Montag, 19.11.2018

|

Wenn aus dem alten Dampfradio wieder Musik ertönt

In Heroldsberg hat am Samstag das neue Repair-Café Premiere — Besitzer erhält bei den Reparaturen Tipps und soll mithelfen - 07.11.2018 18:00 Uhr

Sehr erfolgreich hat sich das Repair-Café im Erlanger E-Werk entwickelt. Es ist eines der Vorbilder für das Heroldsberger Projekt. © Foto: Harald Sippel


In anderen Orten der Region wie Erlangen, Nürnberg oder Forchheim haben sich solche Repair-Cafés inzwischen etabliert. Auch in Heroldsberg ist das Ziel, dass sich zwanglose Treffen entwickeln, bei denen die Besucher zusammen mit den ehrenamtlichen Helfern Utensilien, die in ihrer Funktion eingeschränkt oder komplett defekt sind, wieder in Ordnung bringen können.

Egal, ob der Staubsauger keinen Muckser mehr macht, der Toaster klemmt oder der Rock zu weit ist: Vor Ort widmen sich Fachleute kostenlos dem Problemfall.

Große Einschränkungen bei den Gegenständen gibt es nicht. "Was der Besitzer in den Bürgersaal transportieren kann, wird inspiziert und, falls möglich, repariert — selbst wenn es eine Gefriertruhe oder ein Häcksler ist", betont Doris Koch von der Heroldsberger Agenda-21-Gruppe. Eine Gewährleistung wird nicht übernommen.

Auf keinen Fall soll das Repair-Café eine Konkurrenz zu den örtlichen Gewerbetreibenden darstellen. Gedacht ist es als Gegenentwurf zur verbreiteten Wegwerfkultur. Damit wollen die Organisatoren einen Beitrag zum schonenden Umgang mit Rohstoffen und zur Reduzierung der Müllberge leisten.

Der Besitzer des lädierten Gegenstands wird zudem aktiv bei der jeweiligen Reparatur mit einbezogen. Repair-Café bedeutet nämlich nicht: Das Fahrrad, den Stuhl oder den Mantel einfach abgeben und abwarten, bis alles wieder passt. Vielmehr schaut sich der Fachmann das kaputte Stück mit dem Eigentümer gründlich an und erklärt ihm, was zu tun ist. Zu zweit wird dann repariert. Bei Bedarf springen andere Helfer mit ein, leihen beispielsweise Werkzeuge aus.

Gewinnen konnte die Agenda-21-Gruppe unter anderem einen Elektroingenieur und eine Schneiderin. Neben dem Werkzeug bringen die Fachleute auch gängige Ersatzteile wie Widerstände, Kabel, Schalter, Nähgarn oder Stopfwolle mit. Sollten diese im Einzelfall nicht ausreichen, wird dem Besucher gesagt, was für ein Ersatzteil er benötigt und bei welchem Händler im Umkreis er dieses besorgen kann.

Macht sich der Mann oder die Frau gleich auf den Weg und kommt mit dem nötigen Material noch vor dem Ende der Öffnungszeit des Cafés der etwas anderen Art zurück, kann die Reparatur noch durchgeführt werden. Bei entsprechendem Andrang dürften sich Wartezeiten für das gemeinsame Tüfteln nicht vermeiden lassen. Wie bei der Kfz-Zulassungsstelle oder dem Einwohnermeldeamt erhält der Besucher eine Nummer und wird dann aufgerufen.

Damit sich niemand bis dahin langweilt, wird das Café seinem Namen gerecht. Es gibt Kaffee und Kuchen für jeweils 50 Cent. Verdient wird dabei nichts, denn das Angebot ist nicht kommerziell. Allerdings freuen sich die Initiatoren über Spenden, von denen Ausgaben beglichen oder häufig benötigte Reparaturmaterialien gekauft werden.

Gut entwickelt hat sich das Repair-Café in Erlangen, das an jedem dritten Samstag im Monat von 11 bis 15 Uhr im E-Werk stattfindet. Wie Helmut Hädrich, der sich um das Management kümmert, erzählt, erfüllt die Einrichtung neben der ökologischen auch eine soziale Funktion.

Gerade bei Bedürftigen schont es zum einen den Geldbeutel. Zum anderen kommen die Menschen auf unkomplizierte Weise ins Gespräch. "Dies ist eine schöne und überhaupt nicht altmodische Alternative dazu, immer nur ins Smartphone oder den Fernseher zu blicken", so Hädrich.

Besonders für ältere Menschen besäßen viele Gegenstände nicht bloß einen materiellen, sondern auch einen ideellen Wert. Helmut Hädrich: "Oft hängen schließlich Erinnerungen daran. Außerdem sind ein altes Dampfradio oder eine Stehlampe aus dem 1950er Jahren längst ein Stück Kulturgeschichte."

Wenn es gut angenommen wird, soll das Heroldsberger Repair-Café etwa drei Mal im Jahr stattfinden. Für weitere Informationen kann man sich bei der Gemeinde an Jürgen Wachter, Telefon 09 11/ 5 18 57 11, E-Mail j.wachter@heroldsberg.de, oder an Doris Koch von der Agenda-21-Gruppe, Telefon 09 11/ 5 18 12 41, wenden. Auch wer über gute Kenntnisse und Fertigkeiten für Reparaturarbeiten verfügt, kann sich melden. 

SCOTT JOHNSTON

1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Heroldsberg