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So wichtig ist Sport im Alter auch in Erlangen

Sportwissenschaftler Dr. Simon Steib über Risikofaktoren und gewonnene Lebensqualität - 20.04.2017 10:00 Uhr

Schon kurze Bewegungsübungen täglich verbessern deutlich die Vitalität. Archivbild: Böhner


Herr Dr. Steib, was passiert genau im Alter, warum ist man nicht mehr so leistungsfähig?

Die Leistungseinbußen im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses sind auf verschiedene Anpassungserscheinungen zurückzuführen. Dazu zählen vor allem die Abnahme der Muskelkraft und Muskelmasse, Einschränkungen in der Beweglichkeit, der Ausdauerleistungsfähigkeit, oder auch in der Koordination. So arbeiten unsere Muskeln weniger effizient und unser Herz-Kreislauf-System ist weniger belastbar. Dadurch sinkt die allgemeine Leistungsfähigkeit und wir ermüden schneller.  

Welche Risiken birgt das?

Alltagsaktivitäten fallen schwerer als in jungen Jahren. Auch die Mobilität ist meist deutlich eingeschränkt, wodurch auch die Teilhabe am sozialen Leben leidet. Ein großes Risiko ist die erhöhte Sturzgefahr. Durch die Einschränkungen in Bewegungsausmaß und der Muskelkraft sowie die verminderte Reaktionsfähigkeit können Störreize oft nur unzureichend ausgeglichen werden. Hinzu kommt die im Alter häufig verminderte Knochendichte, weshalb die Gefahr von sturzbedingten Frakturen erhöht ist.

Ist Sport da geeignet, um die Risikofaktoren zu minimieren?

Unbedingt! Das belegen wissenschaftliche Studien. Den Abbauprozessen kann durch regelmäßige körperliche Aktivität und gezieltes Training ideal entgegengewirkt werden. Und das Beste: Die Leistungsfähigkeit und Mobilität steigt, man fühlt sich vitaler.

Es wird Lebensqualität erhöht?

Selbstverständlich. Man nimmt den Alltag weniger anstrengend war. Typische Alltagsaktivitäten wie etwa das Treppensteigen fühlen sich weniger anstrengend an. Auch der Gesundheitseffekt sollte nicht unterschätzt werden – regelmäßige Aktivität kann das Immunsystem stärken.

Wie häufig muss man Sport treiben im Alter?

Es geht hierbei nicht nur um Sport. Jede Art von körperlicher Aktivität kann – bei richtigem Umfang und richtiger Intensität – positive Gesundheitswirkungen haben. Also auch Spazierengehen, Nordic Walking, Gartenarbeit, Fahrradfahren, Tanzen.

„Sport ist die beste Medizin“, findet Dr. Simon Steib.F.: privat


Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt beispielsweise, 150 Minuten moderat intensive körperliche Aktivität über die Woche zu "sammeln". Weiterhin wird an mindestens zwei Tagen Muskelkräftigung empfohlen. Bei eingeschränkter Mobilität empfehlen sich regelmäßiges Dehnen und Gleichgewichtsübungen. Das sind natürlich nur Richtwerte. Viele Aktivitäten vereinen zudem die verschiedenen Zielbereiche wie Kräftigung, Ausdauertraining und Koordination. Ein Beispiel wäre etwa das Tanzen — das macht zudem Spaß und lässt sich gut mit dem Partner oder in der Gruppe durchführen.

Wer weniger macht, macht also zu wenig?

Nein, auch weniger Aktivität erzeugt Gesundheitswirkungen. Die Empfehlungen sind als Optimalprogramm zu verstehen. Jede aktive Minute zählt.

Ist eine Voruntersuchung notwendig?

Eine Vorsorgeuntersuchung beim Kardiologen oder Sportmediziner ist in jedem Fall sinnvoll, um die allgemeine körperliche Belastbarkeit zu überprüfen. Gerade wenn man effektiv trainieren möchte, empfiehlt sich zudem eine professionelle Anleitung. Die Angebote sind vielfältig, von der Volkshochschule über Vereine bis hin zu Gesundheitszentren und Fitnessstudios. Auch an der Universität bieten wir hier Kurse an. Viele Angebote werden durch die Krankenkasse bezuschusst.

Allein zu Hause sollte man lieber nicht trainieren?

Natürlich kann man auch sehr gut zu Hause trainieren. Ein Beweglichkeits- und Krafttraining lässt sich ja gut als Morgengymnastik durchführen. Auch das Gleichgewicht lässt sich gut trainieren. Das kann man dann wunderbar durch Gartenarbeit, längere Spaziergänge, oder einen Fahrradausflug ergänzen. 

Interview: CHRISTOPH BENESCH

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