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Am Limit: Zwei Forchheimer rennen durch die Alpen

Hobby-Triathlet kämpfte sich mit Muskelfaserriss ins Ziel - 01.11.2017 17:05 Uhr

Beim Transalpinrun kommt es auch auf die Technik auf den Bergab-Passagen an. © Ralf Friedrich


Herr Sulzner, ganz salopp gefragt: Wie kommt man auf die aberwitzige Idee, an so einem Wettkampf teilzunehmen?

Thomas Sulzner (lacht kurz): Tatsächlich haben einige Bekannte mit dem Kopf geschüttelt. Die Sportler aber konnten es nachvollziehen. Vor 27 Jahren bin ich beim Triathlon gelandet, habe etliche Rennen wie die Langdistanz in Roth mit 11:20 Stunden absolviert. Doch mit der Zeit bin ich in ein Motivationsloch gefallen, wollte etwas Neues ausprobieren. Da kam ich auf das Trailrunning, das derzeit einen ähnlichen Hype erlebt wie in den 90er Jahren der Triathlon.

Manche begnügen sich mit einfachem Crosslauf. Gab es bei der Umstellung von drei Disziplinen auf eben eine keine Probleme?

Thomas Sulzner: Obwohl ich beim Triathlon eher Spezialist für die Sprint- oder Kurzdistanz war, gehörte das Laufen zu meinen Stärken. Den Marathon habe ich in 3:10 Stunden geschafft. In den vergangenen zwei Jahren steigerte sich die Herausforderung über den Frankenweglauf-Marathon bis zum Rennsteig in Thüringen. Bergauf-Passagen, die teilweise nur Gegangen werden können, liegen mir auch ganz gut. Eine neue Erfahrung ist die Technik, wenn es abwärts geht. Auf die Cracks verlierst du auf 10 km etwa 20 Minuten, wenn du aus Sturzangst vorsichtiger bist. Beim Straßenlauf liegt das Gewicht mehr auf dem Vorfuß, im Gelände muss der ganze Fuß auf den Boden, um die nötige Stabilität zu bewahren. Es kommt auf vorausschauende Bewegungen an, trotz Kraftverlust ist hohe Konzentration gefordert.

Thomas Sulzner (re.) und Ralf Friedrich. Friedrich © F.:


Ein psychologischer Vorteil im Vergleich zur Monotonie beim Marathon?

Thomas Sulzner: Den berühmten Tunnelblick, in dem die Athleten in sich gekehrt sind, gibt es beim Trailrunning nicht. Du bist immer im hier und jetzt, du hast keine Zeit zum Nachdenken. Daher kommen einem die Strecken nicht mehr so lange vor. Trotzdem ist es eine Grenzerfahrung, die mich ans Limit brachte.

Wie muss man sich so einen Tag vorstellen?

Thomas Sulzner: Ab Tag drei fühlte sich jede Etappe wie ein Ironman an. Dazu musste man mit schwankenden Wetterbedingungen zwischen strömendem Regen, Sonnenschein oder Schneefall zurechtkommen. Der Zusammenhalt im Teilnehmerkreis war eine große Hilfe, die Mehrzahl aus dem Feld hat in den Camps in Turnhallen übernachtet. Nach der Zielankunft lief ein Routineprogramm ab: Massieren lassen, zum Briefing für den nächsten Tag gehen und den Eiweiß- und Kohlehydratspeicher wieder auffüllen. Nicht jeder Magen verträgt diese Ernährung. Gegen 4.30 Uhr morgens war Aufstehen angesagt, zwischen sieben und acht Uhr fiel der Startschuss. Zum Glück bin ich von Blasen und Gelenkschmerzen bis kurz vor Schluss verschont geblieben.

Was ist dann passiert?

Thomas Sulzner: Ungefähr 15 Kilometer vor dem Ziel habe ich mich vertreten und mir einen Muskelfaserriss zugezogen. Eine Aufgabe kam für mich nicht in Frage, das wollte ich meinem Partner nicht antun. Außerdem waren wir zu weit gekommen. Mit der Verletzung war der finale Abstieg eine Tortur, es ging nur langsam voran. Um vier Minuten sind wir innerhalb des Zeitfensters geblieben und entgingen der Disqualifikation.

  

KEVIN GUDD

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