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Wenn Uhren mitreden: Wearables-Pionier in Erlangen

Über den Nutzen und die Risiken der neuen smarten Technik - 29.11.2015 10:00 Uhr

Pionier Florian Schumacher probiert smarte Uhren aus. © Foto: privat


Florian Schumacher weiß alles über sich. Wie erholsam er schläft. Wie gesund er isst. Wie effektiv er Sport treibt. Und wenn er möchte, weiß das auch sein Arzt, seine Versicherung, sein Smartphone, ja eigentlich die ganze Welt. Angst hat der 35-Jährige davor nicht. Ganz im Gegenteil. Der Vermessung seines Lebens kommt er leidenschaftlich gern nach. Möglich machen das: Wearables.

Das sind tragbare Computersysteme, die während der Anwendung am Körper befestigt sind. Bekannt sind Armbänder, die Schritte zählen, oder Uhren, die den Puls messen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Gebündelt werden die Daten im Smartphone, das die gesammelten Infos an den Nutzer ausgibt.

 „Ich wollte am Anfang effektiver Sport treiben“, sagt Florian Schumacher. „Apps visualisieren die Analyse entsprechend. Das motiviert.“ Jetzt zieht er sein Fitnessprogramm jeden Morgen durch. „Ohne Wearables würde ich ungesünder essen und ineffizienter schlafen.“ Ein Leben ohne die smarten Helfer könnte er sich nicht mehr vorstellen.

Ausprobiert hat er vieles. Eine Auswahl stellt der Münchner während seines Vortrags bei der Offenen Werkstatt am Fraunhofer Institut IIS vor. „Eine App erfasst in Echtzeit, wie man Muskeln anspannt und ob man die Übung richtig macht.“ Der Nutzer muss nur smarte Kleidung mit den entsprechenden Sensoren tragen. Es gibt ein Springseil, das einem die Zahl der Wiederholungen anzeigt, ein Pflaster, das den Stresslevel misst, eine Uhr, die sagt, dass man heute noch 3000 Schritte gehen muss.

Und wofür das alles? „Menschen haben mittlerweile eine längere Lebensspanne, doch sind nicht unbedingt gesund“, sagt Schumacher. „Das liegt auch an zu wenig Bewegung, ungesundem Essen und unnatürlichem Licht.“ Der Nutzen für die Gesundheitsbranche sei groß. Wearables können Blutdruck- und Zuckerwerte, die Atemfrequenz oder Herzaktivität überwachen. „Moderne elektrische Zahnbürsten zeichnen auf, wie gut man putzt.“ Die gesammelten Daten können Ärzten helfen, die Behandlung zu verbessern.

„Es gibt viele Vorteile und die Geräte sind teilweise günstig für 50 bis 100 Euro zu haben“, sagt Schumacher. Bereits 17 Prozent der Deutschen besitzen einen oder mehrere smarte Helfer. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Wirtschaftsberatungsgesellschaft PwC aus diesem Jahr.

Schumacher hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er testet neue Technik und berät Unternehmen. Vor drei Jahren hat er „Quantified Self Deutschland“ gegründet, eine Plattform für den Austausch von Nutzern und Anbietern von Wearables. Auch in Erlangen gibt es eine Gruppe.

„Wir bewegen uns hin zu einer smarteren Welt“, ist Schumacher überzeugt. Nicht alle teilen diesen Enthusiasmus (hier geht's zu den auch kritischen Experten-Meinungen). Der Markt aber wächst. Und mit ihm das Wissen über uns selbst.

Infos zur Quantified-Self-Gruppe Erlangen: www.meetup.com/de/Health-2-0-Erlangen/

  

KATHARINA TONTSCH

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