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Als Rangen zur Filmkulisse wurde

1988 wurde in dem Gräfenberger Ortsteil Film "Himmelsheim" gedreht - 11.06.2018 09:00 Uhr

Die Gitter vor den Fenstern des Hauses der Stadelmanns in Rangen brachten die Filmleute an. Sie befinden sich heute noch dort, als Erinnerung an die Drehtage. © Petra Malbricht


Im Frühjahr 1987 lief ein Mann auf der Wiese von Hans Stadelmann herum. Er stellte sich als Manfred Stelzer vor. Der bekannte Regisseur, unter dessen Regie "Der Superstau", etliche Tatorte oder Polizeiruf-110-Sendungen entstanden sind, suchte nach einem Drehort für seine Komödie "Himmelsheim" nach dem Buch von Fitzgerald Kusz.

Rangen, das kleine, zur Stadt Gräfenberg gehörende Dorf, schien ihm genau der richtige Ort dafür. Der Ort liegt idyllisch von Wald umgeben und man kann ihm einen altmodischen Charme nicht absprechen. Einfach passend für die Handlung des Films, fand Regisseur Stelzer.

Hans Stadelmann war hautnah dabei, denn sein Haus war Dreh- und Angelpunkt des Projekts. Ein halbes Jahr lang — von März bis September 1988 — teilte er sein Haus mit dem Filmteam. Mit dabei: Elke Sommer, die im Film eine der Hauptrollen spielt. "Es wurde oft den ganzen Tag lang eine Szene gedreht, die dann für fünf Sekunden im Film zu sehen war", erinnert er sich.

Gitter als Erinnerung

Für die Stadelmanns war es eine interessante Erfahrung. Sie lebten in der Einliegerwohnung, während im Rest des Hauses gedreht wurde. Die Gitter vor den Fenstern brachten die Filmleute an. Sie befinden sich heute noch dort als Erinnerung an die Drehtage.

Der Drehort wurde damals geheim gehalten. Doch manches Detail, wie hier auf einem alten Foto verriet den Ort des Geschehens. © Petra Malbricht


Hans Stadelmann und seine Familie konnten sich während der Zeit kaum frei bewegen. Erst wenn der Weg frei war, konnten sie den Kühen frisches Gras bringen. Abends, wenn nicht gedreht wurde, saßen die Filmleute zusammen. "Die Filmzentrale, von der aus alles organisiert wurde, war im ehemaligen Kinderheim in Kasberg. Die Schauspieler und das Filmteam haben im Gasthof Hötzelein in Regensberg übernachtet. Er hat auch das Essen geliefert", weiß der Hausherr noch.

In Stadelmanns Haus lebt im Film der Landrat, der von Gräfenbergs Bürgermeister, Hans-Jürgen Nekollas Vater Hans gespielt wurde. "Er durfte sogar einige Sätze im Film sagen", weiß sein Sohn noch. Auch Hans Stadelmann selbst wirkte mit. Und zwar so: In dem Film sollte eine Ente herumlaufen. Wenn der Lastwagen kam, musste Stadelmann die Ente dorthin tragen und auf der Erde absetzten. Auch einen Lastwagenfahrer durfte Stadelmann spielen.

Roter Sand aus Kassel

Insgesamt sechs Gebäude in Rangen waren für die Filmaufnahmen genutzt worden. Das andere Fachwerkhaus der Familie Stadelmann, brannte ein Jahr nach den Dreharbeiten ab. Für den Film wurde außerdem tonnenweise rote Erde verteilt, der extra aus Kassel angefahren wurde.

Zum Filmteam hatten sie trotzdem ein gutes Verhältnis. Elke Sommer und Manfred Stelzer waren "gut drauf". Zu anderen Schauspielern wie Sigi Zimmerschied oder Hanns Zischler hatten sie weniger Kontakt.

Ein tragisches Ereignis ist den Stadelmanns in Erinnerung geblieben: "Ein Kameramann hatte während eines Spaziergangs in der drehfreien Zeit einen Herzinfarkt erlitten und starb", sagt Stadelmann. Bis die Crew Ersatz hatte, wurde pausiert.

Zur Premiere am 2. März 1989 waren die Dorfbewohner eingeladen. Sie bekamen eine Kopie von dem Film. Zum Jubiläum im nächsten Jahr wollen die Rangener ein Dorffest gestalten — mit Filmvorführung. Dass Rangen hinter dem Namen steht, wurde übrigens nie verraten. Man wollte einen Besucherandrang während der Dreharbeiten verhindern. 

PETRA MALBRICH

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