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Täglich staut sich die Blechlawine: Experten setzen auf StUB

Stadt-Umland-Bahn würde laut Gutachten 10.000 Einzelfahrten weniger bedeuten - 03.03.2016 09:27 Uhr

Zu den Hauptverkehrszeiten müssen Autofahrer in Erlangen — wie hier an der Münchener Straße — oft Geduld aufbringen. © Klaus-Dieter Schreiter


Die langen Schlangen schieben sich jeden Tag durch die Straßen, in der Früh zwischen sieben und halb neun sowie am späten Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr. In alle Richtungen bilden sich Kolonnen aus Blech: Die Pendlerströme, die sich als sogenannter motorisierter Individualverkehr (MIV) durch die Stadt quälen, produzieren Staus und belasten Menschen wie Umwelt - zeigen aber auch die ökonomische Bedeutung Erlangens innerhalb der Metropolregion.

Die Stadt ist mit fast 89.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort das zweitstärkste überregionale Arbeitszentrum im Bereich des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN), der auch die Stadt-Umland-Bahn (StUB) betreiben würde. Bezogen auf die Einwohnerzahl hat Erlangen mit 840 Beschäftigten je 1000 Einwohner die höchste Beschäftigtendichte im VGN. Aber viele der Beschäftigten kommen von außerhalb.

So übersteigt laut VGN-Experten und dem Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Erlangen (VEP) heute schon die Anzahl der Arbeitsplätze (circa 103.000) und der Studierenden (etwa 29.000) im Stadtgebiet zusammengenommen deutlich die Anzahl der Einwohner Erlangens (etwa 105.000). Hinzu kämen noch zahlreiche Auspendler (derzeit etwa 15.000), die unter anderem bei den großen Arbeitgebern in Herzogenaurach (Adidas, Puma, Schaeffler) oder in Nürnberg beschäftigt sind. Daher heißt es in der Erhebung: "Die positive Einwohner- und Arbeitsplatzentwicklung in der Region Erlangen führt zu einer immer weiter steigenden Verkehrsbelastung im Stadtgebiet, die das vorhandene Straßennetz kaum mehr adäquat bewältigen kann."

Zusätzlich gebe es etliche Wachstumsprojekte wie der Siemens-Campus, das Uni-Klinikum, die Philosophische und Technische Fakultät der Universität sowie das Entwicklungsgebiet Erlangen West und das Gewerbegebiet Herzobase in Herzogenaurach. "Aus diesen Gründen steht für Erlangen insbesondere die umweltverträgliche Bewältigung des Stadt-Umland-Verkehrs im Vordergrund", betont der Verkehrsbetrieb.

Kapazitäten im Erlanger Straßennetz ausgelastet

Laut einer Studie des Instituts KCW Berlin für den Verkehrsentwicklungsplan haben 1975 gut 66.000 Pkw täglich die Erlanger Stadtgrenzen überquert, 1989 waren es nach Angaben des Bundes Naturschutz und der Bürgerinitiative "Umweltverträgliche Mobilität im Schwabachtal" schon rund 118.000; im vergangenen Jahr, wie der VGN betont, schließlich knapp 170.000, Tendenz steigend.

Der Verkehrsentwicklungsplan stellt dazu fest, dass die Kapazitäten im Erlanger Straßennetz insbesondere zu Hauptverkehrszeiten an vielen Stellen bereits weitestgehend ausgelastet sind. Die Autos stehen im Stau oder kommen nur stockend voran.

Das sind allerdings alle Pkw-Bewegungen in alle Richtungen. Nimmt man nur die Straßen, die durch die Stadt-Umland-Bahn (oder nach Vorstellungen der Gegner durch ein Bussystem) entlastet werden sollen, ergibt sich folgendes Bild: Laut Erhebungen der Staatlichen Straßenbau-Verwaltung (Stand: 2012) waren an einem durchschnittlichen Werktag auf der B4 von und nach Nürnberg täglich 31.000 Fahrzeuge unterwegs, Richtung Herzogenaurach östlich der A3 etwa 16.000 und westlich der A3 etwa 41.000.

Laut einem Gutachten von Intraplan, einem Beratungsunternehmen im Verkehrssektor, würden dank einer StUB täglich rund 10.000 Einzelfahrten wegfallen, 8300 davon durch Pendler, die vom eigenen Pkw auf die Straßenbahn umsteigen.

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Busse weniger attraktiv

Auf ein regional optimiertes Bussystem (RoBus) würden dagegen nur 6600 täglich umsteigen, Busse sind auch für die übrigen Fahrgäste nach übereinstimmenden Untersuchungen weniger attraktiv als ein Schienenfahrzeug. Damit könnte die StUB mehr Kohlendioxid (CO2) reduzieren als das Bussystem.

Mit dem wirtschaftlichen Wachstum werden auch die Verkehrsströme zunehmen - und Bestand an Kraftfahrzeugen. Nach Feststellungen des VGN gilt das besonders für den ländlichen Raum und die Städteachse Erlangen-Fürth-Nürnberg-Schwabach. Rein rechnerisch habe im Bereich des Verkehrsverbunds seit dessen Gründung im Jahr 1987 die Anzahl der Pkw jährlich um 2,1 Prozent zugenommen. Das würde 19.700 Pkw entsprechen. Diese 19.700 Pkw beanspruchen jedes Jahr theoretisch einen zusätzlichen Flächenbedarf im ruhenden Verkehr von über 27 Fußballfeldern in den Wohnorten und 27 Fußballfeldern an den jeweiligen Arbeitsorten.

Zu ähnlichen Einschätzungen und Ergebnissen kamen bereits der Bund Naturschutz (BN) und die Bürgerinitiative "Umweltverträgliche Mobilität im Schwabachtal" in einer sogenannten Machbarkeitsstudie. Der Raum Erlangen verzeichne ein beständiges Wachstum, auch in Nürnberg und Herzogenaurach gebe es lukrative Jobs, und wer pendelt, steige vorzugsweise ins eigene Auto. Nur ein attraktives Angebot des öffentlichen Nahverkehrs könne den zunehmend belastenden Pkw-Verkehr eindämmen, lautet das erste BN-Fazit. Und: Im Vergleich zwischen Bus, H-Bahn. U-Bahn und Straßenbahn schneide Letztere am besten ab.

Und heute, 25 Jahre nach der BN-Studie? Zwar wollen immer mehr junge Leute kein eigenes Auto besitzen, sondern lieber Rad und öffentliche Verkehrsmittel und Carsharing nutzen, doch das findet man vor allem in größeren Städten vor, in denen es ein attraktives ÖPNV-Netz gibt mit günstigen Tarifen.

Dennoch sei ein Ende der Zunahme der Pkw nicht in Sicht, betont der VGN. Unter optimistischen Annahmen könnte sich der Trend ab 2025 etwas abschwächen und der Fahrzeugbestand im Jahr wieder 2040 das jetzige Niveau erreichen. 

Sharon Chaffin

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