz ist nicht geil: Fairer Wert statt Preisdumping - 04.03.2016 12:00 Uhr

In die Bio-Kiste im Winter kommen unter anderem Möhren, rote Beete und Zwiebeln. © Foto: privat


Obwohl der Wunsch der Verbraucher nach naturbelassenem Essen groß ist, können die Bauern, die nachhaltig Lebensmittel anbauen, kaum von ihrer Arbeit leben. Genau die will Isabel Gäßner unterstützen. „Ich möchte unabhängiger werden von Supermärkten“, sagt die 47-Jährige. „Auch Biomärkte gehören für mich dazu. Gemüse aus Ägypten hat für mich nichts mit Bio zu tun.“ Gäßner und ihre 20 Mitstreiter wollen regionale und saisonale Bio-Produkte.

Seit dem Frühjahr 2015 bezahlen sie im Kollektiv zwei Bauernhöfe, die sie dafür mit Lebensmitteln versorgen. Die Bauern ihres Vertrauens heißen Gerhard Rühl aus Weisendorf und Alfred Schaller aus Steudach. Jede Woche bringen sie ihr Obst und ihr Gemüse in ein Depot nach Erlangen, Rühl im Sommer, Schaller im Winter. Dorthin pilgern auch die Abnehmer ihrer Ware, wiegen ihren Anteil ab und nehmen ihn mit nach Hause.

Gemüse mit Wert statt Preis

Im Gegenzug erhalten die Bauern Planungssicherheit. „Die Landwirtschaft war zuvor nicht mehr möglich, die Konkurrenz hat die Preise gedrückt“, erzählt Landwirt Rühl. Bei der solidarischen Landwirtschaft ist alles anders: Der Bauer kalkuliert seine Kosten für ein Jahr — bedürfnisorientiert und unabhängig von den Marktzwängen. Das Kollektiv legt dann das nötige Geld zusammen (in diesem Fall 25 Euro pro Person und Monat) und erhält als Gegenleistung Biogemüse und -Obst. Die einzelnen Lebensmittel verlieren so ihren Preis, aber erhalten dafür einen Wert.

Der neuen Nachfrage muss Gerhard Rühl jetzt erst einmal Herr werden: 2015 lief so positiv, dass er gleich drei zusätzliche Gewächshäuser baute, um den Bedarf zu decken. Mitglieder der solidarischen Landwirtschaft halfen beim Aufbau. Geändert hat sich für Rühl vieles. „Wenn ich auf dem Markt am Rathausplatz verkaufe, weiß ich nicht einmal, was bis Mittag weggeht“, erzählt er. „Jetzt kann ich expandieren, weil ich mit einem festen Einkommen rechnen kann.“ Das erste Jahr lief zweifellos gut, ohne den Verkauf auf dem Markt geht es aber noch nicht.

Wissen, wo die Eier herkommen: Bei der Solidarischen Landwirtschaft ist Transparenz ein wichtiges Thema. © Foto: dpa


Karotten, Kartoffeln, Wirsing: Im Winter ist die Vielfalt in ihrer Biokiste zwar nicht so groß, dafür ist alles saisonal und regional. Künftig soll sie etwas teurer, aber dafür vielfältiger werden. Wer mag, kann zusätzlich noch Eier à 2,50 Euro pro zehn Stück ordern. Dass manchmal auch weniger als sonst in der Kiste sein kann, gehört dazu: „Ernteausfälle können immer mal drin sein“, sagt Gäßner. „Normalerweise muss der Bauer dieses Risiko alleine tragen. So tragen wir es alle gemeinsam.“

Das versteht allerdings nicht jeder. Viele ihrer Bekannten würden zum Teil sehr heftig reagieren, wenn sie erzählt, dass sie auch zufrieden ist, wenn mal weniger in der Kiste ist. „Für manche Menschen ist es eben ganz wichtig zu wissen, wie viele Kilo Kartoffeln man für sein Geld bekommt. Der Rest ist dann eher egal.“

Wer sich über die solidarische Landwirtschaft informieren möchte, der kann sich am morgigen Samstag, 5. März, zwischen 11 und 14 Uhr im Lesecafè in der Hauptstraße 55 mit den Teilnehmern und den Bauern treffen. Bauer Schaller verkauft dort zum Kennenlernen einen Ernteanteil für einmalig 8 Euro, zudem gibt es ein Menü mit Produkten direkt von seinem Hof. Um Voranmeldung per E-Mail an info@solawi-erlangen.de wird gebeten.

Weitere Informationen unter www.solawi-erlangen.de 

BARBARA ZINECKER

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