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Zwei Baiersdorfer wollen auf dem Tandem zur WM

Tim Kleinwächter und Peter Renner vom Radteam Herrmann haben große Pläne - 17.03.2017 11:20 Uhr

Können sich aufeinander verlassen: die Tandem-Partner des Radteams Herrmann, Peter Renner (li.) und Tim Kleinwächter.

Können sich aufeinander verlassen: die Tandem-Partner des Radteams Herrmann, Peter Renner (li.) und Tim Kleinwächter.


Angefangen hat alles mit einem Albtraum. "Mein Leben hört am 5. August 2006 auf und fängt vier Wochen später wieder an." Tim Kleinwächter überlebte als 17-Jähriger einen Fahrradunfall, lag vier Wochen im Koma. Als er aufwachte, blieb ihm ein Sehrest von zwei Prozent. "Die Ärzte haben gesagt, dass ich nicht mehr aus dem Rollstuhl aufstehen oder lesen könnte."

Zehn Jahre später ist Tim Kleinwächter aus Bad Windsheim einer der besten Tandem-Fahrer in Deutschland, hat zudem eine Ausbildung zum Masseur und Physiotherapeut abgeschlossen. "Was ich jetzt alles sportlich mache, habe ich vor dem Unfall nie gemacht." Laufen, Schwimmen, Ergometer-Fahren. "Nach so einem Unfall brauchst du eisernen Willen, um es durchzuziehen."

Haben schon beim ersten Training perfekt harmoniert: Peter Renner (vorne) steuert das Tandem, Tim Kleinwächter gibt hinten Gas.

Haben schon beim ersten Training perfekt harmoniert: Peter Renner (vorne) steuert das Tandem, Tim Kleinwächter gibt hinten Gas. © Fotos: Harald Sippel


In der Behindertensport-Klassifizierung gilt Kleinwächter als blind. "Ich sehe überall Punkte in grellen Farben, auch wenn ich die Augen zumache." Einzelheiten kann er zwar erkennen. "Doch ich habe kein gesamtheitliches Bild. Wenn ich Leute sehe, erkenne ich sie an der Stimme oder der Silhouette." Radfahren könnte der 27-Jährige vielleicht, aber nicht so schnell wie mit dem Rennrad. "Und das wäre doch langweilig."

"Ein verlässlicher Motor"

Für Peter Renner war das Tandem eine Umstellung. "Man trägt Verantwortung. Wenn ich alleine auf dem Rad sitze und etwas passiert, bin ich alleine dran. Doch jetzt sind wir zu zweit", sagt der 29-Jährige. "Tim ist ein verlässlicher Motor. Selbst wenn ich nicht trete, bewegen wir uns weiter."

Den ersten Sieg verbuchte das Tandem beim Europacup in Prag. "Der Grundstein für den Erfolg ist auch, dass man sich gut kennt." Läuft alles optimal, sind die "Herrmänner" im September bei der Weltmeisterschaft in Südafrika am Start.

"Wir wollen die Rad-Zeit pulverisieren"

Dafür müssen sie sich in drei Weltcups beweisen. Zweites großes Ziel ist die Challenge Roth. "Wir wollen dort die Rad-Zeit pulverisieren", sagt Renner. Ebenfalls anvisiert ist die Deutsche Meisterschaft. Für Peter Renner wäre es der erste Titel, für Tim Kleinwächter bereits der vierte.

Davor aber steht erst einmal das Heimrennen, die Bayerische Meisterschaft am 7. Mai im Erlanger Umland, an. Da werden auch Paralympics-Sieger dabei sein: Michael Teuber und Steffen Warias haben sich angekündigt.

"Wir freuen uns darauf", sagt Renner. "Es ist unser Heimspiel, da wollen wir uns auf jeden Fall zeigen." Dass Tim Kleinwächter dabei sein kann, hätte vor zehn Jahren wohl niemand für möglich gehalten. Jetzt aber ist die Meisterschaft nur eine Zwischenstation. 

KATHARINA TONTSCH

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