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Umwelt rund um Erlangen im Blick

Bürgerinitiative Schwabachtal will noch viel erreichen - 16.05.2018 11:30 Uhr

Infostand der Bürgerinitiative Umweltverträgliche Mobilität im Schwabachtal e.V. in Uttenreuth. Die Gegner der Südumgehung sammeln im Jahr 2007 Unterschriften, um ein Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen. © Harald Hofmann


Begonnen hatte die BI allerdings mit einem anderen "Sorgenkind". Nachdem die bayerischen Straßenbauverwaltung angesichts einer (immer noch) hoffnungslos überlasteten Staatsstraße von Neunkirchen am Brand bis in die Erlanger Stadtmitte hinein eine Umgehungsstraße für die Gemeinden Uttenbreuth und Buckenhof plante, hatte sich die BI vorgenommen, dies zu verhindern und stattdessen auf neue Mobilitätsformen zu setzen. Bis heute hat die BI einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr im Blick, bevorzugt schienengebundene Fahrzeuge mit großer Transportkapazität.

Bei ihrer Gegnerschaft zu einer Umgehung der Staatsstraße 2240 konnte sich die Bürgerinitiative der Unterstützung auch vieler Anwohner sicher sein, die nicht alle Ziele der BI teilten. Aber die Vorstellung, dass eine weitere breite Straßenschneise durch die bereits stark mit Wohnsiedlungen und Gewerbebauten belastete Landschaft geschlagen würde, gar die Bürger von ihrem Naherholungsgebiet Reichswald abgeschnitten würden, ließ den Widerstand gegen die staatlichen Baupläne wachsen.

Bereits zwei Jahre nach der Gründung der BI – wichtigstes Gründungsmitglied war damals der heutige "Ehrenvorsitzende" Rainer Klar – gab es im Mai 1995 eine erste öffentliche Info-Veranstaltung auf dem Waldparkplatz in Uttenreuth. Eine im Jahr darauf veranlasste Verkehrszählung des Durchgangsverkehrs in Uttenreuth zeigte auf, dass dringend neue Verkehrskonzepte gesucht werden mussten. Eine bis heute erfreuliche Folge war, dass der Busverkehr stark "verdichtet" wurde. Heute ist die Linie 209 zwischen Erlangen und dem östlichen Landkreis eine stark genutzte, in den Spitzenzeiten reichen aber auch die jetzigen Kapazitäten nicht aus, zudem stehen die Busse häufig im Stau – ein Problem, das eine Straßenbahn nicht haben müsste.

Bis die Südumgehung der Staatsstraße 2240 im Juni 2012 mit der Einstellung des Planfeststellungsverfahrens zu den Akten gelegt wurde, vergingen Jahre des Widerstands, der Unterschriftensammlungen und Petitionen – und natürlich der öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie "Sonntagswanderungen" oder Menschenketten im Reichswald. Sage und schreibe drei Petitionen gingen an den Landtag, der diese aber nicht bearbeitete, sondern sie als Quasi-Prüfauftrag an das für den Straßenbau zuständige Innenministerium weiterleitete.

Erste Signale aus der Politik – Bayerns oberster Straßenbauer war als Innenminister ab 2007 der Erlanger CSU-Abgeordnete Joachim Herrmann geworden – gab es bereits 2010, das staatliche Bauamt gab die Südumgehung 2011 auf, schlug aber noch eine Alternativtrasse vor. Nachdem der Gemeinderat Uttenreuth diese kurz darauf ablehnte, kam im Juni das Ende des Planfeststellungsverfahrens – die Südumgehung war damit "gestorben".

Schiene im Blick

Dass die BI nicht "gegen", sondern "für" (nämlich eine umweltverträgliche Mobilität) gegründet worden war, sollte sich als weitsichtig herausstellen. Nicht nur, dass Alternativen zum Auto wie der Radverkehr oder der Bus weiter gefördert wurden, sondern dass auch die Schiene nicht aus dem Blick geriet, war damit angelegt. Und die BI – mittlerweile von Ester Schuck und ihren Stellvertretern Hans-Thomas Benz und Volker Brase geführt – wurde zum Motor der Bewegung für eine Stadt-Umland-Bahn. Auf große Resonanz stieß beispielsweise der erste Blick auf ein ausgeklügeltes Stadtbahnsystem in Karlsruhe, als deren Leiter Dieter Ludwig als charismatischer Nahverkehrsprediger das Publikum faszinierte. Zwei Jahre später, im Jahr 2010, hieß es bei einem Vortrag von gleich drei Fachleuten, dass Stadtbahnen eine Erfolgsmodell für Wirtschaft und Lebensqualität seien.

Trotz intensiver Bewerbung des Stadtbahnprojekts aber entschied sich bei einem Bürgerbegehren im Landkreis keine Mehrheit für den Beitritt zum längst gegründeten und arbeitenden Zweckverband (bestehend aus den Städten Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach) – die StUB muss ohne die Beteiligung des Landkreises geplant (und möglicherweise auch gebaut) werden.

Trotzdem wird in den Gemeinden entlang einer möglichen Trasse nicht aufgegeben. Sowohl einzelne Bürgermeister – allen voran der Buckenhofer Bürgermeister Georg Förster – als auch Lokalpolitiker in den anderen Schwabachtalgemeinden können sich mit dem Gedanken einer Bahnverbindung anfreunden, und der neue StUB-Zweckverband gibt auf Versammlungen immer wieder gerne Auskunft.

Dass der Gedanke auch im Landkreis-Osten nicht aus dem Auge verloren wird, könnte sich als segensreich erweisen. Denn auch nach dem "Aus" für die Südumgehung plant die bayerische Baubehörde die Fortführung der Staatsstraße am Erlanger Osten, in Eltersdorfs Süden und über Hüttendorf nach Fürths Westen weiter. Da könnten auch in Buckenhof und Uttenreuth noch böse Überraschungen lauern, zumal der ins Wort genommene Joachim Herrmann zwar immer noch Innenminister ist, aber nicht mehr (Straßen-)Bau- und Verkehrsminister. 

PETER MILLIAN

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