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Wie wird man eigentlich wirklich glücklich?

Heute ist der Internationale Tag des Glücks — Glücksschweine, Kleeblätter, Schornsteinfeger unter der Lupe - 20.03.2017 12:00 Uhr

Rosa Schweinchen und Schornsteinfeger — Glücksbringer aus Marzipan © Foto: Edgar Pfrogner


Herr Heuvemann, freut sich ein Botaniker noch über ein vierblättriges Kleeblatt?

Claus Heuvemann, Leiter des Botanischen Gartens Erlangen: Ja! Ich finde wider Erwarten ganz selten eines, ich habe dafür einfach ein ganz schlechtes Auge. Das ist eine Begabung, die hat man oder man hat sie nicht. Meine Frau muss sich nur in die Wiese stellen und sieht eines – sie hat sogar mal ein Fünfblättriges gefunden! Aber wenn ich mal eines finde, dann freue ich mich umso mehr.

 

Herr Stark, wie nervig ist es für einen Schornsteinfeger, so oft auf das Glücksbringerdasein angesprochen zu werden?

Marcus Stark, Bezirksschornsteinfeger von Mittelfranken: Überhaupt nicht! Ich werde oft auf der Straße angesprochen und freue mich, wenn ich den Leuten damit eine Freude bereiten kann. Es gibt viele, die fest daran glauben. Die Tradition kommt aus dem Mittelalter, als offene Kamine oft zu Bränden geführt haben und das mit der Entstehung der Schornsteinfeger verhindert werden konnte.

 

Frau Stärtzel, macht Schokolade nicht eigentlich nur dick?

Anna Stärtzel, Geschäftsführerin von Pralinen & mehr: Ich würde sagen, die Menge machts! Ein kleines Stück Schokolade bringt ein kleines Stück Glück. Zu viel macht gar nicht glücklich — das gilt ja für alles. Und es ist sogar wissenschaftlich belegt, dass Kakao Glücksgefühle erzeugt. Man kann immer wieder etwas Neues entdecken, das macht glücklich. Oder man freut sich nach einem anstrengenden Tag auf ein Stück seiner Lieblingsschokolade. Es kommt immer auf den Moment an: Nach Ostern oder Weihnachten kann keiner mehr Schokolade sehen, wenn man den Moment aber zelebriert, zum Beispiel mit einem Kaffee oder Glas Wein, dann reicht ein kleines Stück zum Glück.

 

Frau Kaiser, lassen sich schwarze Katzen schlechter vermitteln?

Rosemarie Kaiser, Leiterin des Erlanger Tierheims: Ja, das ist schon so. Es gibt einige Leute, die sind da etwas komisch eingestellt. Es ist nicht mehr so oft wie früher, aber es kommt vor. Die Leute sagen dann auch direkt, dass eine schwarze Katze nicht infrage kommt. Wir sagen: Was solls? Letztlich muss jeder selbst entscheiden und wir akzeptieren es. Schließlich soll es dem Tier ja so gut wie möglich gehen.

Herr Bink, warum ist die Ein-Cent-Münze in der Währung des Glücks am meisten wert?

Anton Bink, stellvertretender Leiter des Finanzamtes: Ich stelle mir das so vor: Wenn man diese kleine Münze findet, fühlt man sich wie ein König. Die kleinste Münze soll ja helfen, dass einem das Geld nie ausgeht. Ich hebe den Cent auch immer auf, weil ich die Tradition hochhalten will und weil ich mich freue, dass meine Augen noch so scharf sind. Mein Glück mache ich aber nicht an einem Stück Metall fest.

 

Herr Professor Kornhuber, jetzt mal ehrlich: Wie wird man wirklich glücklich?

Prof. Johannes Kornhuber, Direktor der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik: Das ist bei jedem ein klein wenig unterschiedlich, man kann es aber doch einfach halten: Glück ist Liebe! Es geht dabei zentral um Beziehungen zu anderen Menschen. Wenn man Menschen auf dem Sterbebett befragt, was sie bereuen, ist die Antwort, dass sie viel mehr Zeit mit ihren Lieben hätten verbringen müssen. Die Antwort ist nicht "Ich hätte regelmäßiger Tatort schauen müssen" oder "Ich hätte mich viel mehr mit Facebook beschäftigen sollen". Entscheidend für ein glückliches Leben ist auch, wie man als Kind aufgewachsen ist. Das hat ganz langfristige Auswirkungen. Studien zeigen, dass Männer, die eine enge Beziehung zu ihrer Mutter hatten, als Erwachsene besser verdienen und weniger oft an Demenz leiden. Eine gute Beziehung zum Vater bedeutete für Kinder weniger Angst und mehr Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Es geht dabei nicht darum, möglichst viele Personen um sich zu haben. Denn: Auch mit vielen Freunden kann man einsam sein. Viel wichtiger sind vertrauensvolle Beziehungen und das Gefühl, angenommen zu sein. 

KILIAN TRABERT

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