Dienstag, 25.09.2018

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Zahl der Erlanger Berufsschüler ist noch unbekannt

Am 11. September steht nicht fest, wer eine Ausbildung beginnt - 08.09.2018 15:00 Uhr

Schulleiter Roland Topinka und seine Kollegen an der Berufsschule Erlangen wissen in den Ferien noch nicht genau, wie viele neue Schüler am 11. September vom Schulgebäude hinüber zur Hiersemannhalle gehen werden. © Harald Sippel


Wenn Roland Topinka am Dienstag in der Hiersemannhalle die "Neuen" begrüßt, wird er sie in seiner Ansprache in der größten Berufsschule Bayerns willkommen heißen. Ob das stimmt, kann er aber gar nicht wirklich wissen. Denn die Zahl derjenigen, die im Schuljahr 2018/19 eine Ausbildung und damit ihr erstes Schuljahr an der Berufsschule anfangen, steht am 11. September noch nicht endgültig fest. Hinzu kommt, dass sich, was die Schülerzahlen betrifft, die Berufsschule Erlangen ein "Kopf-an-Kopf-Rennen" mit der Berufsschule Ansbach liefert.

"Vielleicht müsste ich sagen, wir sind die zweitgrößte Berufsschule in Mittelfranken", sinniert Topinka. Da es aber schlichtweg unmöglich sei, dies zu wissen, werde er die Zahlen vom 20. Oktober 2017 nehmen, dem "Statistiktermin", an dem sämtliche Schulen in Bayern ihre Schülerzahlen beim Kultusministerium melden — "und da sind wir mit 2832 Schülern Mittelfrankens größte Berufsschule".

"Knapp 900 bis knapp 1000 Schülerinnen und Schüler werden am 11. September in der Hiersemannhalle auftauchen", so die Erwartung Topinkas. Dort beginnt für sie der schulische Teil der dualen Ausbildung. Ihr Alter: im Durchschnitt fast 20 Jahre. Von einer "heterogenen Struktur" spricht der Schulleiter. 15-Jährige werden neben 40-Jährigen stehen. Und: Es werden mehr männliche als weibliche Schüler sein, "es verschiebt sich hin zu den Männlein", sagt Topinka salopp. Insgesamt erwartet man einen leichten Rückgang der Schülerzahlen, hauptsächlich im kaufmännischen Bereich.

An Veränderungen und immer wieder neue Situationen ist man an Berufsschulen gewöhnt, "sie sind immer sehr flexibel und kreativ", sagt Topinka und spielt damit nicht nur auf die Zunahme der Berufsintegrationsklassen als Folge der gestiegenen Flüchtlingszahlen vor drei Jahren an.

Fest steht, dass sich viel geändert hat in den Jahren, in denen Roland Topinka im Schuldienst ist. Sein 35. Schuljahr steht dem 60-Jährigen nun bevor, seit 20 Jahren ist er mit der Organisation befasst, im siebten Jahr Schulleiter in Erlangen. "Die Anmeldungen der neuen Schüler kommen immer später", weiß er. Mittlerweile kämen viele Anmeldungen erst in den Sommerferien, und es ziehe sich bis in den Dezember hinein. "Früher waren wir im April oder Mai damit durch." Bei den Bankkaufleuten seien die Anmeldungen früher sogar schon im November des Vorjahres eingegangen. "Inzwischen hat sich die Situation gedreht." Einige Leute würden mehrere Ausbildungsverträge abschließen und sich dann erst kurzfristig entscheiden, andere "gehen an die Fachoberschule statt in eine Ausbildung".

Die Probleme der Betriebe, Auszubildende zu finden, schlägt sich entsprechend in den Berufsschulen nieder. Die "Problemberufe", in denen es besonders schwer ist, Nachwuchs zu finden, sind verteilt auf verschiedene Berufsschulen: in Erlangen die Friseure — deren Beschulung nun, wie berichtet, nicht nach Fürth verlagert wird, sondern in Erlangen bleibt —, in Herzogenaurach die Köche und Restaurantfachangestellten, in Fürth die Bäcker und Metzger. Bei den Friseuren lagen der Berufsschule Erlangen Mitte August lediglich neun Anmeldungen vor. "Ich erwarte aber, dass ich am ersten Schultag zirka 30 Friseur-Azubis hier habe", sagt Topinka.

Der meistgefragte Ausbildungsberuf an der Berufsschule Erlangen ist derzeit der Fachinformatiker. 400 Schüler in diesem Bereich, alle Jahrgänge zusammengezählt — das war die Zahl, die Mitte August im Raum stand. "Es werden voraussichtlich 450", sagt der Schulleiter.

Die Zahl der Azubis bei den Bankkaufleuten sei hingegen zurückgegangen, hier machen sich die Fusionen der Banken bemerkbar. Auch bei den Industriekaufleuten sind die Azubi-Zahlen rückläufig, "wir haben in den letzten zwei Jahren zwei Klassen verloren", wegen des Trends bei großen Unternehmen, "Industriekaufleute durch Bachelor zu ersetzen".

Eines weiß Roland Topinka schon vor dem Start des neuen Schuljahrs: "Die Digitalisierung wird zentrales Thema an allen Schularten in Bayern sein". Und natürlich auch an der Berufsschule Erlangen. Wichtig sei es, "zu schauen, wo sich die Betriebe hin entwickeln". Der Kfz-Bereich zum Beispiel — ist das künftig noch ein "Metallberuf" oder gehört er vielmehr zur IT? 

EVA KETTLER

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